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15.08.2015




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Wie ein Aprilscherz
von Johannes Vossen

Die Geschichte mutet zwar wie ein Aprilscherz an, fällt aber nur zur Hälfte unter diese Kategorie, der Rest ist nichts als die reine Wahrheit. An der Einmündung der Ahrstraße in den Sint Stevens-Woluwe Platz in Blankenheim stand auf der kleinen Insel eins jener weißen Wegweiserschilder, das die Ankommenden auf die Ortsmitte hinweist. Wie lange auch immer der Pfeil dort gestanden haben mag, - keinem Menschen ist offensichtlich bisher dessen Besonderheit aufgefallen. Da mußte erst Walter Schmitz kommen, der Truckfahrer aus Blankenheimerdorf, der selber möglicherweise schon tausendmal am Schild vorbei gefahren war. Erst am Abend vor dem Palmsonntag 2012 stellte er zu seinem Erstaunen fest: Auf dem Schild stand klar und deutlich der Hinweis  O r s t m i t t e  zu lesen.

Beim Frühschoppen am Sonntagmorgen wanderte Walters Handybild von Hand zu Hand. Zunächst gab es allgemeines Gelächter, die wildesten Vermutungen über das Zustandekommen des Schreibfehlers, über das Sehvermögen der Straßenpassanten und über die orthographischen Kenntnisse der Schilderher- und Aufsteller wurden laut. Dann fiel Einem in der Thekenrunde ein, dass heute ja der Erste April sei. Und unser „Schmitze Walter,“ dem ständig der Schalk im Nacken sitzt, wäre nicht er selber, wenn ihm nicht an einem solchen Tag ein „Schellemstöck“ (Schelmenstreich) einfiele, eine Fotomontage beispielsweise mit einem ungewöhnlichen Verkehrsschild. Über Walters Aprilstreiche könnte ich selber einige Dinge erzählen. Dann aber hörten wir von Daniela Bernhardt, der freundlichen Thekenhilfe, daß auch ihr das Schild bereits aufgefallen war. Da war es also doch kein Aprilscherz.

Nun wurde überlegt, was man da tun könne, um die Leute auf das fehlerhafte Schild aufmerksam zu machen. Ein zweites Schild mit dem richtigen Wort dazu hängen? Dann erinnerte man sich, daß im Blankenheimer Bürgerbrief so häufig vom „Ahrstädtchen“ die Rede sei und dass „Ortsmitte“ eigentlich eine Deklassierung bedeute. „Stadtmitte,“ das war die Lösung, und um die Sache perfekt zu machen, sollten in dem Wort die Buchstaben d und t vertauscht werden. Das würde die Leute gewiss auf das Originalschild aufmerksam machen.

Gegen 18 Uhr am Palmsonntag erschien Walter bei uns: „Das Schild ist fertig.“ Daniela hatte spontan die Herstellung übernommen, das Aufstellen am hellen Tag war für unseren Schmitze Walter geradezu Ehrensache, ein Schellemstöck nach seinem Geschmack. Am Sint Stevens-Woluwe Platz wunderten sich ein paar Fußgänger, darunter auch einige „Dörfer,“ über die Schilderaktion und entdeckten erst nach zweimaligem Hinschauen den Grund. Verschiedentlich klickte auch die eine oder andere Kamera. Immerhin erfüllte der neue „Wegweiser“ seinen Zweck: Die Leute blieben stehen und bemerkten erst jetzt den Fehler im Originalschild, den sie alle bisher übersehen hatten. Gegen 11 Uhr am Montagmorgen waren beide Schilder nicht mehr da, die „O r s t m i t t e“ war sauber abgeschraubt, die „S t a t d m i t t e“ war ohnehin nur mit einem Kabelbinder an den Pfahl gebunden.

Verkehrsschilder haben es dem geborenen Karnevalisten Walter Schmitz angetan. In den Jahren 1983 bis 1987 sammelte er Ortstafeln, insgesamt sechs Stück, deren Aufschriften sämtlich einen Bezug zu den Namen des Dörfer Elferrats herstellten: Haintchen, Walterschen, Berlingen, St. Hubert, Paffrath. Mit diesen Schildern stieg Walter auf die Karnevalsbühne. Angefangen hatte es 1983 mit „Ellwerath“ Kreis Bitburg-Prüm. Daheim trug er das Schild auf die Bühne und gewann damit 75 Liter Bier aus einer Wette mit Sitzungspräsident Johann „Klobbe“ Friederichs. Im Rathaus von Selters (Taunus) musste er 200 DM Kaution für die Ortstafel „Haintchen“ hinterlegen. Die Kaution wäre ihm bei Rückgabe des Schildes erstattet worden, die Ortstafel blieb aber im „Dörf“ und die 200 DM in Selters.

Foto: Walter Schmitz
Foto: Walter Schmitz