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02.11.2018




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf


Vader
An anderer Stelle im Dörfer Lexikon erzählte ich die Episode bereits, hier wiederhole ich sie nochmals, – weil sie so ungewöhnlich und humorvoll ist und weil sich mancher im Dorf noch daran erinnert. Es war irgendwann in den 1960-er Jahren, der ob seiner oft seltsamen „weisen“ Sprüche beliebte und unvergessene Krämesch Pitter (Peter Schmitz) stritt sich mit seinem Sprössling Erwin wegen irgend einer mehr oder weniger belanglosen Angelegenheit herum, bis Peter schließlich nachgab, aber wütend feststellte: Jung du solls me Vader fröher jehatt han (du hättest meinen Vater haben müssen). Dann hätt ech äwwer och ad jät jehatt (wörtlich: Dann hätte ich aber auch schon etwas gehabt) giftete Erwin respektlos, worauf Peter empört schrie: Ja jedenfalls ene bessere wie de jetz häss (Jedenfalls einen besseren als du jetzt hast). Päng, das war ein regelrechtes Eigentor, ist aber tatsächlich passiert. Vater, Pater, Father, Vader, Papa, Pudre, Per – Diese Wörtchen und ihre Bedeutung kennt man beinahe auf der ganzen Welt. In unserem Dialekt sind „Vatter“ und „Vader“ gebräuchlich, mehr aber noch kurz und knapp Pap. „Vader“ ist das offizielle holländische Wort für Vater, unsere Nachbarn beten beispielsweise „Onze Vader, die in de hemelen zijt, geheiligd zij uw naam…“ Da fiel Christoffel von Grimmelshausen seinerzeit arg aus dem Sprachrahmen, als er in 1669 in seinem „Simplicissimus“ seinen leiblichen Erzeuger mit Knan betitelte. Nicht nur in unserer Eifel gibt es das uralte weise Wort: Ejne Vader kann liëchter zehn Pänz ernähre, als zehn Päng ejne Vader. Die Übersetzung erübrigt sich hier.

Vaterunserklöppel (weiches ö)
Vaterunserknüppel, - ein recht ungewöhnliches Wort aus der Brudermeistersprache. Der Brudermeister ist der Ordner und Vorbeter bei kirchlichen Prozessionen, beispielsweise an Fronleichnam. Sein „Handwerkszeug“ ist der Brudermeisterstab, mit dem er abwechselnd jeweils die Seite der zweireihigen Prozession anzeigt, die beim neuen Rosenkranzgesetz das Vorbeten zu übernehmen hat. Ein Stab oder Stock ist im Volksmund ein Knöppel oder Klöppel, daraus erklärt sich die Bezeichnung Vaterunserklöppel. Der Brudermeister geht in der Mitte zwischen den beiden Beterreihen und deutet mit dem erhobenen Stock die jeweiligen Vorbeter an. Aus Blankenheimerdorf wird berichtet, dass der eine oder anderer Brudermeisterveteran früherer Jahre sein Stabzeichen stimmgewaltig ergänzte: „Vaterunser, der du bist im Himmel, - op diser Sitt“ (auf dieser Seite). „Zwölf Verstoßene auf Wallfahrt“ ist der Titel eines Jugendbuches aus der Feder von Franz Seinsche, das ich zu Weihnachten 1947 von Tant Marie (meine Taufpatin) geschenkt bekam. Zwölf Messdiener gehen auf eigene Faust auf Wallfahrt, werden am Ziel von den elterlichen Wallfahrern „einkassiert“ und von den Brudermeistern der Prozession unter die Fittiche genommen. Diese „Knechtschaft“ ertragen die Zwölf nicht länger und möchten auch wieder allein nach Hause pilgern.

Veeh
Das Wörtchen „Vieh“ besitzt heute einen ziemlich negativen „Beigeschmack,“ dabei erinnern sich viele von uns noch der schlimmen Zeit, als drie Stöck Veeh em Stall (drei Kühe im Stall) als Garanten für leibliches Wohlergehen galten. Wo ein Misthaufen beim Anwesen zu sehen war, da fielen die „Hamsterer“ aus der Stadt in Scharen ein und verschacherten ihr letztes Hemd gegen ein Viertelpfund Eifeler Speck. „Dumme Kuh“ und „blöde Sau“ sind heute gängige Schimpfworte, und auch unser Dialekt kennt dämelijes Veehzeuch (dämliches Viehzeug) als Schmähbegriff. Auf die Erzeugnisse dieser dummen Kreaturen – Milch, Butter, Käse, Steak, Schinken – möchten wir unterdessen nicht verzichten. Wir hatten daheim vier Kühe, jede besaß einen Namen, auf den sie hörte. Wenn beispielsweise beim Weidetrieb vom Treiber der Ruf Ojüüh Schwitt, hott eröm kam, schwenkte die Führkuh gehorsam nach rechts vom Weg ab, selbst wenn der Ruf aus Kindermund kam. Dummes Viehzeug? Am 17. September 1944 trieb die Wehrmacht eine kleine Herde „Heeresvieh“ aus Nonnenbach ab zum Sammelpunkt im unteren Ahrtal. Unsere Schwitt lief bis zur Reetzer Mühle mit, ging dort den Treibern „stiften“ und war abends wieder bei uns daheim. Ungefähr fünf Kilometer weit hatte sie durch Wald und Wiesen den Weg zu ihrem Stall gefunden, – blödes Vieh?

Veehkomp (weiches o)
Der Veehkomp bedeutet wörtlich „Viehschüssel“ und war ein Teil der Fütteranlage im Kuh- und Ochsenstall: Der Futtertrog. Einen Trog gab es natürlich auch im Schweinestall, nur hieß er hier Söüskomp. Der flache Veehkomp war meist aus Naturstein hergestellt und in „Fresshöhe“ am Kopfende der Box in eine niedrige Mauer eingelassen, an der auch das Tier angekettet war. Im Komp wurde den Tieren das „Kleinfutter“ vorgesetzt, Körner etwa, Futterschnitzel oder Kleie, ebenso zerkleinerte Rüben, unter denen geschnipselte Kolerawe (weiße Steckrüben) bei den Tieren ganz besonders beliebt waren. Über den Veehkömp (Mehrzahl von Komp) waren in Kopfhöhe der Tiere die hölzernen Röüf (Futterkrippen) für die Aufnahme von Heu oder Stroh angebracht. Diese Futterraufen waren ein beliebtes Versteck beim Sööke spelle (Versteckspiel). Je nach Art des Futters fielen die Tiere beim Befüllen der Veehkömp regelrecht über ihre Mahlzeit her, beim Ausleeren des Veehejmers (Futterbehälter) wurde man nicht selten ziemlich ungnädig zur Seite gestupst. Dabei musste man flink den Kuhhörnern aus dem Weg gehen, was nicht immer ganz einfach war. Alle unsere Kühe behielten zeitlebens ihren Kopfschmuck, Enthornung gab es bei uns nicht.

Ventilljummi
Das Fahrrad ist heutzutage ein Hobby- oder Sportartikel, den sich jeder leisten kann und der in unseren, mit Autos vollgestopften Städten immer häufiger als Fortbewegungsmittel in den Vordergrund tritt. Im und nach dem zweiten Weltkrieg war der Drohtessel (Drahtesel) d a s Beförderungsmittel des kleinen Mannes schlechthin, ein Auto besaß im Eifeldorf bestenfalls der Pastur (Pfarrer) oder der Dokter (Arzt), selbst der Schandarm (Dorfpolizist, Gendarm) ging mit dem Fahrrad auf Streife. Besonders in den mageren Nachkriegsjahren, waren Fahrradersatzteile kostbar und kaum zu kriegen, unter anderem auch Ventilljummi (Ventilschlauch), ohne den es nun einmal nicht ging. Alle nasenlang riss das dünne Gummiröhrchen und dem Schlauch ging „die Luft aus.“ Einige Male ließ sich das Röhrchen noch wiederverwenden, wurde aber rasch zu kurz und damit unbrauchbar. Ersatz gab es nicht zu kaufen, allenfalls handelte die Eierschängs (siehe: Eierschängs) ein paar Zentimeter Ventilljummi gegen zwei oder drei Eier ein. Man behalf sich notdürftig mit der Gummiisolierung von dünnen Elektroleitungen. Die war aber in der Regel zu dünn und nicht stramm genug, der Reifen musste in kurzen Abständen „nachgepumpt“ werden.

verbälle 
Das Wort steht mit „verballen“ in Zusammenhang und bedeutet so viel wie „etwas zu einem Ball formen, einen Ball herstellen,“ im übertragenen Sinn auch „eine Anschwellung verursachen.“ Letzteres ist bei einer Verstauchung der Fall, ein „umgeknackster“ Fuß beispielsweise schwillt an und ist damit verbällt. Eine verbällte Hand trug nicht selten die Eifeler Hausfrau am großen Waschtag davon: Beim Vronge (lokal Vrenge = Wringen) der schweren Wäschestücke von Hand, wurden die Handgelenke überanstrengt und schwollen schmerzhaft an. Verbällt Hänn oder Fongere (verstauchte Hände oder Finger) waren beinahe an der Tagesordnung, die Pein hielt meistens tagelang an, denn für die Schonung des lädierten Körperteils gab es im Arbeitstag des Eifelbauern keine Möglichkeit. Du häß dir dr Mare verbällt, dat kött drvan (Du hast dir den Magen verdorben, das kommt davon) schimpfte manchmal unsere Jött, wenn ich jrön Knüetschele oder Promme (unreife Johannisbeeren oder Pflaumen) stibitzt hatte. Einmal hatte sich auch unsere Rüet (Stalltiername) verbällt, sie hatte zu gierig Grünfutter verschlungen und war „aufgelaufen“ (Überfressen mit Gasbildung). Oft bezeichnete man ein allgemeines Unwohlsein mit ech han mech jät verbällt. Ein sehr derbes Wort, beinahe der Gossensprache entnommen, war de Klötz verbälle

Verbedde
Die Übersetzung lautet „verbeten“ und das ist ein Wort, das es nur in der Mundart gibt und das wir im deutschen Lexikon vergeblich suchen. Ein ähnlicher Mundartausdruck ist verbeede, der aber bedeutet „verbieten.“ Verbedde ist eigentlich ein unmögliches Wort ohne Sinn und Zweck, in unserer Eifel ist es unterdessen einigen Senioren noch in Erinnerung, gehörte es doch zur Zeit unserer Eltern zum alltäglichen Sprachgebrauch. „Verbeten“ bedeutet „durch Gebet etwas aus der Welt schaffen, verschwinden lassen oder auch heilen. Früher gab es in fast jedem Eifeldorf bestimmte Personen, die durch Handauflegen und Gebet beispielsweise Schmerzen beseitigten, Blutungen stillten, Warzen und Schabb (Wundschorf, Hautausschlag) heilten. Oft konnten diese Leute auch dr Brand verbedde (wörtlich: den Brand verbeten = ein Schadenfeuer eindämmen). So hatte in den 1960-er Jahren nahe bei Lomberg (Posten 48 der Bundesbahn im Urfttal Richtung Nettersheim) eine Dampflok durch Funkenflug trockenes Gras in Brand gesetzt, das Feuer drohte auf den nahen Wald überzugreifen, die Rottenarbeiter der Bahn waren machtlos. Ein Gesundbeter hat damals die Flammen aufgehalten, eine von ihm eingerichtete imaginäre „Grenze“ überschritten sie nicht. Angeblich konnten die „Verbeter“ einem Mitmenschen auch Negatives antun, mein Vater Heinrich hat bei vielen Gelegenheiten eine Geschichte erzählt und ihren Wahrheitsgehalt beschworen, die ihm selber passierte. In seinem Heimatort Wiesbaum lebte eine ältere Frau, der man Verbedde nachsagte. Als Schulkind hatte Vossen-Heinche die Frau geärgert. Mit den Worten Dou bas äwwer e leev Kerlche hatte sie ihm leicht mit der Hand über die Haare gestrichen. Als Heinchen heim kam, hatte er den Kopf voller krabbelnder Läuse. Mutter Franziska ahnte die Zusammenhänge und schickte den Missetäter zur Tant zurück, sich entschuldigen. Das geschah, die Frau strich ihm erneut übers Haar: Nou jank heem, on ene schöne Jrooß aan deng Moder, die as en joot Frau (Jetzt geh heim und grüß deine Mutter schön, die ist eine gute Frau). Daheim angekommen, waren die Läuse wie weggeblasen.

verberje„Eins zwei drei vier Eckstein, alles muss versteckt sein, hinter mir da gilt es nicht…“ Wieviele hundert Male haben wir als Kinder wohl diesen „Suchvers“ heruntergesungen! Verberje, das bedeutete „verbergen, verstecken, unsichtbar machen,“ ein allgemein beliebtes und meistens auch angewandtes Wort war sööke spille (suchen spielen) oder ganz kurz und einfach sööke (suchen). In Haus und Hof, Stall und Scheune gab es daheim eine Unmenge der schönsten Verstecke, kaum waren ein paar Nachbarskinder zur Stelle, hieß es auch schon Wää dejt mot sööke spille (Wer macht mit Versteckspielen). Bis 1939 reichten noch Wald und Gebüsch bis dicht an unser Haus heran, da war das Verberje oder Versteiche (Verstecken) geradezu vorprogrammiert. Gängige Verstecke waren beispielsweise der Kleiderschrank, der enge Uhrenkasten, die Futterkrippe der Stalltiere oder der Heuboden. Gelegentlich wühlte man sich auch in den Berg von lockerer Strau (Strohersatz aus Heidekraut, vielfach in der Eifel auch Hejd oder Heed genannt)und pflückte sich später die Heckeböck (Wörtlich = Heckenböcke, unser Wort für die Zecken) von der Haut, die in Scharen die Strau bevölkerten. Beim verberje spille auf dem Heuboden von Krengs Karl (Karl Manstein) in Nonnenbach, kroch ich in eins der halbmeterdicken Heugebläserohre und ließ das zwei Meter lange Teil von den Kumpanen senkrecht stellen. Der Sucher, ein I-Dötzchen, (Schulanfänger), hatte schnell Lunte gerochen und rannte wiederholt gegen mein Versteck an, um es umzuwerfen. Ein fürchterliches Gefühl: Im engen Gehäuse umgekippt werden, ohne sich abstützen oder sonst wie helfen zu können. Mein verzweifeltes Gebrüll stachelte den Übeltäter zu immer neuen Attacken auf das Versteck an, schließlich kippte das Rohr und ich mit ihm. Es ging glimpflich ab, lediglich der „Gegner“ bekam ein paar Ohrfeigen, – absolut widerrechtlich und unverdient – und brüllte noch gewaltiger als zuvor ich. Die Sache war damit erledigt.

verbimsche
Für diesen Ausdruck kennt unsere Mundart eine ganze Reihe weiterer Wörter, einige davon seien hier aufgezählt: Verdreische, verwammesse, verkasematukele, vermöbele, verkamesööle, schwade, wösche, bengele. Alle haben sie dieselbe Bedeutung: Verhauen, prügeln. Der jeweilige Ausdruck beschreibt in etwa die „Art“ der Prügelei, verbimsche bedeutet zum Beispiel mehr oder weniger „mit einem Gegenstand – Stock – verprügeln,“ verkamesööle bezieht sich eher auf eine Massenschlägerei. Eine handfeste Klopperej war früher auch in Blankenheimerdorf bei öffentlichen Veranstaltungen keine Seltenheit und nach dem Fest hieß es allgemein jung, die han sech äwwer noch ens düchtich verbimsch. Die „Prügelei“ heißt übrigens bei unseren Nachbarn in Holland „Kloppartij“ und das bedeutet wörtlich „Klopfparty.“ Bimschen war früher auch eine Bezeichnung für militärischen Drill auf dem Kasernenhof. Einem starken Esser wird auch heute noch nachgesagt: Mensch, dä kann ene janze Teller deck Bonne verbimsche (…dicke Bohnen verzehren). Unter den Fuhrleuten gab es früher rohe Gesellen, die beim kleinsten Anlass willkürlich auf die Zugtiere einschlugen und den Zorn ihrer Kollegen erregten: Du mööts ens jenausu verbimsch were, dann wüer et dir annesch (Du müsstest mal genauso verdroschen werden, dann würdest du anderen Sinnes). In meiner Volksschulzeit hat Lehrer Josef Gottschalk einmal drei von und wegen einer Missetat gewaltig mit dem Stock das Hinterteil verdroschen, noch heute erinnert man sich gelegentlich, wie Jottschalek os dr Aasch verbimsch hät.

verbrassele
Früher wie heute kam es vor, dass durch entsprechenden Lebenswandel des Besitzers ein ganzes Anwesen herabgewirtschaftet wurde und zum Deuwel jing (zum Teufel ging). Von einem solchen Menschen behauptete man: Dä hät Huus on Hoff verbrasselt oder auch Dä hät se janz Donge verbrasselt (Donge = Ding, im übertragenen Sinn sein Hab und Gut). Verbrassele bedeutet „verwirtschaften, verschwenden, draufmachen, unnütz vertun, versauen.“ Brassel steht für „planloses Durcheinander, Gewühl, unkontrolliertes Abrackern, vergebliches Abmühen“ mit dem Ergebnis, dass alles verbrasselt wird. Der Abfluss an der Spüle war verstopft und Fritz beklagte sich: Jetz han ech ad ene haleve Daach verbrasselt on dat Loder os emmer noch net op, et os für ze baschte (einen halben Tag unnütz vertan, es ist zum Verzweifeln). Häß du menge Zollstock verbrasselt (hier = verlegt)? Ärgerlich suchte Pap (Vater) in der Hobelbankablage herum. Ich war mir keiner Schuld bewusst, – das Metermaß fand sich schließlich in der Zollstocktasche seines Besitzers. Dä Brassel steht mir baal em Hals ist ein oft geäußerter Stoßseufzer, und loß mech en Rouh, du siehs doch, dat ech em Brass setze ist eine ärgerliche Reaktion auf eine Störung bei der Arbeit.

verbrocke 
Die Kirschen in Nachbars Garten lockten mächtig, der Zaun war leicht zu übersteigen, der Gartenbesitzer war flink, es gab ein paar deftige Uhrwatsche (Ohrfeigen), heulende Flucht. Daheim Geplärre: Dä Klööß hät mech jehaue (Klaus hat mich geschlagen). Spätestens an diese Stelle würde heutzutage der Nachbarschaftsstreit mit Klage und Rechtsanwalt ausbrechen, damals stellte Mam (Mutter) lakonisch fest: Dann hattste et och verdeent, - wat häßte wier verbrock (Dann hattest du es auch verdient, - was hast du wieder angestellt). Hier handelte es sich um eine kindliche Bagatelle, denn Kirschen klauen war damals noch kein strafwürdiges „Verbrechen.“ Eine solche kindliche „Untat“ wurde gelegentlich auch abschwächend mit zwäesch maache (falsch, durcheinander, nicht richtig machen) umschrieben. Verbrocke dagegen konnte auch Ernsthaftes bedeuten. Der angeblich unschuldige flüchtige Einbrecher wurde gefasst, der Dorfkommentar dazu: Wenn dä nix verbrock häv, broëch hä net stifte ze john (als Unschuldiger brauchte er nicht zu flüchten). Verbrocke hat gelegentlich auch die Bedeutung von „bröckeln,“ beispielsweise en Schnedd Bruet en de Melech verbrocke (Brot in die Milch bröckeln), allerdings spricht man hierbei meistens von enbrocke (einbrocken). Bekannt ist die Redewendung Du häß dir die Zupp selever enjebrock, nu leffel se och üß (Was man sich einbrockt, muss man auch auslöffeln).

verbröötsche (hartes ö)
Ein Eifeler Allerweltsausdruck, der überall dort zur Anwendung kommt, wo durch starke Hitzeeinwirkung ein Gegenstand beschädigt oder unbrauchbar gemacht wird, beispielsweise beim Braten oder Kochen. Fränz hatte mal wieder den Frühschoppen „ausgedehnt“ und wurde daheim empfangen: Wo blievs du wier, et janz Eiße os verbröötsch, nächstens kauchste selever (…nächstens kochst du selber). Verbröötsche ist unser Wort für „verbrutzeln, verschmoren, verschrumpfen,“ eine Art Verkleinerungsform bei geringfügigem Verbröötsche ist verbröötschele. Bratkartoffeln beispielsweise verbröötschen leicht bei zu starker Hitze, bei zu wenig Hitze verbröötschelen sie dagegen. In jedem Fall sind mit dem Wortteil bröötsch negative Vorstellungen verbunden. Beim Elektroschweißen stellt der Ungeübte verärgert fest: Jetz han ech ad zwei Elektrode verbröötsch on noch emmer kejn Schwejßnoht fäedich, er hat also bereits zwei Elektroden verbraten und immer noch keine Schweißnaht zustande gebracht. Die Bröötsch ist eine verschmorte Stelle, unter anderem eine Brandwunde. Bröötsch nannte man schließlich auch noch den früher häufigen Ausschlag am Mund oder eine verschorfte Wunde.

verdohn (weiches o)
Wenn daheim unsere Jött meine Hausaufgaben kontrollierte, gab es gelegentlich eine ganz gehörige Meckerei, wenn ich beispielsweise die „Schule“ zur „Schuhle“ umfunktionierte: Hie häßte dech jetz ad driemool verdoohn, kannste net oppasse! Wennde dech noch ens verdejß, schrievste mir dä Aufsatz nöü (Hier hast du dich jetzt schon dreimal vertan, kannst du nicht aufpassen! Wenn du dich noch einmal vertust, schreibst du mir den Aufsatz neu). In diesem Fall (Vergangenheit: vertan) sprach man verdoohn mit hartem o aus, während es in der Gegenwart (vertun) verdohn (weiches o) gesprochen wurde. Generell stand verdohn für „vertun, irren, falsch liegen, Mist machen.“ Es kann unterdessen auch „vergeuden, verschwenden“ bedeuten: Jetz han ech doch en janz Stond für nix on wider nix verdohn ist das ärgerliche Fazit einer stundenlangen fruchtlosen Arbeit. Ein altes Sprichwort beschreibt das Ergebnis unkluger Wirtschaftsweise: Vill verdohn on nix erwerve kann dr richste Mann verderve (Viel vertun und nichts erwerben kann den reichsten Mann verderben). Wenn wir jemandem klar machen wollen, dass er sich „auf dem Holzweg“ befindet, geben wir ihm zu verstehen: Do verdejßte dech äwwer jewaltich, und wenn wir denselben Mann vor unüberlegten Rückschlüssen warnen möchten, raten wir ihr: Verdohn dech blos net.

verdommdeuwele 
Ein seltsamer und seltener Ausdruck, der wörtlich „verdummteufeln“ bedeutet. Das Wort ist eine energische Steigerung von für dr Jeck haale (zum Narren halten) und wird in erster Linie als Reaktion auf die versteckte Herabwürdigung einer Person angewandt: Ech losse mech von dir net verdommdeuwele, merk dir dat (für dumm darstellen). Manchmal ist es auch ein Ausdruck von Überlegenheit: Du kanns mech doch net verdommdeuwele (für dumm verkaufen). Während Für dr Jeck haale ein mehr oder weniger harmloser Scherz ist, versteckt sich hinter verdommdeuwele schon eine Portion Bösartigkeit, zumindest aber Arglist. Verdeuwele (verteufeln) nämlich heißt „herabwürdigen, schlecht machen, erniedrigen“ und solches geschieht immer in böser Absicht. Verdommdeuwele bedeutet letztendlich, jemanden auf erniedrigende Weise in der Öffentlichkeit als dumm darstellen. Der Heiratsschwindler war mit den Groschen der Betrogenen auf und davon, im Dorf bedauerte man die Ärmste: Wie kammer sech äwwer och blos esu verdommdeuwele losse (Wie kann man sich aber auch so hereinlegen lassen). Mattes gedachte, auf dem Hillesheimer Viehmarkt eine seiner Kühe zu verkaufen und nahm Drinchens nachhaltigen Rat mit auf den Weg: On datte dech nu joo net van denne Veehhändlere verdommdeuwele läß (Und dass du dich von den Viehhändlern nur ja nicht übers Ohr hauen lässt).

verdötsch
Ein zur Zeit unserer Eltern noch recht häufig verwendetes Mundartwort für „verrückt,“ im Niederländischen sehr treffend mit „krankzinnig“ zum Ausdruck gebracht, was wörtlich „kranksinnig, wahnsinnig, irrsinnig“ bedeutet. Noch treffender kennzeichnet unser „bekloppt“ die Situation. Stell dech net esu verdötsch aan ereiferte sich Mam (Mutter), wenn ich mal wieder über die schlabberije Mellechzupp (dünne Milchsuppe) nörgelte. Verdötsch on drie os Elef (verrückt und drei ist Elf) lautete früher eine Redewendung, wenn einer von uns Unsinn redete und offensichtlich „nicht mehr sauber tickte.“ Ein etwas unappetitliches Sprichwort besagte: Wä noch mot fuffzich Johr am Domme lötsch, dä os verdötsch, und das bedeutete, dass ein 50-jähriger Daumenlutscher geistig nicht „auf der Reihe“ sei. Wer verdötsch ist, der hät se net all, weiß der Volksmund, net all Tassen em Schrank, net all op dr Latz (auf der Latte), op dr Rejh (auf der Reihe) oder op dem Seff (auf dem Sieb). Wollte man sehr gehässig sein, dann hieß es du häß se noch nie all om Seff jehatt, - höck häßte noch net ens mieh e Seff (du hattest sie noch nie alle auf dem Sieb, - heute hast du nicht mal mehr ein Sieb). Doppelt gemoppelt ist schließlich der verdötschte Jeck, ein häufig gebrauchter, aber eigentlich unsinniger Ausdruck. Ein „Jeck“ nämlich ist zwangsläufig nicht ganz richtig im Kopf, ebenso wie das „Hochhaus“ automatisch hoch sein muß.

verdrieve
Die Wortbedeutung ist unverkennbar: „Vertreiben“ im Sinne von „wegjagen, verweisen, verbannen, verscheuchen.“ Vielfältig wie im Hochdeutschen, ist die Wortanwendung auch in der Mundart. Van Huus on Hoff verdrieve bedeutet den Verlust „von Haus und Hof“ und ist im Krieg das schwere Los der Vertriebenen, van Drhejm verdrevve (von Daheim vertrieben). Hier handelt es sich um die sehr negative Anwendung von „vertreiben,“ wir kennen unterdessen auch die Gegenseite. Wenn beispielsweise durch diese oder jene Pille de Zanntpeng oder de Koppeng verdrevve (Zahn- oder Kopfschmerzen) werden, so ist das sehr wohl positiv zu werten. Peng verdrieve konnten früher – und können auch heute noch – manche Mitmenschen, sie verstehen es unter anderem auch, Warzele oder Schapp ze verdrieve (Warzen oder Hautausschlag) und Schwäre (Eiterbeulen) zu kurieren. Ech sal dir wahl deng Katzichkejt verdrieve (Ich werde dir schon deine Ungezogenheit vertreiben) drohte unsere Jött, wenn ich mit meiner jüngeren Schwester auf Kriegsfuß geriet, und mot Langwiel de Zitt verdrieve (mit Langeweile die Zeit vertreiben) war eine Kunst, die man als Hütebub gezwungenermaßen erlernen musste. Im Gegensatz zum Hochdeutschen seltener angewandt, ist mundartlich der Ausdruck verdrieve im Sinne von „verkaufen, eine Ware vertreiben.“ Das Substantiv „Vertrieb“ kommt im Dialekt sehr selten vor, eigentlich nur in Zitverdriev (Zeitvertreib), den früher die „Ur-Dörfer“ als Zitverdrov im Sprachgebrauch hatten.

verdrüjje
Bij der Hetz verdrüch ejnem de Zong em Hals
(Bei der Hitze vertrocknet einem die Zunge im Hals) stöhnten früher die Leute bei der Heuernte, als noch alles von Hand getan werden musste. Verdrüjje bedeutet „vertrocknen“ und was vertrocknet ist, das ist im Dialekt verdrüch, beispielsweise et verdrüch Bruët (das vertrocknete Brot). Mir sen hie am verdrüjje, wo bliev dat Bier beschwerten sich die Kegelbrüder beim säumigen Wirt. Im ungewöhnlich heißen Sommer verdrüch et Jras om Halem on et Koor en de Ähre (vertrocknet das Gras auf dem Halm und das Korn in den Ähren) und de Jrompere verdrüjjen em Boddem (die Kartoffeln vertrocknen im Boden). Von einem Menschen mit runzliger Haut behauptete man, er habe ein Gesicht wie en verdrüch Prom (eine vertrocknete Pflaume). Griesbrei mit getrockneten Pflaumen (Backpflaumen) war übrigens früher eine begehrte und leckere Mahlzeit auf dem Mittagstisch. Dech lossen ech doch am jestreckte Ärm verdrüjje ist ein häufig gebrauchtes arrogantes Auftrumpfen dem körperlich unterlegenen Mitmenschen gegenüber. Wenn etwas durch und durch trocken ist, etwa das Heu auf der Wiese, so ist es knauchendrüch (knochentrocken) geworden.

verdüerlich 
Du kicks esu verdüerlich, oß et dir net joot
? (Du schaust so wehleidig drein, fühlst du dich nicht wohl). Das ist nur eine von zahllosen Redewendungen mit dem Mundartausdruck verdüerlich, der im Hochdeutschen mit einer Vielzahl von Eigenschaftswörtern umschrieben werden kann. „Wehleidig“ wurde bereits angeführt, weitere Ausdrücke sind „jämmerlich, erbärmlich, traurig, mühselig, weinerlich, armselig.“ Ein verdüerlicher Mitmensch fordert meist ungewollt das Bedauern oder Mitleid seiner Umgebung heraus. Manchen Leuten ist die Verdüerlichkejt geradezu angeboren, sie können gar nicht onverdüerlich in Erscheinung treten. Eine mühselige Arbeit, etwa das Krogge (Unkrautjäten), bedeutete für uns en verdüerlich Prozedur, und ein ärmlich gekleideter Mensch war verdüerlich aanjedohn (armselig angezogen). Verdüerlich war ein ungeliebtes, aber oft gebrauchtes Wort. Die Übersetzung müsste etwa „verteuerlich“ lauten, was natürlich wenig Sinn ergibt. Eine „Verteuerung“ ist unterdessen ganz allgemein eine unangenehme Angelegenheit, bringen wir damit verdüerlich in Verbindung, so ist halbwegs eine Worterklärung gefunden. Ein vergleichbares Dialektwort ist verdreeßlich (verdrießlich).

verhuuse 
Wörtlich: „verhausen“, verwandt mit huuse (hausen), was in der positiven Version „haushalten“ oder auch „wohnen“ bedeutet: Üem Thuëres huus janz allejn en senger Bud (Der alte Theodor wohnt ganz allein in seinem Haus). Verhuuse bedeutet: einen Gegenstand ungewollt verlegen, unauffindbar machen, im Gegensatz zum absichtlichen Verstecken. Verhuuse war auch ein Ausdruck für den Wohnungswechsel, der aber bei uns meistens mit Ömzeeje (Umziehen) bezeichnet wurde. Als Verhuuse wurde auch das Herabwirtschaften einer Immobilie angesehen, meistens kam unterdessen bei uns hier verbrassele zur Anwendung: Dä hät Huus on Hoff verbrasselt. Das klassische Beispiel für verhuuse ist die Suche nach der auf die Stirn geschobenen Brille. Die Brille unterliegt übrigens, wie so viele Substantive, in unserem Dialekt der Geschlechtsumwandlung: Dä Brell (wörtlich = Der Brill). Ich war in Vaters Werkstatt mit der Anfertigung eines Axenhällef (Axtstiel, siehe: Hällef) beschäftigt, – eine ungeliebte zeitraubende Arbeit, deshalb wurde sie auch mir übertragen. Vater kramte in allen Ecken herum, war schon zweimal in der Wohnung gewesen und meckerte mich schließlich an: Häß du menge Brell verhuus? Bisher hatte ich sein aufgeregtes Hantieren kaum beachtet, als ihn jetzt aber anschaute, konnte ich ein unverschämtes Grinsen nicht ganz verbergen. Seine Hand fuhr nach oben, ertastete die Brille und griff dann nach einem Stück Dachlatte. Da war ich aber schon durch die offen stehende Tür hinaus und in Sicherheit.

verjaloppiere
Der Ausdruck wird meist in der Form von „sich verjaloppiere“ angewandt. Bei einem zu schnellen und unkontrollierten Ritt gerät der Reitersmann in die Irre, - er vergaloppiert sich. Im übertragenen Sinne bedeutet verjaloppiere die Entstehung von Fehlern durch vorschnelles und unüberlegtes Handeln. Das Sprichwort „Blinder Eifer schadet nur“ belegt diese Theorie. Mancher Redner verjaloppiert sich im Vortragseifer und dann kommen oft die wunderlichsten Ausdrücke zum Vorschein, aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ wird dann das „Land der begrenzten Unmöglichkeiten“ und aus der „Backstube“ wird ein „Stackbube.“ Absichtlich herbeigeführt werden solche „Versprecher“ beim Vortrag in der Bütt, der 1993 verstorbene Karnevalist Kurt Lauterbach war ein echter Meister dieses Fachs. Ech han mech jät verjaloppiert sagt man hier und da heute noch bei einer Überanstrengung oder auch bei einer leichten Erkältung. Dasselbe gilt für die Magenbeschwerden nach einem übermäßigen Essen. Gefürchtet war ein Verjaloppiere durch zu rasche Abkühlung im Sommer, beispielsweise das „Vertrinken“ durch eiskaltes Quellwasser bei der Heuernte. Do han ech mech fies verjaloppiert, ärgerte sich früher mancher Bauersmann, wenn er beim Kuhhandel allzu schnell den Zuschlag gegeben hatte.

verpisematuckele
Das Wort hat sowohl eine positive als auch eine negative Bedeutung. Das genüssliche Verzehren einer Speise ist die vorteilhafte Seite: Die Pflaumen schmeckten außergewöhnlich gut und Nieres hatte e janz Kömpche verpisematuckelt (ein ganzes Schüsselchen geleert). Als Kinder zogen wir zur Reifezeit der Himbeeren in den Wald und schlugen uns den Bauch voll mit köstlichen Früchten. Daheim hatten wir dann zum Abendessen keinen Hunger mehr und Mam stellte verärgert fest: Ihr hatt wier ze vell Ombere verpisematuckelt (Ihr habt wieder zu viele Himbeeren verzehrt). Im Sinne von „verzehren“ gibt es auch den Ausdruck verkasematukele, der unterdessen häufiger für „erklären, erläutern“ steht: Dat moßte mir äwwer ens jenauer verkasematuckele (Das musst du mir mal genauer erklären). Wenig positiv ist verpisematuckele als eins der diversen Dialektwörter für „prügeln, schlagen.“ Bei einer Prügelei hatten sich die feindlichen Parteien wöös verpisematuckelt (wüst vermöbelt). Eine Androhung von Prügeln lautete etwa folgendermaßen: Jeff dech en de Rouh oder du kreß ejne verpisematuckelt, dat de rückwärts jehs on zwei Paar Schoh für ze bremse bruchs (Gib Ruhe oder du kriegst eine verpasst, dass du rückwärts gehst und zwei Paar Schuhe zum Bremsen brauchst).

verschlabbere
Wer erinnert sich nicht: Pass op, datte nix verschlabbers, lautete die höchst eindringliche Mahnung von Jött oder Mam beim Füllen des Suppentellers. Trotz größter Achtsamkeit schwappte aber spätestens beim zweiten Löffel die Brühe über den Tellerrand aufs Tischtuch… Verschlabbere bedeutet „eine Flüssigkeit durch unvorsichtige Behandlung verschütten.“ Dadurch entsteht eine Pfütze und die bezeichnen wir als Schlabber, der Verursacher ist ein Schlabberdönes und muss ungnädige Rügen über sich ergehen lassen: Jetz häßte doch ad wier de halev Zupp verschlabbert on et jood Deschdooch versaut (die halbe Suppe verschüttet und das gute Tischtuch versaut). In manchen Fällen kann schlabbere auch das absichtliche Übergehen oder Weglassen einer Sache bedeuten: En extra Erläuterung kannste schlabbere (ist nicht erforderlich). Manche Leute wissen ihre Zunge nicht im Zaum zu halten, in Eifer der Rede entschlüpft ihnen leicht ein unbedachtes Wort und sie stellen für sich fest: Jung do han ech mech äwwer fies verschlabbert, dat hätt ech besser jesonge (…arg verplappert, das hätte ich besser gesungen). In Vaters Werkstatt stieß ich unachtsam einmal einen frisch angesetzten Topf mit Heißleim um, die stinkende braune Brühe ergoss sich über die Bodenbretter und Pap geriet beinahe außer sich: En janz Tafel Liem zum Deuvel, dä Kerl os für nix ze bruche (Eine ganze Leimtafel zum Teufel, der Kerl ist für nichts zu brauchen).

Verschnärkse
Ein schönes altes Eifeler Wort für „versengen, anbrennen, abfackeln.“ Man hört geradezu das Knistern und Schmoren des verschnäksenden Materials. Das klassische Verschnärksen entstand früher beim Arbeiten mit dem obligatorischen mechanischen Bügeleisen, das mit einem im Herdfeuer zum Glühen gebrachten schweren eisernen „Bolzen“ beheizt wurde. Ein winziger unachtsamer Augenblick, und schon roch es nach versengtem Stoff, und im schönen weißen Bettuch war unauslöschlich ein hässlicher braun-gelber Schnärksfleck eingebrannt, der in der Regel die Form des Bügeleisenbodens besaß. Vor den großen dörflichen Feiertagen – Weihnachten, Ostern, Antoniusfest, Pitteschdaach (Peter und Paul) oder in Nonnenbach „Brijittefess“ – fabrizierten sich die weiblichen Hausbewohner eine frische Locken- und Dauerwellenfrisur. Das geschah mit der, ebenfalls im Herdfeuer erhitzten Brennschere. Für deren Temperatur brauchte man ein gutes „Händchen,“ ich erinnere mich noch, dass Mam oder Jött mit einem ganz bestimmten Stück Pergamentpapier die Tauglichkeit des Brenngerätes testeten. Ein paar Grad nämlich zuviel, und die Haarpracht bekam hässliche Schnärkswellen statt glänzender Locken. Schnärksende Haare erzeugten einen penetranten Geruch. Der macht sich auch bemerkbar, wenn eine behaarte Hand der Flamme, etwa dem Herdfeuer, zu nahe kommt. Die Haare verschnärksen in Sekundenbruchteilen und es „riecht“ verdächtig. „Wie eine gesengte Sau“ ist ein bekanntes Kraftwort. Bei der Hausschlachtung wurde früher das Borstentier „gesengt,“ das heißt die Körperhaare wurden im Sinne des Wortes mit einem Strühwösch (Strohwisch) abgefackelt und die verschnärkste Schwarte mit dem breiten Schlachtmesser „nachgeschabt.“ Früher üblich, inzwischen längst verboten, ist das Abbrennen des wintergrauen trockenen Grases an Wegrändern und Böschungen, et Reich (Böschung) affschnärkse nannten die Leute diese Beschäftigung. Und wenn auf dem Küchenherd gelegentlich einmal die Milch überkochte, geriet die Hausfrau in bedeutenden Zorn: Düwel holl, dr janze Herd verschnärks.

verschnupp
Auf den ersten Blick scheint es sich um einen mit „Schnupfen“ zusammenhängenden Ausdruck zu handeln. Dann aber würden wir „verschnopp“ sagen, denn der hochdeutsche Schnupfen ist unser mundartlicher „Schnopp.“ Verschnupp heißt soviel wie „anspruchsvoll, wählerisch,“ was wir oft auch als „pingelich“ bezeichnen. Häste wier de janz Sonnesjeld verschnupp, (Hast du wieder dein ganzes Sonntagsgeld in Süßigkeiten umgesetzt) meckerte unsere Jött, wenn wir wieder mal um einen Groschen für e Kamellche quengelten. Diese Version von verschnupp ist auf das Tabakschnupfen zurückzuführen: Wer viel Geld fürs Schnupfen ausgab, der verschnuppte seine Groschen. In unserem kindlichen Fall bedeutete schnuppe dasselbe wie schnöjse, nämlich „Süßigkeiten verzehren“ im Sinne von „naschen.“ Ein Mädchen, das sich zierte und nicht gleich mit dem ersten Besten „handelseinig“ wurde, galt bei der männlichen Dorfjugend rasch als verschnupp on enjebildt, do läste am beste de Fongere van (…lässt du am besten die Finger weg). Wenn wir Pänz wieder einmal mit dat well ech net das Mittagessen bemängelten, gab es manchmal Ärger: Hie wiëd jejeiße wat op dr Desch kött, bos net esu verschnupp (Hier wird gegessen was auf den Tisch kommt, sei nicht so wählerisch). Auch Tiere waren nicht selten verschnupp: Wenn Schwitt oder Fuss die besten Kolerawe (Futterrüben) aus dem Komp (Trog) heraus schnuffelten und die restlichen holzigen Knollen unbeachtet ließen, ärgerte sich Ohm Mattes und schimpfte vor sich hin: Nu kick sech doch ejner dat schnuppich Loder aan. Im übertragenen Sinn heißt verschnupp auch heute noch soviel wie „verwöhnt.“

versuffe
Das hochdeutsche Pendant ist „versaufen“ mit all seinen Redensarten und Anwendungen. In der Mundart wird versuffe zusätzlich auch im Sinne von „ertrinken“ verwendet, en enem Lewwich Ouch (Lebendiges Auge = unergründliche Sumpfstelle, deren gab es bei uns daheim mehrere) kann mr verssuffe warnten unsere Eltern immer wieder. Einmal verschwand eine Kuh in einem solchen Sumpfloch. In einem Lewwich Ouch also versüff mr (ertrinkt man), und wer da hinein geraten ist, der ist versoffe (ertrunken). Die Holländer kombinieren Standardsprache und Dialekt: Verdrinken bedeutet bei ihnen „ertrinken.“ Ein makabres altes Sprichwort besagt: Wä am Jaleje hange soll, dä versüff net (Wer gehängt wird, der ertrinkt nicht). Im Zusammenhang mit „Trunksucht, Alkoholismus“ kennen wir eine ganze Menge von Redensarten oder Namensgebungen. Da gibt es unter anderem den Suffknodde (Saufknoten), die Suffnaas (Saufnase), die Suffkraat (Gewohnheitssäufer), den Suffbroder (Saufbruder) oder auch die Suffüül (Saufeule). Ganz allgemein ist der Säufer als Suffpitter (Saufpeter) verschrien. Huus on Hoff versuffe (Haus und Hof versaufen) ist in vielen Fällen die böse Folge der Trunksucht. Em besoffene Kopp (Unter Alkoholeinfluss, wörtlich = im besoffenen Kopf) geschehen nicht selten die schlimmsten Dinge. Et Fell versuffe heißt wörtlich „das Fell versaufen.“ Hierunter verstehen wir das Gedenken an einen Verstorbenen in Gestalt eines mehr oder weniger „umfangreichen“ gemeinsamen Umtrunks. Bei uns laden die Angehörigen nach der Beerdigung zum „Kaffee“ ein, andernorts auch „Totenschmaus“ genannt. Das Stompversuffe ist eine Veranstaltung des Blankenheimerdorfer Kirmesreih.

Verwahrscholl (weiches o)
Den Kindergarten in seiner heutigen Form kannten unsere Großeltern nicht, sie gaben ihre noch nicht schulpflichtigen Kinder in die Verwahrscholl, die meist von Klosterfrauen unterhalten wurde und offiziell „Bewahrschule“ hieß. Verwahrscholl ist heute noch bei manchen Senioren die übliche Bezeichnung des Kindergartens. Eine der ersten Bewahrschulen bei uns war das im Juni 1898 gegründete Klösterchen der Armen Dienstmägde Jesu Christi am Nonnenbacher Weg in Blankenheim. Et Klüesterche war ein Begriff, hier konnten die Bauern während der Hauptarbeitszeit von Mai bis Oktober ihre Kinder bis zum Schulalter „verwahren“ lassen und wussten sie in guter Hut. Und finanziell war die Einrichtung für jedermann erschwinglich: 50 Pfennig im Monat konnte jeder aufbringen. Und wo das trotzdem nicht möglich war, gab es auch eine Lösung: Ganz armen Familien war der Beitrag erlassen. Die Schwestern vom Klösterchen waren auch in der Krankenpflege tätig. Im Spätherbst zogen sie von Haus zu Haus und sammelten Spenden in Naturalien oder Geld für den Unterhalt ihrer Einrichtung. Ich weiß noch, dass meine Eltern regelmäßig 10 Pfund Kartoffeln aus unserem Garten und fünf Eier für de Schwestere reservierten.

Verzäll
Ein Sammelbegriff für alles, was mit reden, sprechen, erzählen oder plaudern in Verbindung gebracht werden kann, allerdings überwiegend in negativer Form, etwa im Sinne von „Gerede“. Unsinniges oder Unglaubwürdiges wird beispielsweise als Domme Verzäll (dummes Gerede) abgetan und wenn jemand eine umständliche Erklärung abzugeben versuchte, wies man ihn zurecht: Maach net esu ene lange Verzäll (halte keine langen Reden, komm zur Sache). Ein positives Gegenstück vom Verzäll sind die Verzällcher, kleine Erzählungen oder Anekdötchen, die in der Regel zum Schmunzeln verleiten und immer Zuhörer finden. Wenn beispielsweise der Wanderschuster im Dorf war, scharten sich abends in der Kneipe die Burschen um den Gast und lauschten begierig seinen Verzällcher (siehe: Stombs Wellem). Einen Angeber wies man zurecht: Jeff denge blöde Verzäll dran, os doch suwiesu alles jestonke on jeloëje (Hör auf zu reden, ist doch sowieso alles erstunken und erlogen). Gelegentlich wurde Verzäll durch das Wort Kall (von kalle = reden, brabbeln) ersetzt: Wenn ech dem senge Kall ad hüëre (Wenn ich den schon brabbeln höre). Hier wird Kall mit gedehntem l gesprochen (Beispiel: Ball). Das Zeitwort verzälle bedeutet sowohl „erzählen“ als auch „verzählen,“ beispielsweise stellte Jött nach Durchsicht meiner Rechenaufgaben ärgerlich fest: Hie häßte dech doch ad wier verzällt.

virjele
Dieses Mundartwort findet vielfältige Anwendung und besitzt im Hochdeutschen eigentlich kein konkretes „Gegenstück.“ Mit virjele wird meistens eine unsinnige oder unsachgemäße Tätigkeit bezeichnet. Als Hütebub virjelte (schnippelte) man stundenlang an einem neuen Köhsteckel (Kuhstock, Hirtenstab) herum und warf ihn schließlich doch ins Feuer. Mattes (Matthias) hatte einen halben Tag am neuen Heurechen gebastelt und Drinche (Katharina) meinte mitfühlend: Du virjels dech noch doll on jeck aan dem Reichel. Wenn sie mich beim Basteln im Schuppen antraf, meinte unsere Jött: Wat boste wier am virjele? Und wenn die Ploochschlejf (V-förmiges Schleppholz für den Transport des Karrenpfluges) auf dem Straßenbelag jämmerlich knirschte und scharrte, war das für unsere Ohren en erbärmlich Virjelerej. Bei unserem alten Trichtergrammophon hatte ich den Tonarm mit der gewichtigen „Schalldose“ und der Stahlnadel angestoßen. Die Folge waren tiefe Kratzer quer über die Rillen der Schellackplatte und Pap (Vater) wetterte abends: Die Plaat konne mir jetz fottschmieße, die oß total zervirjelt. Eine missglückte oder nachlässige Arbeit wurde – neben Murks, Brack, Huddel oder Schludderej, manchmal auch als Virjel bezeichnet.

Vüerhüüsje
Wörtlich „Vorhäuschen,“ gemeint ist der Vorbau an Hauseingängen, der „Windfang.“ Den meisten von uns ist das Vüerhüüsje aus der Jugendzeit in mehr oder weniger guter Erinnerung. Wenn unsere Vüerhüüsjer erzählen könnten, analog zur vielbesungenen „kleinen Bank am Rhein“! Nach einem langweiligen „Freier-Abend“ im trauten Kreis und unter Aufsicht der Eltern, kam endlich die herbeigesehnte Verabschiedung im Vüerhüüsje, geschützt vor Wind und Wetter und vor neugierigen Blicken. Bis nach wenigen Minuten die mahnende Stimme der Aufsicht durch Flur und Treppenhaus schallte: Vieroovend do önne (Feierabend da unten). Wurde der Vieroovend hinausgeschoben, tönte es wesentlich deutlicher: Jetz wiëd et äwwer Zitt (Jetzt wird es aber Zeit), - schließlich kannte sich die Aufsicht ja aus eigener Erfahrung bestens aus. Nach weiterer Verzögerung polterten Schritte und vom Treppenabsatz herab kam der Befehl: Lissje, maach dech erop (Lieschen, herauf mit dir). Es war in den 1960er Jahren, als in Blankenheimerdorf noch et Dier jejaach (das Tier jagen = heute verbotener Eifeler Brauch, eine Art Selbstjustiz bei Verstößen gegen die Dorfordnung) wurde. Bei einer solchen Aktion wurden einmal die zahlreichen Rütte (auch Rutte, kleine Fensterscheiben) an einem Vüerhüüsje fast sämtlich durch die erboste Volksmenge zertrümmert. Vater wurde vom Hausbesitzer mit der Reparatur beauftragt, wir haben einen halben Tag lang Windfangfensterscheiben erneuert.

Vüerlouf 
Der „Vorlauf“ ist ein Begriff für verschiedenartige Anwendungen. Im Sport gibt es in der Leichtathletik den Vorlauf, und beim guten alten Tonbandgerät gab es den „schnellen Vorlauf“ zum Vorspulen des Magnetbandes. Eine weitere Version von Vüerlouf bezeichnet das Produkt aus dem ersten „Durchgang“ bei der Destillation von Branntwein, sozusagen das „Vordestillat.“ Dieser Vorlauf enthält verschiedene gesundheitsschädliche Stoffe und ist für den Genuss nicht geeignet. Er riecht unangenehm scharf, der Geschmack wirkt „zusammenziehend“ im Mund, ähnlich dem Verzehr von Schlehen. Wegen des hohen Alkoholgehalts ist der dünnflüssige Vüerlouf für die äußerliche Anwendung bei Muskel- und Gliederschmerzen geeignet, auf die Haut gebracht, wirkt er kühlend und wohltuend, ähnlich dem Franzbranntwein. Früher bezog der Dorfgastwirt von seinem Schnapslieferanten oft auch die eine oder andere Flasche Vüerlouf, - ein besonderer Service für seine Kundschaft, denen die Heilwirkung bestens bekannt war. Wenn beispielsweise Mattes wieder mal über Reißen im Arm kuump (klagte, von küüme = klagen), rieb ihn Drinche hurtig mit Vüerlouf ein und die Peng (Pein, Schmerz) wurde zumindest wieder erträglich.

vüerröcks (weiches ö)
Ein Wort, das eigentlich gar nicht existieren dürfte, ergibt es doch absolut keinen Sinn und ist in sich selbst widersprüchlich. Vüer steht für „vor, vorwärts“ und röcks bedeutet das genaue Gegenteil, nämlich „zurück, rückwärts.“ Ein sinnvolles Wort war und ist honnerröcks, das meist im Sinne von „hinterrücks“ angewandt wurde, oft aber auch „rückwärts, nach hinten“ bedeutete. Daraus folgerten unsere Eltern offensichtlich, dass „nach vorne“ eben vüerröcks heißen müsse. Beim Blindekuhspiel beispielsweise wurde der Sucher angewiesen, zwei Schrett vüerröcks (zwei Schritte nach vorne) zu tun. Mein Zimmernachbar Wellem (Wilhelm) im Krankenhaus war infolge eines Nervenleidens durch keine Macht der Welt zu bewegen, auch nur einen Schritt vorwärts zu tun, wir mussten ihn unter anderem honnerröcks auf die Personenwaage und wieder zurück bugsieren. Seine Krankheit war glücklicherweise nach wenigen Tagen geheilt und Wellem konnte wieder vüerröcks loufe (gehen). Vüerröcks wurde eigentlich nur im Zusammenhang mit einer Fortbewegung – gehen, laufen – angewandt, ansonsten hieß es noo vüer (nach vorne): Fahr die Kaar jät noo vüer (Fahr die Karre ein wenig voran), oder beim Fototermin: stell dech noo vüer (stell dich in den Vordergrund).

Vüerwetz (weiches e) 
Wörtlich „Vorwitz“ mit der Bedeutung von „Neugier“ im negativen Sinn. Der positive Vüerwetz wäre die Wissbegier oder das Lernen. Der allbekannte Begriff Vüerwetznas (Vorwitznase = Neugieriger) charakterisiert den negativen Begriff. Einige Senioren von Blankenheimerdorf kennen noch die Abwandlung Vüerwotz und analog dazu Vüerwotznas. In manchen Mundartwörtern wurde bei uns früher das kurze e durch ein o ersetzt, Beispiele: „es“ (ist) – ; „Schmed“ (Schmied) - Schmod; „Kess“ (Kiste) – Koß; „Kend“ (Kind) – Kond. Eine ständige Redewendung unserer Eltern war de Vüerwetz brögge, ein schwer zu übersetzender Begriff mit der allgemeinen Bedeutung „unerlaubt neugierig sein, sich um eine Sache bemühen, die einen nichts angeht.“ Als ich beispielsweise unserer Katze eins der säugenden Kätzchen wegnahm um zu sehen, was da eigentlich geschah, wischte mir die Katzenmutter empfindlich ihre Krallen über die Hand und Mam (Mutter) wetterte obendrein: Dat häste jetz drvan, moßte och emmer de Vüerwetz brögge (das hast du jetzt von deiner Neugier). Am heißen Bügeleisen verbrannte ich mir jämmerlich die Finger und Jött kommentierte gelassen: Dat kött drvan, wemmer ze vüerwetzich os (das kommt davon, wenn man zu neugierig ist).

Vurrel 
Ganz allgemein ist unser mundartlicher Vurrel der hochdeutsche Vogel, die Verkleinerungsform ist Vüjjelche (Vögelchen). Im speziellen Fall, als Fachausdruck am Bau, war es unterdessen früher die Bezeichnung für den Behälter zum Transportieren von Spies (Mörtel) und somit häufig auch Spiesvurrel genannt. Neben Schaufel, Sand und Zementsack, war der Vurrel so ziemlich das Erste, mit dem sich der neue Handlanger am Bau vertraut zu machen hatte. Der etwa einen Meter lange, schmale und ein wenig trichterförmige Vurrel war ursprünglich aus starkem Stahlblech, später aus massivem Kunststoff gefertigt, wurde auf der Schulter getragen und besaß vorne an der Unterseite einen Griff zum Ausbalancieren. Er stand in Schulterhöhe auf einem dreibeinigen Gestell, wurde dort gefüllt und mit der Schulter von unten her aufgenommen. Je nach Füllmenge brachte der Behälter gut und gerne einen Zentner Gewicht auf die Waage, der Öpperer (Handlanger, siehe öppere) war zum Feierabend rechtschaffen am Aasch (erledigt, geschafft, fix und fertig). Heute, im Zeitalter der Materialaufzüge und des Fertigbetons, sind Spiesvurrel und Öpperer überflüssig, bestenfalls gibt es noch den Bauhilfsarbeiter als „Mädchen für alles.“

Vurrelsang
Das Dialektwort für „Vogelsang.“ Der Name Vogelsang ist für unsere Nordeifel mit ganz bestimmten, zum Teil nicht unbedingt positiven Erinnerungen verbunden. Während der „braunen“ Zeit war die „Ordensburg Vogelsang“ oberhalb der Urfttalsperre bei Gemünd Schulungsort für den Führungsnachwuchs. Von 1946 bis 2005 war hier das Zentrum des weitläufigen, zunächst britischen, ab 1950 belgischen Truppenübungsgeländes, bei dessen Einrichtung das Dorf Wollseifen auf der Dreiborner Höhe am 01. September 1946 geräumt werden musste. Rund 500 Menschen verloren damals ihren Heimatort, der zur Wüstung wurde. Heute ist Vogelsang in den 2004 gegründeten Nationalpark Eifel integriert. Einen Vogelsang gibt es auch in Blankenheimerdorf: Das Gelände zwischen dem Bereich aan dr Wooch (an der Waage) und dem ehemaligen Bahnhof hieß früher ortsüblich om Vurrelsang (auf dem Vogelsang), die verbindende Ortsstraße war die „Bahnhofstraße,“ die nach der kommunalen Neuordnung 1969 und der damit verbundenen Reform der postalischen Anschriften, in „Vogelsang“ umbenannt wurde. Das war erforderlich, um eine Verwechslung mit der Bahnhofstraße in Blankenheim auszuschließen.

Vurrelskiëschte
Vogelkirschen, heimisches Wort für die Vogel- oder Wildkirsche, meistens aber für die Vogelbeere oder Eberesche. Die Wildkirschen, deren kleine Früchte köstlich schmecken, wurden meist well Kiëschte (wilde Kirschen) genannt. Mit Vurrelskiëschte waren bei uns in erster Linie die Vogelbeeren gemeint, die in meiner Kinderzeit bei uns fälschlicherweise als giftig galten. Ohm Mattes warnte ständig und eindringlich: Jangk mir net aan de Vurrelskiëschte, dovan wiëd mr krank (Geh mir nicht an die Vogelkirschen, davon wird man krank). Ganz Unrecht hatte der Ohm nicht, denn vom Verzehr roher Vurrelskieschte konnte man Bauchschmerzen kriegen. Außerdem stufte Ohm Mattes vorsichtshalber alles das als „giftig“ ein, was ihm nicht als absolut unschädlich bekannt war. Für ihn waren beispielsweise sämtliche Pilze giftig, obwohl er wusste, dass viele davon essbar waren und sogar köstlich schmeckten. Er kannte sie aber nicht genau und handelte nach der gar nicht so abwegigen Regel: Wat dr Buër net kennt, dat friß hä net. Das Holz junger Ebereschen eignete sich gut für die Herstellung kleiner Kinderpfeifchen, weil sich die Rinde leicht vom Holz lösen ließ (siehe: Fuëpsch). Wir Schulkinder sammelten im Krieg mit unserem Lehrer eimerweise Vogelbeeren als Heilmittel gegen Skorbut, außerdem wurde aus den Beeren eine süßliche Marmelade hergestellt. Das wunderte uns nicht wenig, waren doch die Vurrelskiëschte „giftig.“ Wir wussten ja nicht, dass die abgekochten Beeren keine Bauchschmerzen mehr verursachten.

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