Wie Blankenheims Partnerschaft mit Zaventem begann

Die Partnerschaft zwischen unserer Heimatgemeinde Blankenheim und der flämischen Gemeinde Zaventem vor den Toren der belgischen Metropole Brüssel, besteht seit nunmehr einem halben Jahrhundert. Vom 04. bis 06. Mai 2012 wurde dieses Ereignis in Zaventem mit einem großen Festprogramm gefeiert und die Partnerschaft neu besiegelt, die vor 50 Jahren aus der freundschaftlichen Verbindung zwischen Blankenheim und der belgischen Ortschaft Sint-Stevens-Woluwe entstand. Im Jubiläumsjahr 2012 gehen die Gedanken zurück in die Zeit, als die Partnerschaft über Staatsgrenzen hinweg ins Leben gerufen wurde und erste Früchte trug. Ein Buch ließe sich darüber schreiben.

Erste Kontakte

Man schrieb das Jahr 1962. Getragen von der Vorstellung eines Vereinten Europa, machte sich in Sint-Stevens-Woluwe Bürgermeister Paul van Damme Gedanken um die Partnerschaft seiner Gemeinde mit einer Ortschaft in Deutschland. Zwei Verbrüderungen hatte er bereits zustande gebracht: Mit der französischen Ortschaft Availles-Limousine und mit der wallonischen Gemeinde Battice, Letztere als Zeichen des guten Willens zur Überbrückung der Sprachschwierigkeiten im eigenen Land. Auf der Suche nach einer deutschen Ortschaft bat er seinen in Woluwe wohnenden Freund Professor Lieven Renz, Privatsekretär des belgischen Ministerpräsidenten, um Rat und erhielt den Vorschlag: Blankenheim in der Eifel. Das Ahrstädtchen war dem Regierungsbeamten bekannt und auch Familie van Damme war nach wiederholten Besuchen vom Ahrquellenort angetan. Hüben wie drüben fand der Partnerschaftsgedanke ein positives Echo in den Gemeinderäten, der erste Schritt war getan.

In der Folgezeit wurden private Bekanntschaften und Freundschaften geknüpft, Mitte April 1964 war es dann soweit: Eine 20-köpfige Abordnung aus Blankenheim mit Bürgermeister Hermann Kraywinkel an der Spitze, reiste nach Sint Stevens zum offiziellen Abschluss der Partnerschaft und kehrte, tief beeindruckt von der flämischen Gastfreundschaft, nach Hause zurück. Danach stand die deutsch-belgische Freundschaft wiederholt auf der Tagesordnung in den Ratssitzungen, am 19. Dezember 1964 beschloss das Blankenheimer Gemeindeparlament einstimmig, seinerseits die offizielle Partnerschaft zu bestätigen. Dieser Beschluss erging, zusammen mit einer Einladung zum Besuch in Blankenheim, als Beilage zum Weihnachtsgruß 1964 an die Gemeinde Sint-Stevens-Woluwe und löste dort Überraschung und große Freude aus. „Das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk,“ erzählte Bürgermeister Paul van Damme mir später einmal in Blankenheim. Bürgermeister Kraywinkel war bei der Kommunalwahl 1964 durch Gabriel Helmig in seinem Amt abgelöst worden, neben Helmig unterschrieben Amtsdirektor Fritz Decker und Ratsmitglied Franz Josef Baur den Partnerschaftsbeschluss. Im Mai 1965 kamen die belgischen Freunde zum offiziellen Festakt nach Blankenheim, die Verbrüderung war perfekt.

Ratsbeschluss vom 19.12.1964 (Repro: Vossen)Ab da gab es Besuche und Gegenbesuche besonders im privaten Bereich. Hüben wie drüben war man sich einig, dass eine echte Völkerverständigung in den Familien heranwachsen muss, Der Blankenheimer Weihnachtsgruß, das schönste Weihnachtsgeschenk für Paul van Damme (Repro: Vossen)den Politikern bleibt die diplomatische Ebene vorbehalten. Ein entschiedener Vertreter dieses Partnerschaftsgedankens war Bürgermeister Paul van Damme, dem ich selber erstmals am 28. November 1971 anlässlich des Kreissingens in der Blankenheimer Realschule begegnete. Hier war der Kinderchor aus Sint Stevens zu Gast, mit dabei auch Herr van Damme und „Gemeentesecretaris“ (Gemeindesekretär) Wim Potums. Der Secretaris war damals, so erläuterte mir Herr Potums, der Erste Berater des Magistratskollegiums, dem der Bürgermeister und die Schöffen angehörten, er war verantwortlich für die Abwicklung der gemeindlichen Aufgaben, bereitete die Beratungsunterlagen für die Ratssitzungen vor und war schließlich der Personalchef. Der Bürgermeister war damals der Polizeichef in seiner Gemeinde, „was ich sage, muss gemacht werden,“ schmunzelte Herr van Damme.

Anfang April 1972 reiste der Gemeinderat Blankenheim mit Ehefrauen zu einem Wochenendbesuch nach Sint Stevens. Ratsherr Heinz Hecker verfasste damals einen ausführlichen Zeitungsbericht, aus dem wieder einmal die nicht zu übertreffende Herzlichkeit der Gastgeber erkennbar wird. Heckers Schlussbemerkung: „Nach diesen beeindruckenden Tagen dürfte den Blankenheimer Ratsvertretern zum Bewusstsein gekommen sein, dass sie auch überörtliche Aufgaben zu erfüllen haben, für die sie sich mehr als bisher engagieren müssen. Mir scheint, das Ziel ist des Einsatzes und aller Mühe wert.“

Lieber Besuch

Vom 06. bis 08. Oktober 1972 weilte der Gemeinderat von Sint-Steven zum Gegenbesuch in Blankenheim. Für die Ankunft der Gäste hatte man sich im Blankenheimer Rathaus in Zusammenarbeit mit den örtlichen Ordnungshütern etwas Besonderes einfallen lassen. Gegen 20.30 Uhr „lauerten“ Polizeihauptmeister Karl-Heinz Pfeil und Obermeister Peter Müller bei Milzenhäuschen auf den angekündigten Reisebus aus Belgien. Die Reisenden erschraken nicht schlecht, als ihr Bus von einem Polizeifahrzeug überholt und bei Blankenheim-Wald an der Gemeindegrenze gestoppt wurde. Wim Potums erzählte mir später: „Wir glaubten nicht anders, als dass wir zu schnell gefahren waren.“ Eskortiert von der Polizei, wurde der Besucherbus dann bis zum Rathaus nach Blankenheim geleitet. Dort wurden die Gäste herzlich begrüßt und mit einem feudalen Imbiss willkommen geheißen. 

Ein Episödchen von jenem Empfang im Rathaus ist mir noch in Erinnerung. Nach der Begrüßung durch unseren Bürgermeister Toni Wolff, wurden Getränke gereicht und Toni hob sein Glas auf das Wohl der belgischen Gäste. Danach trat Stille ein, niemand sprach, bis Hermann Müller schließlich schmunzelnd meinte: „Wie, sääd dann kejner mieh jät?“ Das „Blangemer Platt“ wurde auch von den Gästen verstanden und löste allgemeine Heiterkeit aus. Als dann Toni Wolff zum Imbiss einlud, war das Eis gebrochen.

Am nächsten Morgen (Samstag) fand eine Rundfahrt durch die Gemeinde statt, zu der die Belgier ihren Reisebus zur Verfügung stellten. Dabei legte der Fahrer ein beachtliches Talent an den Tag: Er steuerte sein schweres Fahrzeug geschickt über die teilweise recht schmalen Wirtschaftswege. Gemeindedirektor Peter Reger hatte ganz gezielt eine Fahrtroute abseits der Verkehrsstraßen ausgetüftelt, um den Gästen die natürliche Schönheit und den Waldreichtum seiner Gemeinde vor Augen zu führen. Die Reisegesellschaft war dann auch hell begeistert, gab es doch in ihrer Heimat, abgesehen von einem gepflegten „Spazierwäldchen“ westlich von Sint-Stevens, so gut wie keinen Wald.

Im Wacholderschutzgebiet Lampertztal zwischen Dollendorf und Ripsdorf war eine kurze Rast vorgesehen. Hier überreichten die gemeindlichen Forstleute jedem Gast eine junge Wacholderpflanze in Verbindung mit dem Wunsch, dass sie im Nachbarland wachsen und gedeihen möge als äußeres Zeichen der Verbundenheit mit Blankenheim. Pünktlich um 13 Uhr traf der Bus auf dem neuen Jugendzeltplatz in Alendorf ein, wo Spießbraten und reichlich Getränke auf den Besuch warteten. Dieses „Spießbratenfest“ im herbstlich-bunten Wald bei spätsommerlicher Sonnenwärme würden sie in bester Erinnerung behalten, versicherten noch am nächsten Tag die Belgier beim Abschied. Am Abend traf man sich zum gemeinsamen fröhlichen Beisammensein im Kölner Hof. Am nächsten Morgen (Sonntag) tagten beide Gemeinderäte in einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus, und da erlebten die Blankenheimer Ratsvertreter eine, im Sinne des Wortes köstliche Überraschung: Zu Beginn der Sitzung überreiche Secretaris Wim Potums geschmackvoll hergerichtete Körbchen mit prachtvollen blauen Riesen-Weintrauben aus den Gewächshäusern um Woluwe. „Verpflegung für die Ratssitzung,“ kommentierte Wim.

Unvergessen bleibt die Rede von Bürgermeister Paul van Damme, der sich wieder einmal als Kämpfer und Wegbereiter für ein Vereintes Europa erwies. Zitat: „Kein Mechanismus funktioniert, wenn nicht der lebendige Motor vorhanden ist, und dieser Motor sind wir. Unser Kinder müssen in dem Europa leben, das wir ihnen aufbauen.“ Zu den Nachbarn ins Haus gehen und persönlichen Kontakt aufnehmen, das sei der wichtigste Schritt, erklärte der leutselige Apotheker, Bürgermeister und Polizeichef aus Sint-Stevens und fügte hinzu: „Jetzt sind wir hier und klopfen an eure Tür.“ Als Partnerschaftsgabe überreichte van Damme ein Relief, das die „zwei Seiten der Welt“ symbolisiert. Über beiden Welten schwebt die Friedenstaube gleichsam als Sinnbild der Verbrüderung. Paul van Damme schloss seine Rede mit den Worten: „Mein Land – Dein Land – Unser Land – Gott segne es.“ Die Rede hinterließ einen tiefen Eindruck bei den Zuhörern.

Zu Ehren der belgischen Besucher hatte Verkehrsamtsleiter Werner Laska ein Sonntagskonzert organisiert. Viel Volk versammelte sich gegen 11 Uhr am Verwaltungsgebäude. Durchreisende Autofahrer machten zusätzlich eine Rast in Blankenheim um zu sehen, was da „los“ sei. Drei einheimische Musikkapellen spielten: Am Rathauseingang der Musikverein Waldorf unter dem Dirigenten Anton Berg, vor dem Ehrenmal die Musikanten aus Dollendorf unter Rektor Alfred Wernerus, am Nebeneingang zum Rathaus die Uedelhovener Dorfmusikanten unter Franz Josef Groß. Eine Randnotiz des Zeitungsberichters dazu: Ein Auto mit Münchener Kennzeichen hielt an, wegen der vielen Menschen sah der Fahrer nicht recht, was „da vorne los ist“ und meinte erstaunt: „A bayrische Musi.“

Bisher bezog sich die Partnerschaft mit Sint-Stevens nur auf den Kernort Blankenheim. Inzwischen hatte aber die kommunale Neuordnung bei uns stattgefunden und es waren Bestrebungen im Gange, die Verbrüderung auf die gesamte neue Großgemeinde auszudehnen. Der Gedanke fand allenthalben Zustimmung und so wurde bereits in der erwähnten gemeinsamen Ratssitzung der September 1973 als Termin für die offiziellen Feierlichkeiten festgelegt, der dann aber bis zum März 1974 hinausgeschoben wurde. Bis dahin gab es noch eine Reihe von Begegnungen, die Freundschaft wurde intensiv gepflegt.

Da gab es beispielsweise am 05. November 1972 in der Blankenheimer Turnhalle eine internationale Taubenausstellung, an der sich auch die Züchtervereine von „Woluwe-Centre“ beteiligten, am 26. November desselben Jahres nahm der Singkreis Mülheim an einem geistlichen Konzert in Sint-Stevens teil, und zum Rosenmontagszug 1973 in Blankenheim hatten sich die „Trekker“ aus Sint-Stevens angemeldet, der dortige Heimatverein. Man erinnert sich noch gut an den „belgischen Riesen“ im Blankenheimer Zug, begleitet von einer Trachtengruppe. Auf ihrem Festwagen führten die Trekker 1.120 Pfund-Pakete Chicoree mit sich, die in den Zügen in Blankenheim und Ripsdorf unters Publikum verteilt wurden. Sint-Stevens-Woluwe war bekannt für seinen intensiven Chicoreeanbau. Am 06. und 07. April 1973 nahmen Toni Wolff, Peter Reger, Heinz Hecker, Arnulf Bungartz und Werner Altgen an den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Amtsjubiläum von Bürgermeister Paul van Damme in Woluwe teil.

Der Große Tag

Als Termin für die offizielle Verbrüderung der Großgemeinde Blankenheim mit Sint-Stevens-Woluwe wurde nach langen Vorbereitungen der 16. und 17. März 1974 bestimmt. Das war dem Gemeinderat Blankenheim eine Sondersitzung wert: Auf der Tagesordnung der Ratssitzung vom 07.März stand einzig die Vorbereitung für die Feierlichkeiten in Sint-Stevens, die am 25. und 26. Mai ihre Fortsetzung in Blankenheim finden sollten. 130 Personen würden nach Belgien fahren, war in der Sitzung zu hören: Rat und Verwaltungsabordnung sowie die Musikkapelle Dollendorf und das Fanfarenkorps Ripsdorf.

Dann kam der große Tag. Pünktlich um 13 Uhr startete am 16. März (Samstag) am Rathausplatz der Bus nach Woluwe. Die Reisenden: Bürgermeister Toni Wolff und 10 Ratsherrn mit ihren Ehefrauen, von der Verwaltung Gemeindedirektor Peter Reger, sein Stellvertreter Oberamtmann Toni Schneider und Verkehrsamtsleiter Werner Laska. Und schließlich war ich selber auch dabei, im Auftrag der „Rundschau“ und auf Drängen unseres Verwaltungsleiters. In der vorbereitenden Ratssitzung nämlich war Peter Reger zu uns an den Pressetisch gekommen: „Selbstverständlich fahren Sie mit.“ Ich stieg also mit in den Bus, Kollege Heinz H. Naumann vom „Stadtanzeiger“ fuhr mit dem eigenen PKW, - er wollte unabhängig sein.

Am Kirchplatz in Sint-Stevens war „großer Bahnhof“ für die Blankenheimer: Bürgermeister Edward van Nerom – er hatte inzwischen die Nachfolge von Paul van Damme angetreten – mit Schöffen und Ratsmitgliedern, Secretaris Wim Potums und eine Anzahl Privatleute, begrüßten die Ankommenden, dann ging es ab in die Hotels. Für die Hälfte der Businsassen waren Zimmer im Hotel „Residentie“ in Zaventem reserviert, die andere Hälfte, zu der ich zählte, übernachtete im „Novotel“ am Brüssel-Airport, der zum Großteil auf dem Gebiet von Zaventem liegt. Kurze Einweisung, dann ging es per Bus wieder zurück nach Sint-Stevens, wo um 17,30 Uhr im „Gemeentehuis“ (Gemeindehaus, Rathaus) die Festsitzung begann.

Bürgermeister van Nerom betonte in seiner Begrüßungsansprache, dass dieser Schritt zweier kleiner Gemeinden einen Beitrag zum großen Ziel des Vereinten Europas bedeute und „den Großen als Beispiel dienen möge.“ Dann kam der große Augenblick: Van Nerom verlas den Text der Verpflichtungsurkunde, die von einem Meister aus Hillesheim handgefertigt wurde. Sie trägt im Kopf die Wappen beider Gemeinden in echtem Gold, der Text ist in Deutsch und in Niederländisch verfasst. Auszug aus dem Text: Blankenheim „verpflichtet sich feierlich“ und Sint-Stevens-Woluwe „verklaart plechtig de verplichting op zich te nehmen,“ die freundschaftlichen Bande zwischen den Gemeinden und ihren Bürgern zu vertiefen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, den Kulturaustausch zu fördern, jederzeit für die Sicherung des Friedens einzutreten, den europäischen Zusammenschluss anzustreben und dem Fortschritt zu dienen. Im Blitzgewitter belgischer und deutscher Pressekameras unterzeichneten dann van Nerom, Toni Wolff, Peter Reger und Wim Potums die Urkunde.

 

16.03.1974  Festsitzung in Sint-Stevens, in der Mitte (von rechts) Peter Reger, Toni Wolff, Bürgermeister Edward van Nerom (Repro: Hejo Mies)Toni Wolff erklärte in seiner Ansprache, dass „Blankenheim die Partnerschaft so ernst nimmt, wie es die Verpflichtung besagt.“ Sein Gastgeschenk, eine Kupferplatte mit dem Blankenheimer Wappen, besiegelte den nun offiziell geschlossenen Freundschaftsbund. Enormen Beifall erhielt unser Gemeindedirektor für seine Rede: Peter Reger hatte in flämischer Sprache zum Ausdruck gebracht, dass dieser Tag in guter Erinnerung bleiben möge und schloss mit den Worten: „Vivat Sint-Stevens-Woluwe, vivat Blankenheim.“ Dass er seine Rede in der Muttersprache der Partner verfasst hatte, wurde ihm sehr hoch angerechnet.

Der Mann, dem die heutige Festlichkeit zu verdanken war, hatte sich still unter die Zuhörer gemischt: Altbürgermeister Paul van Damme. Sein Amtsnachfolger Edward van Nerom würdigte die Verdienste seines Vorgängers und überreichte eine Medaille als äußeres Zeichen der Achtung, die dem „Pionier der Partnerschaft“ von der Gemeinde Sint-Stevens und ihren Bürgern entgegengebracht wurde. Van Damme seinerseits übergab dem Gemeinderat eine „Sitzungsglocke“ von derselben Art, wie er sie bereits fürs Blankenheimer Rathaus gestiftet hatte. Sie möge eine „Alarmglocke“ sein, wünschte sich der Altbürgermeister, eine ständige Mahnung für den Rat, sich der Partnerschaftsverpflichtungen stets zu erinnern: „Derselbe Glockenklang möge in Belgien, Frankreich und Deutschland tönen als Zeichen der Vereinigung.“

Gemütlicher Teil 

Offen gestanden: Ich war mit etwas gemischten Gefühlen mit dem Gemeinderat nach Woluwe gereist. Nach dem offiziellen Teil einer Veranstaltung ist naturgemäß der Zeitungsschreiber das fünfte Rad am Wagen und muss sehen, wo er bleibt. Zu Peter Regers Zeiten als Amts- und Gemeindedirektor machte allerdings die Gemeinde Blankenheim eine rühmliche und für unsereinen erfreuliche Ausnahme: Wenn wir offiziell zur Teilnahme aufgefordert waren, hatte der Verwaltungschef für alles gesorgt. Zum Beispiel nahm er mir im Novotel meine Hotelrechnung aus der Hand und meinte: „Das übernehme ich.“

Auch nach der Festsitzung erlebte ich eine angenehme Überraschung. Da stellte mir nämlich Secretaris Wim Potums nach dem offiziellen Teil Frau Louisa Bliki-Ackermans als meine Gastgeberin vor. Das Abendessen sollte programmgemäß bei den belgischen Ratsfamilien eingenommen werden. Frau Bliki war das einzige weibliche Wesen im Gemeinderat, für diesen Abend waren unser Busfahrer und ich Gäste in ihrem Haus. Der Busfahrer hieß übrigens Heinen, seinen Vornamen weiß ich nicht mehr. Vor dem Gemeindehaus erwartete uns Louisas Ehemann Romain und kutschierte uns die wenigen Schritte bis zur Kirche mit seinem Auto. In seiner eindrucksvollen Festpredigt sprach Pastor Paul Vertonghen von der Bedeutung einer christlichen und allgemeinen Brüderlichkeit. Nach dem Gottesdienst speisten wir bei den Blikis auf der „Veste.“ Die Veste ist eine der ältesten Straßen in Sint-Stevens, der Name bedeutet „Festung“ und weist auf eine ursprüngliche Schutzanlage hin.

Der erste Tag in Woluwe klang aus mit der Teilnahme am Sportlerball in „Ons huis,“ was wörtlich „Unser Haus“ heißt und mit dem bei uns üblichen „Vereinshaus“ vergleichbar ist. Es war ein recht vergnüglicher Abend bei Tanz und Unterhaltung. Es gab unter anderem eine große Verlosung, bei der auch die Blankenheimer nicht leer ausgingen. Toni Wolff beispielsweise gewann ein „Flötenkesselchen,“ Matthias Mauer aus Reetz erhielt ein langes Küchenmesser, und Josef Heinen, ebenfalls aus Reetz, wurde gleich dreimal aufgerufen. Sein Haupttreffer war ein Gutschein über umgerechnet 500 DM für den Kauf eines Fernsehers inklusive zweijähriger Wartung. „Müresch Jüpp“ schenkte den Gutschein seiner Gastgeberfamilie.

Gegen 02 Uhr morgens kutschierte mich Romain zum Novotel nach Zaventem, wo ich mit unserem Busfahrer ein modernes französisches Doppelbett zu teilen hatte. Als verantwortungsbewusster Fahrer, der uns am nächsten Tag wieder unversehrt daheim abzuliefern hatte, hatte er lange vor mir Ons huis verlassen und lag bei meinem Eintritt ins Hotelzimmer buchstäblich „quer“ im Bett, offensichtlich sägte er gerade an einem besonders knorrigen Eifeler Eichenast. Ich mochte ihn nicht wecken und richtete mich in „Hochkantlage“ am Rand mei- ner Bettseite ein. Viel geschlafen habe ich in jener Novotel-Nacht nicht. 

.03.1974 Kranzniederlegung in Woluwe durch Toni Wolff und Peter Reger (Repro: Vossen)Der Sonntag stand im Zeichen der Musik. Die Musikanten aus Dollendorf und die Fanfaren aus Ripsdorf trafen ein. Zusammen mit den Majoretten und der Musikkapelle von Sint-Stevens ging es zunächst zum Friedhof, wo Toni Wolff und Peter Reger am Ehrenmal einen Kranz niederlegten. Im Gemeindesaal und in der Schule wurde dann gespeist, anschließend zog der Festzug zum Sportplatz an der Eversestraat, wo gerade ein wichtiges Lokalspiel stattfand. Von da war es dann nicht mehr weit bis zum Neubaugebiet Harenheide, wo die neue „Blankenheimlaan“ feierlich und offiziell eingeweiht wurde. Das hatten sich die Gastgeber eigens für den Besuch der Partner aufgespart. Hier war ein kleines „Partnerschaftszentrum“ entstanden: Abzweigend von der „Europalaan,“ gab es bereits die „Batticelaan“ und die Availles Limousinelaan,“ als dritte Freundschaftsstraße kam jetzt die Blankenheimlaan hinzu. Laan bedeutet übrigens „Allee.“ Toni Wolff und Peter Reger durchtrennten das obligatorische Absperrband und gaben damit die Blankenheimlaan für den Verkehr frei. Der Secretaris zerschnitt das Band in kleine Stücke, die er gewissenhaft an die Festteilnehmer verteilte.

Mit klingendem Spiel ging es dann über den Leuvensesteenweg zurück. In On huis spielten alle Musikgruppen noch einmal zum Abschied auf. „Puppchen, du bist mein Augenstern,“ spielten beispielsweise die Dollendorfer Musikanten, was Bürgermeister van Nerom zu einem Abschiedstänzchen mit Frau Wolff verführte. Altbürgermeister van Damme „beschlagnahme“ daraufhin unverzüglich Frau Reger, deren Ehemann Peter allsogleich Frau van Damme zur Tanzfläche führte. Und nicht zuletzt nahm auch Toni Wolff mit einer charmanten Flämin am Promi-Abschiedstanz teil. „Im Mai sind wir bei euch,“ gaben die Belgier ihren deutschen Freunden mit auf den Weg in die Heimat, wo der Bus gegen 20,30 Uhr wohlbehalten ankam.

Partnerschaft perfekt  

Perfekter als sie schon war, konnte die Partnerschaft gar nicht mehr sein. Es fehlte aber noch das letzte offizielle „Pünktchen auf dem i“ und das wurde am 18. und 19. Mai 1974 im zweiten Teil der Verbrüderung hinzugefügt: Die zweite Partnerschaftsurkunde, diesmal ausgestellt in Blankenheim. Auch diese Festlichkeiten werden allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt trug das prächtige Frühlingswetter dazu bei, das die Gäste aus Belgien „mitbrachten.“ Heinz Hecker als Vorsitzender des heimischen Partnerschaftsausschusses schlug vor, den Heiligen Petrus zum Schirmherrn der Partnerschaft zu ernennen, weil „der es offensichtlich gut mit uns meint.“ Toni Wolff war ähnlicher Meinung und kommentierte: „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel,“ und die Gäste selber fanden die Festlichkeiten in Blankenheim, und dazu gehörte auch das Wetter, „heel en al heerlijk“ (ganz und gar herrlich).

Wieder hatte man sich bei uns im Rathaus eine Überraschung ausgedacht: Rechtzeitig für den Besuch der Freunde hatte die Gemeinde ein „Partnerschaftsschild“ anfertigen lassen und an der Gemeindegrenze bei Blankenheim-Wald neben der Bundesstraße 258 aufgestellt. Das metergroße ovale Schild zeigte auf blauem Grund im oberen Teil das Blankenheimer Wappen, im unteren Teil das Wappen von Sint-Stevens und im Mittelfeld den Partnerschaftshinweis. Als am 18. Mai die belgischen Rats- und Verwaltungsleute mit ihren Ehepartnern per PKW anreisten, wurden sie von ihren Blankenheimer Kollegen an der Gemeindegrenze erwartet und begrüßt. Nach einer kurzen Ansprache enthüllten Toni Wolff und Peter Reger das neue Schild und lösten damit bei den Gästen uneingeschränkte Begeisterung aus.

Wenig später fand im Rathaus die gemeinsame Sitzung statt, in deren Verlauf die Urkunde unterzeichnet und die Partnerschaft perfekt gemacht wurde. Unter den Zuhörern befand sich auch Altbürgermeister Hermann Kraywinkel, der mit Genugtuung feststellen konnte, dass die vor zehn Jahren von seiner Ortschaft Blankenheim begonnene Freundschaft nunmehr von der Großgemeinde übernommen und getragen wurde. Bürgermeister Edward van Nerom schätzte sich glücklich, die Partnerschaft heute in Blankenheim offiziell besiegeln zu dürfen. In Anlehnung an Peter Regers seinerzeitige flämische Worte in Woluwe, trug van Nerom jetzt seine Rede in deutscher Sprache vor, und das wurde mit anhaltendem Beifall der Zuhörer belohnt. Ein rustikaler „Imbiss“ im kleinen Sitzungssaal beschloss den offiziellen Teil.

18.05.1974, Festakt in Blankenheim, Unterzeichnung der Urkunde (Foto: Vossen)Um 20 Uhr besuchten Gastgeber und Gäste das zweite Gemeinschaftskonzert der Chöre und Musikvereine im Gemeindebereich in der Realschulaula. Der Abend schloss mit einem gemütlichen Beisammensein im „Eiscafé“ in der Ahrstraße. Heinz Hecker frischte mit einem mehrteiligen Ton-Lichtbildervortrag alte Partnerschaftserinnerungen auf. Hecker hatte die Begegnungen aus 1972 und vom März 1974 durch Dias dokumentiert und mit auf Band gesprochenen Kommentaren vertont, - eine unterhaltsame Schau.

Der Sonntag begann mit einem Festgottesdienst im Freien vor der Kapelle Hülchrath. Eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal durch die beiden Bürgermeister schloss sich an. Antoon Pauwels, der Vorsitzende der „Oudstrijders“ (wörtlich „Altstreiter“ = Kriegerverein, Veteranen) wies in bewegten Worten darauf hin, dass Kriege keine Lösung sein können, keine Lösung sein dürfen. Dem schlossen sich die Bürgermeister van Nerom und Wolff an: „Nie mehr soll solches Elend über uns und unsere Kinder kommen.“ Sechs große Reisebusse und eine Vielzahl von Privatwagen aus Sint-Stevens waren inzwischen eingetroffen, mehrere hundert Besucher wohnten der Feier am Ehrenmal bei. Zur Kranzniederlegung spielte die Musikkapelle Alendorf das Lied vom Guten Kameraden.

Zum Mittagessen waren die belgischen Ratsmitglieder und ihre Angehörigen bei ihren deutschen Kollegen zu Gast, die Oudstrijders wurden vom Blankenheimerdorfer Schützenverein bewirtet, die belgischen Sportler wurden bei ihren Dollendorfer Sportfreunden aufgenommen, wo gerade Sportfest war, die übrigen Gäste speisten in den diversen Blankenheimer Gaststätten. Bei uns daheim waren Louisa Bliki-Ackermans und Ehemann Romain gerngesehene Gäste, bei denen wir uns auf diese Weise für meine Bewirtung im März bedanken konnten. Der Blankenheimer Gemeinderat hatte mir bereitwillig diese Bitte erfüllt. In der vorbereitenden Ratssitzung hatte Werner Laska die Gäste auf die einzelnen Ratsfamilien „verteilt“ und meinte schmunzelnd: „Na, und die Blikis müssen wir ja wohl der Presse überlassen.“ Es erhob sich kein einziger Widerspruch, obwohl noch einige Ratsherren „frei“ waren. Nach dem Mittagessen blieben noch ein paar Stunden Freizeit bis zur Rückreise, wir zeigten unseren Gästen den neuen Trimmpfad auf der Nonnenbacher Hardt und die Beiden konnten sich nicht satt sehen an unserem frühlingsgrünen Eifelwald. Romain lästerte ein wenig: „Wenn meine Frau demnächst Ministerin ist, wird sie bestimmt auch bei uns in Woluwe für Wald sorgen.“

Ein Herz und eine Seele

Im Verlauf der nun folgenden Jahre wurde die Partnerschaft auf beiden Seiten intensiv gepflegt und vertieft, offizielle und mehr noch private Besuche und Gegenbesuche mehrten sich, insbesondere auch die Vereine trugen durch die Teilnahmen an Veranstaltungen der Partner wesentlich zur Festigung der Freundschaft über die Grenzen hinweg bei. Alle Aktivitäten hüben wie drüben lassen sich kaum aufzählen, einige Ereignisse sollen hier erwähnt werden. So waren beispielsweise schon am 29. Mai Schüler der Gemeindeschule aus Sint-Stevens in Blankenheim zu Besuch. Sie speisten im Hotel Finkenberg und labten sich nach einer Kurzwanderung zum Forellenhof, auf der Schwimmbadterrasse an Pflaumenkuchen und Kakao. Am 23. Juni gastierten die „Duikers“ (Taucher) vom Verein „Diving Zaventem“ mit hochinteressanten Darbietungen in Blankenheim. Hunderte Besucher säumten das Schwimmbad und später den Kahnweiher und waren beeindruckt von den Leistungen der Duikers. Aktiver Taucher war übrigens auch Altbürgermeister Paul van Damme, ebenso unser früherer Gastgeber Romain Bliki, dessen Ehefrau Louisa vom Sprungturm herab Fotos schoss.

20.07.1974  Steven Bliki (links) und unser Werner vor dem Bliki-Haus auf der Veste (Foto: Vossen)Am 20. und 21. Juli waren wir selber bei den Blikis in Woluwe zu Gast. Wir spazierten durch ausgedehnte Witloof (Chicoree) - Felder, während über der nahen Hauptstadt Brüssel Flugzeugstaffeln kreisten, zu Ehren des Königs: der 21. Juli ist der belgische Nationalfeiertag. Wir stiegen die 227 Treppenstufen zum „Löwen von Waterloo“ hinauf und ließen uns für fünf belgische Franken vom Automaten in deutscher Sprache über die große Schlacht aus dem Jahr 1815 berichten, deren Verlauf im riesigen Panorama-Museum naturgetreu dargestellt ist. Waterloo war ein Erlebnis, ebenso die Millionenstadt Brüssel. Unsere Gastgeber führten uns nicht etwa zu allbekannten Attraktionen wie das Atomium oder Manneken Pis, - sie zeigten uns den Großen Marktplatz bei Nacht mit seinen eindrucksvoll angestrahlten historischen Bauwerken. Sie führten uns in die „Kleine Beenhouwer-Straat“ (Kleine Metzgerstraße), wo in unglaublichem Menschengedränge hunderte Künstler ihre Werke feilboten. Durch eine nur meterbreite Lücke in der Häuserzeile gelangten wir ins „Theatre Toone,“ jenes ur-brüsseler Puppentheater und Gasthaus, wo metergroße Holzmarionetten die Akteure auf der ebenerdigen Theaterbühne waren. Im Toone war alles alt, uralt und echt, das Toone muss man erleben, um einen Hauch früherer Jahrhunderte spüren zu können. In der Ortschaft mit dem merkwürdigen Namen „Jezus-eick“ (Jesus-Eiche) tranken wir „Kriek,“ ein rotes und süßes Bier, das mit einem Stück Zucker serviert wird und es gewaltig „in sich hat.“ Es war „een prachtig weekend“ (ein wunderschönes Wochenende) in Sint-Stevens-Woluwe.

20.07.1974  Mit Blikis im Theatre Toone in Brüssel (Foto: Romain Bliki)Eine Woche später, am 27. Juli, waren die Belgier schon wieder bei uns in Blankenheim: Seenachtsfest. Das Licht der 10.001 Lichter, wie der Initiator Werner Laska die Attraktion des Kur- und Verkehrsvereins propagierte, wurde dank des einmaligen Feierwetters zum Bombenerfolg. Die belgischen Partner hatten wieder einmal „Engelwetter“ mitgebracht, - inzwischen schon fast eine Selbstverständlichkeit. Auf der Schwimmbadterrasse unterhielt man sich bei Musik und Tanz, als eine Gruppe junger Leute aus der belgischen Stadt Brügge eintraf. Ihr heimatlicher „Küsschentanz“ riß zunächst unsere Gäste von den Stühlen, dann aber versuchte der eine oder andere Einheimische sich ebenfalls im Dreifach-Schmatzen. An diesem Seenachtsabend wurde viel geschmatzt an der Ahrquelle.

Vom 19. bis 24, August 1974 fand in Sint-Stevens ein internationales Jugendlager mit Teilnehmern aus den Partnerstädten Sint-Stevens, Blankenheim, Battice und Availles-Limousine statt. Gegenüber der „Veste“ besaß damals die Gemeinde Sint-Stevens im Woluwetal am Ufer des Flüsschens, das dem Ort seinen Namen gab, ausgedehnte Grundstücksflächen. Hier standen drei langgestreckte Holzgebäude, die sich als Lagerunterkünfte bestens eigneten. Lagerleiter war Secretaris Wim Potums. Am vorletzten Lagertag machten sich Toni Wolff und Heinz Hecker auf den Weg nach Woluwe zu einem echten Überraschungsbesuch, und kurzerhand packten sie mich auf die Rückbank in Tonis „Käfer.“ Ich konnte bei dieser Gelegenheit einen Blitzbesuch bei den Blikis auf der Veste abstatten. Romain arbeitete im Garten, der Spaten fiel ihm aus der Hand, als er plötzlich in seinem Rücken deutsche Worte hörte.

Unter der Überschrift „Der singende Bürgermeister am Ufer der Woluwe“ beschrieb die Rundschau am 28. August den Abend am Lagerfeuer. Da nämlich griff um 0.20 Uhr Heinz Hecker ein paar Akkorde auf der Gitarre, Toni Wolff stimmte „Kein schöner Land“ an und dann erklangen deutsche Volks- und Wanderlieder bis gegen 1.30 Uhr, als unser Repertoire erschöpft war. Wolff und Hecker trugen im Aufenthaltszelt ein Tischtennis-Match aus, dessen Ergebnis Heinz Hecker in sein Tagebuch notierte: „1. Satz verdient für Hecker, 2. Satz unverdient an Wolff; 3. Satz wie nicht anders zu erwarten an Hecker.“ Den Rest der Nacht verbrachten wir in Feldbetten der belgischen Armee. Gegen 3.00 Uhr wachte ich einmal auf, Toni schnarchte friedlich, Heinz Hecker saß noch über seinem Reisetagebuch. Dass bei der Heimfahrt auf der Autobahn das Kupplungsseil in Tonis Käfer riss und das Schalten und Anfahren ohne Kupplung dem geplagten Fahrer erhebliches Kopfzerbrechen bereitete, sei nur am Rande erwähnt. Wir kamen aber heil zu Hause an.

23.06.1974  Auf der Freibadterrasse in Blankenheim: Secretaris Wim Potums im Gespräch mit Romain und Louisa Bliki (links) (Foto: Vossen)Über den Verlauf des Jugendtreffens hat Wim Potums in einem umfangreichen „Lagerbuch“ jeweils in den Sprachen der teilnehmenden Länder Bericht erstattet. Darin gibt es eine interessante Auflistung über den Aufwand an Lebensmitteln. So wurden unter anderem 90 Kilo Brot verzehrt, 8 Kilo Marmelade und 40 Töpfe Margarine wurden aufs Brot geschmiert, 45 Kilo Obst wurden verzehrt, 210 warme Mahlzeiten wurden gereicht, und schließlich wurden 72 Meter Papiertischdecken und 400 Servietten verbraucht. Die einhellige Meinung aller Teilnehmer fasste Wim zusammen: „Dat was goed. Volgend jaar willen wij het zo terug maar met meer“ (Es war schön, nächstes Jahr wieder so, aber mit mehr Teilnehmern).

Zaventem

Im Jahr 1975 stand in Belgien das zur Debatte, was wir in Blankenheim bereits sechs Jahre hinter uns hatten: Die Kommunalreform. Nach den Vorstellungen des Ministers „van Binnenlandse Zaken“ (Innenminister) sollte Sint-Stevens-Woluwe zusammen mit den Nachbarn Zaventem, Diegem, Sterrebeek und Nossegem zur neuen Großgemeinde Zaventem fusionieren. Auch in Belgien gab es Widerspruch, ähnlich wie bei uns, am 01. Januar 1977 aber trat die Reform in Kraft. Bis zu diesem Zeitpunkt fand noch im August 1976 in Blankenheim ein weiteres internationales Jugendlager statt, an dem 50 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahren teilnahmen. 12 Tage dauerte das Treffen, das mit einer großen Grillparty endete.

Am 11. Dezember 1976 und damit kurz vor „Toresschluss“ feierte die noch selbständige Gemeinde Sint-Stevens-Woluwe ein großes Ereignis: Die neue Turnhalle wurde eingeweiht. Zu dieser Feier war diesmal sogar ich offiziell eingeladen worden. Bei der Einweihung des Prachtbaues waren unter anderem der Gouverneur von Brabant und die Ministerin für Kultur und „Vlaamse Aangelegenheden“ anwesend. Im Verlauf der diversen Festansprachen überreichte Blankenheims Bürgermeister unter dem Beifall der Anwesenden ein Bild der Ahrquelle, das seinen Platz in der neuen Bibliothek im Untergeschoß der Halle finden würde. Der Nachmittag war angefüllt mit einem vierstündigen Unterhaltungsprogramm. Ein Höhepunkt hierbei war der Auftritt der Schlagersängerin „Truus,“ die mit „Ik houd van jou“ (Ich liebe dich) ihr Publikum begeisterte. Für den abendlichen Ball wurde die Halle in einen Tanzsaal umfunktioniert. Zu den Klängen von „Alte Kameraden“ eröffneten Bürgermeister van Nerom und die Schöffen Coosemans und De Volder das Tanzvergnügen.

Der 07. September 1980 war wieder ein großer Tag für die deutsch-belgische Freundschaft: Die zwischen der Großgemeinde Blankenheim und Sint-Stevens-Woluwe bestehende Partnerschaft wurde offiziell auf die neue Großgemeinde Zaventem ausgedehnt. Ein hüben wie drüben langgehegter Wunsch ging damit in Erfüllung. Wie seinerzeit der inzwischen verstorbene Gemeindedirektor Peter Reger, so hatte sich diesmal sein Amtsnachfolger Hans Henn ebenfalls für die Ankunft der belgischen Gäste etwas Besonderes ausgedacht: Die Busreisenden wurden auf dem Parkplatz bei Hüngersdorf begrüßt und unternahmen dann eine Kurzwanderung durchs Lampertztal, wo die Gesellschaft urplötzlich von zwei wüst aussehenden „Wegelagerern“ überfallen wurden. Die waren unterdessen längst nicht so böse, wie sie ausschauten, und die Wanderer durften schließlich unbehelligt weiterziehen. Nach einer Besichtigung der Burgruine Schloßtal, endete der Samstagabend mit einem vergnüglichen Beisammensein beim Grillfest am Freilinger See. 

Bei der feierlichen Urkundenunterzeichnung am folgen Morgen war der Sitzungssaal im Rathaus bis auf den letzten Platz besetzt. Toni Wolff trug zum feierlichen Anlass seine Amtskette und sein belgischer Kollege Roger Boon wünschte sich: „Was zwei kleine Gemeinden zustande bringen, sollte auch die ganze Welt können, nämlich Partnerschaften schließen.“ Beide Bürgermeister verlasen dann den Text der Urkunde, mit deren Unterzeichnung nunmehr auch die Partnerschaft mit Zaventem besiegelt wurde. Nachmittags traf man sich noch einmal im Bürgerhaus Lommersdorf zu einer Abschlussveranstaltung.

Ein eifriger Förderer der Partnerschaft war, neben dem „Pionier“ Paul van Damme, auch der damalige Schöffe im Gemeinderat und heutige (2012) Bürgermeister von Zaventem, Herr Francis Vermeiren. Er organisierte unter anderem am 31. Oktober 1981 ein Sportlertreffen belgischer und deutscher Jugendlicher in Blankenheim. Durch gegenseitige Besuche besonders auf privater Ebene und durch die Teilnahme an Veranstaltungen, blieb auch weiterhin die Partnerschaft aktiv. Mitte Juni 1987 war der Gemeinderat aus Zaventem zu Gast in Blankenheim, aus diesem Anlass gab es in der Realschulaula eine gemeinsame Festsitzung beider Räte mit 200 geladenen Gästen. Toni Wolff stellte in seiner Begrüßungsansprache fest: „Wir haben gut gewählt, es lebe die Freundschaft und es wachse die Partnerschaft mit Zaventem.“ Sein Amtskollege Francis Vermeiren versicherte, dass „wir in Blankenheim viel Freundschaft erfahren und immer wieder mit einem großen Frohgefühl in die Eifel kommen.“ Im Verlauf der Sitzung erhielt Altbürgermeister Paul van Damm aus der Hand von Toni Wolff die Silberne Ehrennadel der Gemeinde Blankenheim verliehen und nahm die Versicherung seines deutschen Freundes und Kollegen mit auf den Heimweg: „Paul, du bis ein großer Europäer und ein echter Freund unseres Landes.“ Die Goldene Ehrennadel für 20 Jahre Verdienste um Blankenheim erhielt Paul van Damme im Oktober 1989.

Im Jahr 1990 wurde die seit nunmehr 25 Jahren bestehende Partnerschaft gefeiert, wegen der Kommunalwahlen in 1989 wurde die Jubiläumsfeier um ein Jahr hinausgeschoben. Der erste Teil der Festlichkeiten fand am 24. und 25. März in Zaventem statt, auf dem Programm standen unter anderem eine Rundfahrt, Sportwettbewerbe der Jugendmannschaften, ein „Verbrüderungsabend“ und natürlich die Festsitzung des Gemeinderates. Die zweite Veranstaltung war am 29. und 30. September in Blankenheim. Die gemeinsame Festsitzung fand im Lommersdorfer Bürgerhaus statt, wo Paul van Damme, Ehrenbürgermeister und Vorsitzender des belgischen Partnerschaftsausschusses, versicherte: „Zaventem hält Blankenheim die Treue, nicht für Stunden, nicht für Tage, sondern für immer,“ nicht enden wollender Beifall begleitete diese Worte. Nach der Sitzung gab es beim „Jubiläumsabend“ im Schulzentrum ein vergnügliches Beisammensein bei Musik und Tanz.

Neuen Aufschwung erfuhr die Partnerschaft im Jahr 2002, nachdem es bis dahin etwas „ruhiger“ geworden war. Hüben wie drüben war man bestrebt, wieder intensiver und regelmäßiger zusammenzuarbeiten. Am 05. Oktober folgte der Blankenheimer Rat einer Einladung nach Zaventem. In einer akademischen Sitzung unterzeichneten die beiden Bürgermeister, Karl-Heinz Gatzen und Francis Vermeiren, eine entsprechende Urkunde und bekräftigten damit den Verbrüderungseid beider Gemeinden. Zu Beginn der Sitzung gedachten die Teilnehmer in einer Schweigeminute des am 26. August 2002 verstorbenen „Vaters der Partnerschaft,“ Paul van Damme.

04.06.2012  Jahrmarkt in Zaventem, das Blankenheimer Team mit Tanja Möllengraf (5. von rechts) neben Bürgermeister Francis Vermeiren und seinen Mitarbeitern (Foto:  Möllengraf)
Die beiderseitigen Anstrengungen waren erfolgreich, die deutsch-belgische Partnerschaft „blüht und gedeiht,“ gemeinsame Unternehmungen sind an der Tagesordnung, die Präsenz bei Veranstaltungen des Partners ist selbstverständlich. Dazu tragen sowohl offizielle als auch private oder Vereinsaktivitäten bei. So wurde unter anderem ein „Kulturfahrplan“ für kulturelle Ereignisse eingerichtet wie beispielsweise Kunstausstellungen oder Konzerte. Wenn an der Ahrquelle „etwas los“ ist, sind die Freunde aus Zaventem dabei, und wenn in Zaventem beispielsweise der große Jahrmarkt in Verbindung mit der Kirmes stattfindet, ist dort auch regelmäßig der „Blankenheim-Stand“ mit Informationsmaterial über die Partnergemeinde anzutreffen, und der „Lampertztaler“ (Wacholderschnaps), den die Blankenheimer im Gepäck haben, erfreut sich in Zaventem größter Beliebtheit. Das zeigte sich auch beim Jahrmarkt 2012, und Tanja Möllengraf, die Ortsvorsteherin von Blankenheimerdorf, die mit zum Team gehörte, fasste ihre Eindrücke vom Fest zusammen: „In der heutigen Zeit, wo vielerorts das Zusammenleben von Konkurrenz geprägt ist, zeigt die 50-jährige Partnerschaft zwischen dem großen Zaventem mit 32.000 Einwohnern und der im Gegensatz kleinen Gemeinde Blankenheim mit insgesamt 8.000 Einwohnern, einen besonderen Zusammenhalt, wo persönliche Kontakte und Freundschaften seit mehr als 50 Jahren herzlichst gepflegt werden, was auch für die Zukunft wünschenswert ist.“



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04.12.2014




 

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