Wappen_blau_140pix
Gästebuch

Letzte Aktualisierung

21.09.2013




 

20110531Startseiteoben

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Inhalt: An der Hubertusbuche - Im Rosensiefen - Die Hütte am Brotpfad - Am alten Forsthaus - Des Försters Hobbies

Platzieren Sie den Mauszeiger auf ein Bild um mehr Info zu bekommen.

Der Förster vom Salchenbusch

Am 28. August 2011 starb im Alter von 74 Jahren Forstamtmann Otto Premper aus Roetgen (Städteregion Aachen). Er verwaltete ab 1969 das zum Forstbetriebsbezirk Blankenheim gehörende Revier Salchenbusch, die Familie Premper wohnte 32 Jahre bei uns in Blankenheimerdorf, zunächst in der Eppengasse, danach im neuen Forsthaus am Olbrücker Weg. Sehr rasch hatte sich die Försterfamilie bei uns eingelebt und in die Dorfgemeinschaft integriert. Zum 31. DezeForstamtmann Otto Premper (Foto Monika Erfling)mber 1999 trat Otto Premper in den Ruhestand, danach bezog die Familie ihr schönes neues Haus an der Müllergasse in Roetgen. Von 1967 bis 1971 wohnten wir zusammen mit den Prempers im Haus Nr. 6 in der Eppengasse. Uns gemeinsam war die Liebe zur Natur und besonders zum Wald. Otto Premper und ich, wir wurden sozusagen Freunde, sein plötzlicher Tod war ein Schock für uns alle.

Der bei seinen Berufskollegen und nicht zuletzt auch bei uns im Dorf beliebte Forstbeamte wurde 1937 in Düren geboren und wuchs im Forsthaus in Gürzenich auf, wo sein Vater Otto als Förster tätig war. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Höheren Handelsschule und nach vier Jahren Forstschule, war er in verschiedenen Revieren im damaligen Forstamt Schleiden tätig. Im Oktober 1964 heiratete er Heidrun Paulwitz, die Tochter des Revierförsters von Wahlerscheid. In 1969 wurde Otto Premper Revierbeamter im Staatsforst Salchenbusch. In diesen Jahren entstand unsere Bekanntschaft, die zur Freundschaft wurde und an die es eine Vielzahl angenehmer Erinnerungen gibt. Einige davon sollen im Folgenden näher beschrieben werden, sie verdienen es, der Nachwelt erhalten zu bleiben.


An der Hubertusbuche

Seit 1988 gibt es an der dem Dorf zugekehrten Nordseite des Waldbereichs Olbrück die „Hubertusbuche,“ besser gesagt: Der bis dahin namenlose Baum erhielt damals diese Bezeichnung, die auf Otto Premper zurückzuführen ist. Olbrück, im Volksmund „Horbröck“ genannt, war damals Staatsforst und gehörte zum Revier Salchenbusch. Die Hubertusbuche wird auch heute noch gelegentlich mit dem „Üüleboum“ (Eulenbaum) verwechselt, der bis 1970 wenige Schritte von der damals noch relativ jungen Hubertusbuche entfernt stand. Es war eine etwa 300-jährige Buche, deren mächtiger Stamm ausgehöhlt war, - ähnlich dem „Bilderbaum,“ der seinerzeit auf der Nonnenbacher Hardt unweit vom Russenkreuz stand. Der Üüleboum hieß in Blankenheimerdorf auch „Kindchesboum“ (Kinderbaum). Unter seinem tief herabhängenden Blätterdach stand eine Bank, - ein viel besuchtes lauschiges Plätzchen, das möglicherweise zur etwas hintergründigen Namensfindung „Kindchesboum“ seinen Teil beigetragen hat. Jedenfalls kamen der Sage nach die Dörfer Kinder aus dMai 2007, am "Texasbaum," Wer kennt den Baum ?  (Foto Monika Erfling) em mächtigen hohlen Baum. Der Ursprung des Namens „Üüleboum“ ist nicht bekannt.

Ende Mai 1970 fiel das Riesengewächs einem Eifelorkan zum Opfer. Die noch namenlose Hubertusbuche bot sich als Nachfolger geradezu an. Sie steht auf einem natürlichen Hügel, den Otto Premper mit Unterstützung von Hubert Berlingen und dessen Fahrzeug mit Erdreich erweiterte und die Basis für eine Rundbank schuf. Im Jahr 1973 habe ich dann im Auftrag des Revierbeamten in Vaters Werkstatt eine solche Bank angefertigt und später aufgestellt. Sie war zwar nur aus Fichtenholz gefertigt, hat aber trotzdem fast 30 Jahre „gehalten.“ Sie wurde alljährlich imprägniert, anfangs noch mit Karbolineum, das aber später im Wald nicht mehr verwendet werden durfte und durch Biomaterial ersetzt werden musste. Die neue Rundbank fand sehr rasch zufriedene Kundschaft.

Über die Namensgebung „Hubertusbuche“ wurde und wird gelegentlich auch heute noch gerätselt. Der Urheber war Otto Premper. Am 26. August 1987 starb Hubert Berlingen, Besitzer des nahe gelegenen Hubertushofs und persönlicher Freund des Forstbeamten. In Erinnerung an ihn ließ Premper bei einem Meister in Kronenburg eine Holztafel mit der Aufschrift „Hubertusbuche“ anfertigen, ich selber habe sie damals mit dem zugehörigen Eichenpfosten in Kronenburg abgeholt und unter der Buche aufgestellt. Damit erhielt der Baum seinen Namen, der sich inzwischen eingebürgert hat und zum festen Begriff geworden ist. Die Namenswahl begründete Premper damit, dass sein verstorbener Freund, als er schon krank war, häufig zur Bank spaziert und von dort seinen Hofbesitz überschaut habe.

22. April 2002 Probesitzen auf der neuen Hubertus-Bank (Foto Johann Vossen)Später übernahm der neu gegründete „Dörfer Geschichts- und Kulturverein 1992 e.V.“ die Gestaltung der Hubertusanlage. Im Juni 2000 wurde das Altenburg-Kreuz aufgestellt, im August 2001 kam ein Wegweiser hinzu, gleichzeitig wurde die Hubertustafel restauriert und am Baumstamm über der Bank angebracht, weil der alte Trägerpfosten morsch geworden war. Spontan entschloss sich der Verein, zur Verschönerung der Anlage nun auch eine neue Rundbank anzuschaffen, die am 22. April 2002 aufgestellt wurde. Sie ist diesmal aus kernigem Eifeler Eichenholz gefertigt. Der Rastplatz „Hubertusbuche“ am Schnittpunkt zweier befestigter Wirtschaftswege ist heute ein markanter Punkt im Wegenetz der Fuß- und Radwanderer.

Im Rosensiefen

Der „Rosensiefen“ ist ein schmales Tal unterhalb des früheren Forsthauses Salchenbusch im damaligen Staatsforst bei Nonnenbach. Im oberen Teil des Siefens wurde nach dem Krieg ein Feuerlöschteich angelegt. Der Teich wird durch ein dünnes Waldrinnsal gespeist, das sich allerdings zur Schneeschmelze in einen ziemlich starken Bach verwandelt. Am Bachzufluss wurde durch eine Dammaufschüttung ein zweiter, kleiner Teich geschaffen. Die Anlage im Rosensiefen war das „Lieblingskind“ des Revierbeamten, - und mein bevorzugter „Einsatzbereich.“ Für Otto Premper nämlich war ich viele Jahre lang mit der Unterhaltung und Pflege der Erholungsanlagen im Revier Salchenbusch beschäftigt. Dazu zählten unter anderem die Anlage an der Hubertusbuche, am alten Forsthaus, die Ruhebänke und Nistkästen im Revier, der Rundweg auf dem Stromberg, die Brotpfadhütte und derTeich im Rosensiefen, - unser gemeinsames Lieblingsobjekt.

1997 Das Biotop im Rosensiefen (Foto Hejo Mies)Die aus Sicherheitsgründen eingezäunte Teichanlage war ringsum von Wald und Gebüsch umgeben und durch ein schönes Holztor zugänglich, an dem eine geschnitzte Holztafel den Namen der Einrichtung verkündete: „Feuerlöschteich Rosensiefen.“ Auf einem schmalen, in die Böschung eingebauten Pfad konnte man rund um die Wasserfläche wandern. In den Pfad integriert war ein 11 Meter langer Holzsteg über den Abflussbereich des erwähnten kleinen Teichs. Wenn bei starkem Hochwasser der Überlauf am Mönch (Wasserablass) erreicht war, wurde gelegentlich der Randweg in Mitleidenschaft gezogen, die Unterhaltung des Pfades gehörte zu meinen „Daueraufträgen.“ Bei dem erwähnten Holzsteg hatte Otto Premper Teichrosen angesiedelt, die sich rasch vermehrten und einen „Teppich“ auf der Wasserfläche bildeten, ein prachtvoller Anblick.

Der kleine Teich war rundum mit Schilf und niederem Gebüsch bewachsen und als Brutplatz für den Fischnachwuchs gedacht. Im großen Teich hatte der Forstmann etliche Karpfen und eine Menge fangreifer Forellen ausgesetzt. Bei der Fütterung „kochte“ das Wasser geradezu vor Fischleibern, an der Futterstelle war das flache Ufer blankgescheuert: Die Forellen kamen bis zur halben Körperlänge aus dem Wasser, schnappten die ausgestreuten Happen vom trockenen Land und ließen sich auch durch die Nähe des Menschen nicht davon abhalten. Die halbmeterlangen Karpfen wurden bei den Teichrosen gefüttert, ein leichtes Handplätschern im Wasser, und in Sekundenschnelle waren die Prachtexemplare da. Sie tauchten handhoch aus dem Wasser und „pflückten“ mit ihrem runden Maul die dargebotenen Brocken aus der Hand. Karpfenfüttern im Rosensiefen, - „Back-Erich“ (Klaßen) aus Blankenheimerdorf verwahrte extra für uns die Brotreste aus seiner Backstube.

Einmal nahm mich Otto Premper mit zum Angeln am Löschteich. Mindestens jeder dritte Wurf hatte „Anbiss,“ das Angeln machte eigentlich nicht mal so großen Spaß, weil es zu leicht und einfach ging. Vier oder fünf Regenbogenforellen hatte ich bereits „gelandet,“ da zappelte plötzlich eine Bachforelle am Haken, ein anderthalbpfündiges Exemplar mit goldgelbem Bauch und leuchtend roten Punkten. Premper-Otto schüttelte etwas traurig den Kopf: „Nun mache ich schon ein Jahr lang Jagd auf diesen Burschen, und du kommst her und holst ihn aus dem Wasser.“ Er hatte 200 Regenbogen- und zwei Bachforellen eingesetzt. Das prächtige Tier tat mi1997 Förstertreffen in Urft (Foto Monika Erfling)r regelrecht leid. Wir hatten mehr als genug „normale“ Forellen, der Haken hatte ganz knapp die Oberlippe erwischt und keine nennenswerte Wunde verursacht, - ich gab den Fisch zurück ins Wasser. Und wieder schüttelte mein Nachbar den Kopf: „So etwas ist mir auch noch nicht vorgekommen, freuen tut es mich aber trotzdem.“

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich unser Teich zum prächtigen Biotop. Ein Stockentenpärchen hatte sich eingefunden, auf dem Schmutzabweiser am Mönch hockte der Graureiher und lauerte auf Beute, der „fliegende Edelstein,“ der farbenprächtige Eisvogel, hatte seinen Stammplatz auf einem überhängenden Erlenzweig. Die Erdkröte siedelte sich an, die Teichkröte und der Teichmolch, und die Geburtshelferkröte verkündete mit hellem „Läuten“ ihre Anwesenheit. Unter einem Stein fand ich einmal zwei Feuersalamander, offensichtlich ein Pärchen. Prachtlibellen der verschiedensten Arten und Farben stellten sich ein, und im Wasser wimmelte es von Kleinlebewesen. Ein paar Studenten der Uni Bonn traf ich einmal an, sie untersuchten das Leben auf dem Teichboden.

Der Löschteich im Rosensiefen war ein echtes kleines Naturparadies. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war das jährliche Imprägnieren der Holzbauteile am Wasser, beispielsweise das Anstreichen des Steges zum Mönch im großen Teich. Dabei konnte man aus nächster Nähe die blaugrüne Mosaikjungfer betrachten, die neugierig beobachtend wenige Zentimeter vor der pinselführenden Hand in der Luft „stand.“ Anfangs schreckte ich vor dem gefährlich scheinenden Rieseninsekt zurück, von dem ich mich angegriffen glaubte. Dann zog ich ein schlaues Buch zu Rate und erfuhr: Die Libellen stechen nicht, sie beißen zwar, doch können sie Menschenhaut nicht verletzen. Dasselbe gilt übrigens für den Ohrwurm.

1997 Ein paradiesisches Fleckchen Erde (Foto  Hejo Mies)Wie es heute im Rosensiefen aussieht, weiß ich nicht, im Sommer 2010 jedenfalls war die Teichanlage nicht mehr wieder zu erkennen, sie war kaum noch auffindbar, total verwildert und zugewachsen. Otto Premper wäre entsetzt, wenn er „seinen Rosensiefen“ in diesem Zustand hätte sehen müssen.

Die Hütte am Brotpfad

Ein weiteres „Pflegekind“ von Revierförster Premper war die Hütte am Brotpfad, die während seiner Dienstzeit im Jahr 1973 errichtet wurde und sich heute noch großer Beliebtheit bei den Waldwanderern erfreut. Wie schon der Teich im Rosensiefen, so war auch die Brotpfadhütte wiederholt in Fernsehsendungen zu sehen, unter anderem in der Reihe „Fit und mobil“ des WDR oder in „Fahr mal hin“ (SWR). Das Bauwerk liegt etwa 500 Meter vom alten Forsthaus Salchenbusch entfernt mitten im Wald auf einer Hügelkuppe direkt am „Brotpfad,“ der von der Hütte aus in nördlicher Richtung ins Nonnenbachtal führt und sich südlich in den Rosensiefen hinab senkt. Der viel begangene „Brotpfad“ ist die kürzeste Verbindung zwischen Blankenheim und Ripsdorf, seine Namensgebung geht auf die Grafenzeit zurück, als die Bauern den Herren von Blankenheim ihren „Zehnten“ in Gestalt von Getreide und Lebensmitteln über diesen Pfad auf die Burg schleppten.

1997 Die Hütte am Brotpfad (Foto Hejo  Mies)Wer Otto Premper gekannt hat, der weiß, dass es bei ihm keine „halben Sachen“ gab. So war denn auch die Brotpfadhütte ein „Juwel“ im Revier Salchenbusch. Das einladende, im Blockhausstil aus dicken Fichtenbohlen errichtete Bauwerk präsentierte sich in aller Regel dem rastsuchenden Wanderer außen wie innen sauber und ordentlich, die ansonsten bei öffentlichen Einrichtungen üblichen Schmierereien und Beschädigungen blieben an unserer Hütte fast völlig aus, gelegentliche Kleinigkeiten beseitigte der Forstmann sofort und sorgfältig, das kleinste „Kamellepapierchen“ oder den Kronkorken einer Colaflasche klaubte er von der Ede auf und tat sie in den Abfallbehälter neben der Hüttentür. Generell sorgte die Hüttenkundschaft erstaunlicherweise selber für Ordnung, nur ein einziges Mal fanden wir beispielsweise eine der üblichen unsinnigen Wandkritzeleien. Wir haben sie unverzüglich beseitigt, um Nachahmungen vorzubeugen, – mit Erfolg, sie traten nicht mehr auf. Die Glasscheiben in Fenster und Flügeltür blieben wunderbarerweise all die Jahre heil, ebenso der Tisch mit dem sauberen Deckchen, dem Kunstblumenstrauß und dem „Hüttenbuch,“ aus dessen Hunderten von Einträgen die Zufriedenheit der Hüttenbesucher erkennbar war. Nicht einmal der Kugelschreiber wurde geklaut und auch der Inhalt des kleinen Erste-Hilfe-Kastens – ein paar Pflasterstreifen und Verbände für kleinere Wanderwehwehchen – blieb unangetastet.

Das Hüttenbuch war eine kleine Rarität: Ein Päckchen weißer Blätter, eingebunden in zwei bemalte Holzdeckel. Ein- bis zweimal im Jahr war das Buch voll geschrieben und wurde erneuert, im Jahr 1996 lag die 17. Auflage auf dem Tisch. Das Studium der oft mit kleinen Malereien verzierten Einträge war spannend und aufschlussreich. Am Vatertag 1998 beispielsweise hatten Ripsdorfer Väter in der Hütte Einkehr gehalten und das fehlende Wasser und Brot durch „flüssiges Brot“ ersetzt. Am 21. Mai 1998 gaben „Mechthild und Winfried“ ihrer Zufriedenheit Ausdruck: „Auf großer Wanderung tut die Rast hier wohl, die Hütte ist toll in Schuß.“ Theo, Mariel und Ricky aus Holland verfassten sogar ein Gedicht in ihrer Sprache: „Zon – Regen – Bliksem – Donder, in dit Natuur-landschaps wonder, gelukkig zitten we hier in de hut, en daarom voorlopig nog niet in de sput…,“ die Gruppe hatte in der Hütte Zuflucht vor dem Gewitter gefunden, - drei von Hunderten dankbarer Waldwanderer. Da unterdessen Ausnahmen bekanntlich die Regel bestätigen, fand ich auch einen Unzufriedenen, der sich über den Dauerregen beschwerte und die ganz sch… Eifel verwünschte. Seinen Namen schrieb er nicht dabei, ihm sei trotzdem geraten: Bleib zu Haus und hocke dich vor die Glotze, verschone aber unseren Wald mit deiner unerwünschten Anwesenheit.

Auch die Brotpfadhütte gehörte zu meinen „Daueraufträgen.“ Alljährlich wurden die Außenwände imprägniert und eventuell aufgetretene Schäden behoben. Ein etwas größerer Auftrag war die Anfertigung der zweiflügeligen Schwingtür für das bis dahin offene Bauwerk. Zweimal habe ich auch das Birkenkreuz neben der Hütte erneuert, das an den Tod eines Kindes erinnert, welches sich verirrt hatte und an dieser Stelle erfroren war. An der Brotpfadhütte war fast immer irgendetwas zu tun. Seit Jahren kümmert sich mein Schulkamerad Werner Schwarz aus Nonnenbach um die Pflege der Hütte, er hat mir vor einiger Zeit erzählt, dass inzwischen das Hüttenbuch verschwunden war, - er hat ein Neues angelegt.

Bei den Arbeiten an der Hütte bin ich vielen angenehmen Natur- und Wanderfreunden begegnet, die gerne ein paar Minuten Rast einlegten, sich mit dem einsamen „Pinselsquäler“ unter1997 Das Hüttenbuch Auflage 17 (Foto Hejo Mies)hielten und dem schwarzen Eichhörnchen zuschauten, das geschäftig am Abfallkorb schnupperte, weil es dort manchmal Verzehrbares gab. Das Tierchen war mein häufiger Gast, es zeigte kaum Furcht vor den Menschen. Im Jahr 1996 kam eine Wandergruppe, 30 Postruheständler aus Bonn, eine fröhliche Schar, einer tat sogar ein paar Pflasterstreifen ins Medizinschränkchen an der Wand. Ein anderes Mal traf ich einen einsamen Wandersmann mit schwerem Rucksackgepäck. Die Brotpfadhütte, ein Markierungspunkt am Wanderweg Nr. 4 von Düren nach Trier, war ihm wohlbekannt. Seit 14 Jahren, so erzählte er leutselig, wanderte er von Obermaubach nach Trier und zurück, sein heutiges Etappenziel war Ripsdorf, wo er regelmäßig übernachtete. Er wanderte allein, war aber absolut kein Eigenbrötler oder Sonderling. Er liebte ganz einfach die Natur und die Stille.

Ein lustiges Ereignis sei noch erwähnt. Hüttenanstrich bei brüllender Sommerhitze. Im Schatten auf der Außenbank stand meine gerade „angetrunkene“ Pilsflasche. Schwitzend keuchte ein Wanderpaar den Brotpfad herauf. Beim Anblick der Flasche stupste mich der Mann in die Seite: „Saach ens, häßte nit noch esu en Fläsch?“ Gegenfrage: „Häßte dann Duësch?“ Er keuchte: „On wie, die Hetz es jo nit zum Ußhalde.“ Er zeigte auf die Flasche: „Darf ech ens schlucke?“ Selbstverständlich durfte er. Ein Griff, dreimal geschluckt – und die Flasche war voller Luft. „Aaah!“ Dass seine Begleiterin vielleicht auch einmal hätte schlucken mögen, darüber hatte er geflissentlich hinweggesehen. Dann wurde er feierlich: „Ich schwöre hier einen heilijen Eid, wenn do mir ens en dr Weetschaff bejähns, kannste dich op ming Koste voll loufe losse bis zum Jehtnichtmehr, on wennste wells och noch voller.“ Seinen Namen kenne ich nicht, das Kölner Paar war zum Wochenende in Blankenheim. Als die Beiden um die Wegbiegung verschwunden waren, zog ich unter dem Autositz die Reserveflasche hervor.

Am alten Forsthaus

Bis um 1960 herum stand am Waldrand oberhalb von Nonnenbach das Forsthaus Salchenbusch, der Wohnsitz des Revierförsters. Das Anwesen ist mir aus meiner Jugendzeit noch gut in Erinnerung. Mein Klassenkamerad Rüdiger Hambach vom Gymnasium Steinfeld wohnte in den Sommerferien bei Revierförster Richard Rath (seiner Verwandtschaft) im Forsthaus Salchenbusch. Im Forsthaus gab es zwar seit 1926 elektrischen Strom, aber keine Wasserleitung und erst recht keine Entsorgung. Das Forsthaus war ein idyllisches Fleckchen im Schatten mächtiger Buchen und Eichen, heute ist von den baulichen Anlagen nur noch die ehemalige Scheune übrig, sie dient als Geräteschuppen und Lagerraum.

Forsthaus Salchenbusch, uralte Postkarte (Repro Johann Vossen)Auch den Forsthausbereich hatte Otto Premper nach Übernahme des Reviers zu einer einladenden Anlage umgestaltet. In der Scheune hatte anfänglich der Forstunternehmer Hans Lenz aus Schmidtheim seine Werkzeuge und Geräte aufbewahrt, nachdem aber einmal eingebrochen und mehrere Motorsägen gestohlen wurden, gab es dort nur noch mehr oder weniger „wertlose“ Gegenstände. Einmal wurde auch das grün gestrichene Scheunentor mit rechtsradikalen Zeichen und Hetzsprüchen beschmiert. Das Unternehmen Lenz war ständig im Revier Salchenbusch beschäftigt, Hans Lenz hat mir mit seinen Maschinen des Öfteren bei meinen Arbeiten geholfen, beim Bau von Holzstegen beispielsweise. Wir kannten uns sehr gut, er hat mir eine Menge Tips und Ratschläge für die Waldarbeit vermittelt, er war sozusagen mein Lehrmeister. Sein Tod im Jahr 2008 hat mich sehr getroffen.

Die freie Fläche vor der Scheune hatte Otto Premper zum einladenden Waldcamp umgestaltet. Es gab dort eine steinerne Grill- und Feuerstelle, überdachte Brennholzstadel und etwa 10 oder mehr Holzbänke, etwas abseits stand eine separate Sitzgruppe mit Tisch und Bänken. Hier schöpften früher die Forsthausbewohner aus einem gemauerten Brunnen ihr Trinkwasser. Auf dem Brunnen hatte Otto Premper durch „Else Jüpp“ aus Blankenheimerdorf zur Dekoration eine eiserne Handpumpe installieren lassen. Die gesamte Einrichtung wurde ständig gewartet und alljährlich frisch gestrichen, „am Alten Haus“ war ein angenehmer Arbeitsplatz.

1995 Nistkästen für Salchenbusch  (Foto Johann Vossen)Ein besonderes Anliegen des Revierförsters war der Vogelschutz, während meiner „Premper-Jahre“ habe ich weit über 100 Nistkästen für Höhlenbrüter und auch etliche Fledermauskästen angefertigt und zum Teil auch im Salchenbusch aufgehängt. Allein auf dem etwa zwei Kilometer langen Rundweg Forsthaus – Brotpfadhütte – Rosensiefen – Forsthaus hatten wir insgesamt 57 Kästen angebracht, sie waren fortlaufend nummeriert, damit bei der jährlichen Säuberung keiner übersehen wurde. Einem Wanderpaar machte ich unterdessen klar, dass die Nummern der Orientierung der Nestbewohner dienten. Ihrem Auftreten nach dünkte sich das Paar haushoch über mich erhaben, den Eifeler „Bären“ nahmen sie unterdessen bedenkenlos mit in die Stadt. Die Reinigung der Kästen im Spätsommer war spannend. Erfreulicherweise waren sie alljährlich „bewohnt,“ auch die Fledermauskästen. Mehrfach hatten sich Haselmäuse in den Vogelhäusern ihr Winterquartier eingerichtet, einmal ein Siebenschläfer. Manchmal traf ich auf ein Wespen- oder Baumhummelvolk, dann wurde es kritisch.

Auch am Alten Haus sah es im Sommer 2010 nicht besser aus als im Rosensiefen. Das gesamte Holzwerk der Anlage war verrottet, manche der früheren Einrichtungen waren bereits völlig verfault, die erwähnte Sitzgruppe beispielsweise oder die Brennholzstadel. Die Anlage war zum Großteil von meterhohem Unkraut überwuchert, - zu „Prempers Zeiten“ ein ganz und gar undenkbarer Zustand.


Des Försters Hobbies

Otto Premper befasste sich gerne mit zeitgeschichtlichen Ereignissen, insbesondere mit dem zweiten Weltkrieg und dessen Auswirkungen in unserer Eifel. Sein gleichgesinnter Berufskollege Axel Paul, Forstoberinspektor und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Luftkriegsgeschichte Rhein / Mosel e.V.“ war Experte auf diesem Gebiet. Mit Axel Paul war auch ich selber beinahe befreundet, Axel starb leider viel zu früh mit 47 Jahren im Februar 2009, er hat auch längere Zeit bei uns in Blankenheimerdorf gewohnt. 

Ein Hobby unseres Revierförsters war das Reisen, er kannte die halbe Welt. Auch die Musik war ihm vertraut: Viele Jahre war er Mitglied im Jagdhorn-Bläsercorps Monschau. Zur British Army pflegte Otto Premper eine langjährige Beziehung, insbesondere zur Militär-Akademie Sandhurst. Die Sandhurst-Kadetten hielten oft ihr Sommermanöver im Raum Blankenheim ab, ich erinnere mich noch gut an Camps bei Olbrück, auf Geißhausen, am Forsthaus Salchenbusch und beim Waldcafé Maus in Nonnenbach. Dort gerieten wir einmal mitten in einen „Angriff“ hinein, als wir vom Waldbeerenpflücken kamen.

Eine große Leidenschaft Prempers waren Militärfahrzeuge und speziell für den Einsatz in der Forstwirtschaft der Jeep. Anfangs nannte er den Urtyp des amerikanischen Jeeps sein Eigen, ein offenes „Willys MB“ Geländefahrzeug mit Dieselmotor und zuschaltbarem Allradantrieb, wie es im zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. Mit diesem Vehikel bin ich seinerzeit auf Prempers Geheiß querwaldein durchs Unterholz im Salchenbusch gedroschen: Ich sollte die Geländegängigkeit des Fahrzeugs „am eigenen Leib“ testen. Später besaß er dann einen zeitgemäßen moderneren Geländewagen, die Typenbezeichnung kenne ich nicht. Das Auto war spartanisch einfach ausgestattet und durch die Lücken der Türen pfiff der Fahrtwind, das aber war „standesgemäß“ und gehörte dazu. Dieses Fahrzeug war Prempers Ein und Alles.

Freund Otto gehörte einem Jeepclub oder einer ähnlichen Fan-Vereinigung an, bei deren gelegentlichen Treffen Eigenbau-Zusatzeinrichtungen präsentiert und begutachtet wurden. Er sOtto Premper und sein Jeep, Dezember 1997 (Foto Monika Erfling)elber hatte sich eine mobile Funk- und Radioanlage für seinen Jeep ersonnen, die wir gemeinsam realisierten: Ein Holzgehäuse mit integriertem Autoradio und CB-Funk einschließlich Lautsprecher und Magnetantenne. Die „Funkkiste“ enthielt eine Menge unnötigen technischen Schnickschnack – Schlüsselschalter beispielsweise, Leucht- und Zeigerkontrollen, abblendbare Frontbeleuchtung und etliches mehr – die aber optisch wirksam waren. Die erforderlichen Bauteile hatte Otto Premper auf Trödelmärkten ergattert, zum Beispiel den Spannungswandler für die Änderung der 24 Volt Betriebsspannung des Fahrzeugs in 12 Volt „Kistenspannung.“

Damals wie heute gab es alljährlich eine „Woche des Waldes“ mit dem Ziel, die Bedeutung des Waldes für den Menschen hervorzuheben und im Zusammenhang damit die Forstwirtschaft zu erläutern. Die gepflegten Anlagen im Revier Salchenbusch boten sich hierfür geradezu an. Der Revierbeamte hatte regelmäßig Schulklassen und Jugendgruppen zu Gast, mit denen er lehrreiche Waldwanderungen und Führungen unternahm oder auch unterhaltsame „Unterrichtsstunden“ am Grillfeuer veranstaltete. Seine Schüler waren begeistert und ihr „Waldlehrer“ berichtete mir zufrieden von „seiner“ Woche des Waldes.

 Kein Hobby, vielmehr eine Pflicht des Revierbeamten, war der Brandschutz im Wald an den Wochenenden bei Hitze und Trockenheit. Dabei habe ich ihn gelegentlich vertreten und das war dann für mich ein Hobby. Zweimal am Tag waren etliche markante Aussichtspunkte anzufahren, von denen aus weite Waldbereiche zu überschauen waren. Dabei wurden naturgemäß Wald- und Feldwege befahren, und das war den Jagdpächtern ein Dorn im Auge. Auf dem Stromberg beispielsweise, der damals zum Staatsforst gehörte, notierte sich einer von ihnen demonstrativ meine Autonummer. Mir war es egal, ich besaß vom Forstbeamten eine Vollmacht. Einmal entdeckte und meldete ich einen Flächenbrand in Ahrhütte am Berghang unterhalb von Schloßtal, der sich bedrohlich dem Wald und den Häusern näherte. Die Feuerwehr kam gerade noch rechtzeitig.

Otto Premper lebt in meiner Erinnerung als freundlicher, umgänglicher und besonnener Forstbeamter, den nichts so leicht aus der Ruhe bringen konnte und dem ich posthum noch ein Dankeschön für die Weihnachtsbäume sagen möchte, die er uns viele Jahre lang kostenlos zum Friedensfest ins Haus brachte. Den Allerschönsten hatten wir im Jahr 1996: Die gut gewachsene Spitze einer mittleren Fichte, mit über 100 schweren Samenzapfen. Die Äste mussten ob der Last einzeln hochgebunden werden, und unser Wohnzimmer duftete köstlich nach frischem Fichtenharz. Großartiger Christbaumschmuck war da überflüssig.

Freund Otto und ich, wir hatten beide das gleiche Laster: Wir waren starke Raucher. Mit etwas Glück gelang mir im Jahr 1979 der „Absprung,“ Otto Premper hatte dieses Glück nicht. Er rauchte Zigaretten selbst bei Sommerhitze im Wald, wo er doch eigentlich hätte Vorbild sein 2006 Vom Forsthaus blieb nur die alte Scheune erhalten (Foto Johann Vossen)müssen. Allerdings ließ er höchste Vorsicht walten. Er sammelte die abgestreifte Asche in der hohlen Hand und zertrat die Kippe auf einem freigescharrten Erdfleck, nachdem er sie zuvor sorgfältig mit Spucke gelöscht hatte. Auch ich rauchte bei der Waldarbeit, der Förster sah es zwar nicht gerne, hat es mir aber nie verboten. Er wusste, dass auch ich kaum weniger vorsichtig war als er selber

Generell war Otto Premper die Ruhe und Ausgeglichenheit in Person. Nur ein einziges Mal erlebte ich ihn aufs Höchste erregt und aufgebracht. Das war am Forstweg ins untere Nonnenbachtal nahe der Grenzschranke unterhalb vom Russenkreuz. Er zeigte mir den Platz für meinen Brennholzeinschlag, als vom Tal herauf ein Auto mit holländischem Kennzeichen kam. Der Fahrer muss sich wohl ausgekannt und gewusst haben, daß er hier zum Russenkreuz und weiter nach Blankenheim kam. Das hätte er lieber bleibenlassen sollen. Er musste sich eine Strafrede anhören, wie er sie möglicherweise noch nie erlebt hatte. Als er schließlich weiterfahren wollte, stellte sich ihm der zornbebende Forstmann in den Weg und schickte ihn ins Nonenbachtal zurück. Wir aber fragten uns, wer wohl dort unten die Schranke an der Nonnenbachbrücke offengelassen haben mochte, - eine häufig aus Bequemlichkeitsgründen auftretende Nachlässigkeit. Normalerweise waren alle Schranken im Staatsforst Salchenbusch verschlossen, den Einheitsschlüssel besaß nur ein relativ kleiner Personenkreis, einer aus diesem Kreis war ich.



Zurück

nach oben