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27.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Die Altenburg

 Vor einiger Zeit kündigte der Eifelverein Blankenheim eine Wanderung „Zu den Quellen und Ursprüngen Blankenheims“ an. Diese Zielangabe erregte großes Interesse, und so versammelte sich eine stattliche Zahl von Wanderfreunden, die am Treffpunkt miteinander redeten von der „Quelle und der Burg, die doch jeder kennt“. Das Erstaunen wuchs, als dann die Wanderung in Richtung Olbrücker Wald führte. Allmählich dämmerte es einigen, wohin es gehen sollte. Durch die Unterführung „in Ohdorf“ ging es Richtung Schäfersberg. Links dann das Ziel der Wanderung: Die Altenburg. Man war sehr mutig und wagte es, auf den Berg zu klettern, der so markant und isoliert aus seiner Umgebung herausragt. Oben stellte sich dann heraus, daß nur einige Senioren etwas wußten von der Bedeutung dieses Ortes für die lokale Geschichte. Und dabei ist das ganze Gebiet links der Urft zwischen Schmidtheim und Blankenheimerdorf eine der interessantesten Gegenden in der Nordeifel, ist sie doch reich an Bodendenkmälern aus den verschiedensten geschichtlichen Epochen: Befestigungsanlagen, Gutshöfe, Ackerterrassen, Fischteiche, Pingen (= ehemalige oberirdische Eisen-Erz-Abbaustellen), Schlackenhalden, Straßendämme und Artilleriestellungen, allesamt denkmalwert, finden sich hier auf engstem Raum. (1) Und eine der spannendsten Stellen ist dieser Berg.

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Es geht hier also nicht um das in letzter Zeit offensichtlich wieder recht gut herausgeputzte Gut, den Hof Altenburg, den der Schmidtheimer Graf Beißel zu Gymnich Anfang des 19. Jhdts. von der französischen Verwaltung kaufte. Hier geht es um die Burganlage auf der teilweise recht steilen Kalksteinrippe unweit davon. Wegen der dichten Bewaldung werden die natürliche Lage und die teilweise Überformung durch menschliche Arbeit am besten deutlich bei einem Besuch, wenn die Belaubung den Blick nicht hindert. Daß hier einmal eine Burg stand, kann man sich heute kaum vorstellen. Man findet auf der „überformten“ Kuppe, also einem natürlich entstandenen Berg, den Menschen einmal für ihre Zwecke „bearbeitet haben“ (2), kaum noch spärliche Reste.

In unserer Jugendzeit wurden vielerlei Geschichten erzählt um die Altenburg. Sogar der fränkische König Chlodwig - der sich in Erfüllung seines Gelübdes vor der Schlacht bei Zülpich 496 taufen ließ - soll hier ein Jagdschloß gehabt haben. Auch von unterirdischen Gängen war die Rede. In einer kleinen Schrift erzählt der Dörfer Pfr. Ewald Dümmer († 1988) von einer Fliehburg, die auf der Altenburg gestanden habe und „heute noch gezeigt wird.“ Alles das ist in das Reich der Phantasie zu verweisen. Richtig aber ist seine Bemerkung, daß „dort unten noch viele historische Geheimnisse verborgen liegen, die es zu ergründen gilt.“ Einiges hat die wissenschaftliche Forschung bisher über die Altenburg herausgebracht und veröffentlicht. (3) Als der „Tiergarten-Tunnel-Wanderweg“ eingerichtet wurde, stellte man auch eine Orientierungstafel am „Altenburger Kopf“ mit den wichtigsten Informationen auf. Zwar sehr knapp gehalten, aber das Wesentliche kann der interessierte Wanderer entnehmen. (4)

Die archäologische Forschung hat auf der Altenburg noch eine Aufgabe vor sich, daher ist Endgültiges und Abschließendes über diese mittelalterliche Höhenburg nicht zu sagen. Das Wenige aber mag hier dargestellt werden. Erst bei einem Besuch auf dem Berg werden die recht steilen Süd-, West- und Nordhänge so richtig offenkundig. Die Burganlage besaß damit auf drei Seiten einen natürlichen Schutz. Dazu kommen noch heute schwach erkennbare Befestigungswerke mit Wall und Graben südlich und westlich der Anlage. Nach Osten sicherte sie ein 8 m breiter und 10 m tiefer Graben ab, der zur Südseite abknickte und allmählich verflachte. Im Süden lehnt sich ein von einem kleinen Bach gespeister Fischteich an den Fuß des Burgberges an. Ansonsten ist das Gelände ringsum stark versumpft. Das wird im Mittelalter kaum anders gewesen sein. (5)

Inmitten dieser sumpfigen Talaue, die zusätzlich durch Anstauen kleinerer Bäche überflutet werden konnte, erhebt sich der knapp 40 m hohe und 100 m lange Kalkfelsen. Die Burg auf der Höhe wurde wohl im 10. Jhdt. errichtet. Die dort gemachten Keramik-Funde datieren ins 13. – 15. Jhdt. Zu der Zeit war die Altenburg demnach noch bewohnt, in den Jahren 1483 und 1493 werden urkundlich „Herren von Aldenburch“ erwähnt. Noch 1652 wird ein Peter von der Aldenburg genannt, der „jetzo im Dorf Blankenheim wohne“. (6) Die heutige Burg in Blankenheim wird im Jahre 1273 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Demnach hat sie wohl Mitte des 12. Jhdts. in ihrer frühen Form existiert. Es ist demnach gar nicht ausgemacht, wo denn der 1112 urkundlich erwähnte „her gerard de Blanchinheim“ oder der 1222 erwähnte „dominus de Blankenhem“ gelebt haben: Noch oder nicht mehr auf der Altenburg, oder schon oder noch nicht auf der neuen Burg über der Ahr. In einem Aufsatz (7) fand sich folgende knappe Zusammenfassung: „Die Herren von Manderscheid-Blankenheim waren das einflußreichste Geschlecht der Region und können mit der ersten Erwähnung von „Blancio“ im Jahre 721 auf eine sehr frühe Geschichte zurückblicken. Ihr ursprünglicher Stammsitz war aber die „Alteburg“ bei Blankenheimerdorf, heute als repräsentative Motte erhalten, von der sie erst im 12. oder 13. Jhdt. an den strategisch wichtigen Ort über der Ahrquelle übersiedelten.“

Die Anlage (8) war von Nordosten zugänglich; ein aus dem Wiesengrund ansteigender schmaler Damm führt als Auffahrt auf den Haupthügel zu und ist im letzten Drittel durch einen Einschnitt unterbrochen. Hier mag einmal eine leichte Brücke gestanden haben. Es folgt querliegend ein schmaler, hoher Wall, der eine Art Schildmauer aus Bruchsteinen und Kieseln getragen hat, sich weiter östlich und südlich um die Burg herumzog und von dieser noch einmal durch einen tiefen Graben getrennt war. Dieser Graben ist im Ostteil noch als tiefer, V-förmiger Einschnitt sichtbar. Erst bei einem Besuch auf der Burg kann man selbst feststellen, wie steil dieser künstlich geschaffene Graben einmal gewesen sein muß, wenn man die Einwirkungen von Erosion und Bodenabtragungen in den Jahrhunderten bedenkt. Er bot neben der natürlichen Lage auf dem steilen Berg einen sicheren zusätzlichen Schutz für die Gebäude auf dem eigentlichen Burghügel. Dieser ist heute nur noch von Schutt bedeckt. Spärliche Fundamente eines großen, quer zur Hauptachse liegenden Gebäudes lassen auf einen Palas schließen, der die ganze Breite des Burghügels nach Osten, zur Hauptangriffsseite hin, deckte. Danach folgte eine leichte Senke, von verschiedenen Mauerresten durchzogen, und eine höhere Erhebung, die einen, vielleicht runden Turm getragen hat. Die ganze Burg war mit einer Ringmauer umgeben, deren abgestürzten Reste die Flanken des Berges bedecken.

Daß zu Füßen der Altenburg eine mittelalterliche Siedlung „Hustert“ bestanden haben soll, ist nur durch die Volksüberlieferung tradiert. Funde, die auf eine solche Siedlung beweisen würden, wurden bisher nicht gemacht. Vereinzelte mittelalterliche Scherben wurden zwar auf den Äckern ringsum aufgelesen. Sie können aber auch auf einem anderen Weg dorthin verschleppt worden sein. Bei den Kartierungsarbeiten in dem Gebiet fiel auch auf, daß nur ganz wenige fossile Terrassenäcker vorkommen. Auch das spricht gegen eine Dorfwüstung dort. (9)

Welche Bedeutung hatte die Altenburg einst? Wer baute sie?

So könnte es sich abgespielt haben - so könnte - - :

In der 721 urkundlich belegten Siedlung Blancio hatte Bertrada von Mürlenburg einen Fronhof, auf dem sie einen ihrer Hörigen als Verwalter einsetzte. Nach der Übernahme dieses Hofes und seiner Untertanen durch das Kloster Prüm fielen diesem Vogt neben den nötigen Verwaltungsaufgaben u.a. auch die Gerichtsbarkeit zu. Der Bedeutung dieses Amtes und das Ansehen seines Inhabers (10) wuchsen. Sie konnten sich mit der Zeit aus der Oberhoheit des Klosters lösen und eine eigenständige Herrschaft begründen. Besonders durch den zunehmenden Eisenerzabbau und den sich dadurch vergrößernden Reichtum kamen sie zu immer größerem Einfluß. Zur Kontrolle dieses aufstrebenden Wirtschaftszweiges wurde die Motte Zehnbachhaus gegründet, an einer verkehrsgünstigen Stelle im Urfttal. (Vgl. den entspr. Artikel). Weil sich aber dieser Siedlungsplatz wegen der immer drohenden Überschwemmungen als ungünstig erwies, wurde dieser Herrschaftssitz auf die in der Nähe liegende hochwasserfreie Kalkrippe verlegt. Die hier errichtete Burg war für die damaligen Menschen mit den Mitteln der Zeit sicher fast uneinnehmbar. Da aber der Burghügel keine Erweiterung zuließ und das umgebende Sumpfgelände keine weitere Siedlung ermöglichte, mußte sich das erstarkende Edelherrengeschlecht wiederum nach einem günstigeren Platz umsehen. Den fand man dann auf dem Felsen hoch über der Quelle der Ahr, wo man sich einen komfortablen und repräsentativen Adelssitz bauen konnte.

So könnte es sich abgespielt haben, könnte - - ! Ganz knapp und etwas salopp formuliert: Die Geschichte der Grafen von Blankenheim beginnt „en osem Dörf“! Wie schrieb doch Pfarrer Dümmer: „Viele Geheimnisse sind noch zu ergründen!“

Zusatz: Wer den Altenburger Kopf erklettern und besichtigen will, sollte bedenken, daß der Berg und der Weg dahin auf Privatgrund liegen. Nicht jeder sieht es bekanntlich gerne, wenn fremde Menschen in Scharen über seine Wiesen laufen. Vielleicht ist eine freundliche Nachfrage im Forthaus Altenburg hilfreich.


(1) Hans-Günter Horn, Die Altenburg bei Blankenheim, in: Spuren der Vergangenheit – Kalender zu den Bodendenkmälern in NRW, Blatt Januar 1995.

(2) Klaus Ring nennt in seinem Beitrag „Das fränkische Blankenheim“ (in: Festschrift 100 Jahre Eifelverein Blankenheim, 1988) die Altenburg einen „noch heute steil aufragenden, künstlich aufgeschütteten Kegel im Wald“. Wie er dazu kommt, bleibt wohl sein Geheimnis. - Für den Blankenheimer Heimatverein hat Otto Saarbourg in „Um Burg und Quelle“ 90, 1999, S.37 die „alte Burg der Edelherren von Blankenheim“, sehr knapp gehalten, vorgestellt.

(3) z.B. in: Heinz-Günter Horn - Axel Thünker, „Zeitmarken - Landmarken“, Bodendenkmäler in Nordrhein - Westfalen, Köln 2000, S. 40 ff. - Die mir bekannt gewordene jüngste Veröffentlichung findet sich in Michael Losse, Keck und fest mit senkrechten Mauertürmen ...wie eine Krone, Regensburg 2008, S. 85f.

(4) Klaus Grewe, Der Tiergartentunnel-Wanderweg in Blankenheim, in: Rheinische Landschaften, Heft 50, Köln 2002, Kap.16
(5) H. G. Horn, (Anm.1)

(6) Walter Janssen, Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland, Köln, 1975, Bd. II, S. 52 

(7) Wolfgang Zahn, Burg-Tal-Siedlungen in der Eifel, in: Geschichte im Bistum Aachen, Aachen und Kevelaer, Band 3,
1996, S.66

(8) Das Folgende im Wesentlichen nach Harald Herzog, Burgen und Schlösser - Geschichte und Typologie der Adelssitze im Kreis Euskirchen, 1989, S. 170

(9) So W. Janssen, (Anm.6). Anders Rudolf Greving, Hustert-ein längst vergessenes Dorf, in: Um Burg und Quelle 40/1968

(10) Von einem „Herren des Dorfes Blankenheim“ spricht auch Karl Otermann, Gerichtsbezirk Anno 1687, abgedruckt in: Die Heimat erhellen - Ein Jahrzehnt im Dienste der geschichtlichen Heimatkunde, ed. Peter Baales, 2004, S. 160

Peter Baales, März 2011

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