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15.08.2015




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Ein Freibad im Stahlbuschseifen
von Johannes Vossen  

Seit mehr als 30 Jahren ist der Feuerlöschteich im Stahlbuschseifen ein beliebter Rastpunkt für Wanderer und Spaziergänger, die hier am Biotop in einladender Waldlage gerne ein Stündchen verweilen. Vor gut zehn Jahren war der Fortbestand der Anlage fraglich geworden, weil da die Genehmigungsfrist abgelaufen war und die paragraphenstrengen Behörden für 60.000 DM Steuergeld den Teich zu beseitigen trachteten. Dem massiven Protest durch Vereinskartell, Feuerwehr, Forstbetrieb und Gemeinderat ist der Erhalt des Biotops im „Stahlböschsiefe“ zu verdanken.

In den Nachkriegsjahren um 1950 gab es schon einmal Pläne für einen kleinen Stausee im unteren Stahlbuschseifen. Es wurden sogar schon erste Schritte zur Realisierung des Vorhabens unternommen, bald aber wieder rückgängig gemacht, weil der „Planer“ offensichtlich zu besserer Einsicht gekommen war.

Der Planer, das war unser Pastor und Dechant Hermann Lux, der sich vorgenommen hatte, an der Stelle des heutigen Teiches eine dorfeigene „Badeanstalt“ einzurichten. In jenen Nachkriegsjahren hatte unter anderem auch das Blankenheimer Weiher-Freibad seinen Betrieb wieder aufgenommen. Dort gab es nun für damalige Verhältnisse „viel Fleisch“ zu sehen, der Blankenheimer Weiher war unter uns Jugendlichen ein „Geheimtip“ für den freien Sonntagnachmittag. Das aber gereichte unserem sittenstrengen Pastor sehr zum Ärgernis, noch heute höre ich ihn von der Kanzel herab über den „Sündenpfuhl“ in Blankenheim wettern. Manche Eltern waren der gleichen Ansicht und sahen es nicht gerne, wenn wir uns sonntags in Blankenheim „herumtrieben.“ Also waren wir, wenn wir abends nach Hause kamen, an allen erdenklichen Orten „gewesen,“ nur nicht in Blankenheim. Man musste sich unterdessen höllisch vor Fangfragen in Acht nehmen. Vater beispielsweise fragte so ganz nebenbei: „War viel Betrieb in Blankenheim,“ und allzu rasch ließ man sich mit einem unbedachten „Ja“ überführen. Es gibt ein paar unvergessliche Erlebnisse aus jenen Jahren, da war unter anderem noch „Romanowskis Schorsch“ mit von der Partie, der bei uns auf dem Kippelberg an „Jasse“ wohnte.

Pastor Lux trachtete also, die Dörfer Jugend vor dem Sündenpfuhl zu retten und einen angemessenen „unsündigen“ Ersatz zu beschaffen. Zu diesem Zweck wollte er im Stahlbuschseifen eine Badeanstalt bauen, ein Plan, den auch der Gemeinderat unter Bürgermeister Jean Leyendecker akzeptierte. Dass aber hier, versteckt im Wald und weitab vom Dorf, der rechte Platz dafür sei, das stellten schon damals manche besorgten Eltern in Frage. Man wunderte sich, dass der gestrenge und recht fromme Dechant überhaupt auf diesen Gedanken kommen konnte. Kamen ihm dann aber doch Bedenken, hatten ihm die Eltern zugesetzt, oder erwiesen sich die baulichen Erfordernisse als zu kostspielig? Das „Stahlbuschbad“ kam über erste Ansätze nicht hinaus.

Idylle im Stahlbuschseifen (Foto: Hejo Mies)Ich entsinne mich noch sehr gut: Der Pastor ließ in Vaters Werkstatt ein paar passende dicke Bohlen zurecht schneiden, um damit den Rohrdurchlass im Wegedamm zu verschließen. Hermann Lux besaß damals einen Kleinwagen, eine „Adler Trumpf Junior“ Cabriolimousine. Damit wurden unsere Bohlen zum Stahlbuschseifen transportiert, sie standen vor dem Beifahrersitz und ragten durchs Klappdach hinaus, Vater und ich hielten sie drinnen fest. An Ort und Stelle verschlossen wir mit den Bohlen das Durchlassrohr, mehr schlecht als recht, - ein Provisorium. Mit der Zeit staute sich tatsächlich ein flacher Teich an, am Rohr etwa 60 bis 70 Zentimeter tief. Es gab in der Tat einige Tollkühne, die sich hier im Baden und Schwimmen versuchten. Das war aber wegen des hohen Grases am Boden und besonders wegen der unzähligen, zum Teil über die Wasserfläche hervor ragenden Wiesendisteln im Teich ziemlich unangenehm. Der Badeanstalt-Plan im Stahlbuschseifen wurde sehr bald fallengelassen.

Der „Adler“ von Dechant Lux ist mir aus besonderem Anlass noch recht gut in Erinnerung. Der Pastor hatte damals, zusammen mit Frau Kirstgen, der Inhaberin des Fotogeschäftes in Blankenheim, die Fischerei im Nonnenbach gepachtet. Wenn er angeln kam, stellte er den „Adler“ bei uns daheim in Schlemmershof ab. Ich musste ihm dann die Natur-Angelköder – Würmer oder Heuschrecken – besorgen, dafür nahm er mich meistens mit zum Fischen, später schenkte er mir sogar eine kleine Steckangel. Dechant Lux hatte ebenfalls ein Teilstück der Urft, vom Küchenberg bis zum ehemaligen „Block Marmagen,“ gepachtet, zusammen mit einem Herrn Wildpütz. Daheim in Schlemmershof war er einmal ohne mich zum Angeln gegangen. Diese Gelegenheit nutzte ich für eine heimliche „Inspektion“ seines unverschlossenen Autos. Dabei betätigte ich einen kleinen Hebel am Armaturenbrett. Es war der Anlasser, und weil ein Gang eingelegt war, ruckte das Fahrzeug ein paar Mal nach vorne. Ich war zu Tode erschrocken: Jetzt ist das Auto kaputt! In banger Furcht wartete ich auf die Rückkehr des Anglers. Als der dann problemlos startete und der Adler in Richtung „Dörf“ davon rollte, fiel mir ein Zentnerstein vom Herzen.

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