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04.10.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Ungewollt bei uns zu Hause
von Peter Baales

Bald jährt sich zum 70. Mal das Ende des 2. Weltkrieges. „Blankenheimerdorf.de“ nimmt das zum Anlaß, auch hier das Thema „Flucht und Vertreibung“ aufzugreifen. Grundlage sind die Schilderungen von ehemaligen Flüchtlingen, die nach den Schrecken des Krieges in unserm Dorf eine neue Heimat fanden. Vor 4 Jahren wurden sie in dem Buch „Vor 60 Jahren - und mehr“ schon einmal zusammen fassend dargestellt.

Vertreibung, die zwangsweise Aussiedlung der ansässigen Bevölkerung, ist ein Kennzeichen gerade unserer Zeit, der Zeit des „modernen zivilisierten Menschen“. Noch nie in der Geschichte haben so viele Menschen aus politischen Gründen ihr Hab und Gut verloren, sind auf der Flucht gewesen, waren heimatlos, vertrieben, geflohen. 1939 besetzte Hitler Polen und vertrieb über 1,2 Millionen Einheimische. Zwischen 1945 und 1950 flohen etwa 12 Millionen Deutsche aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten jenseits der Oder-Neiße-Linie oder wurden von dort nach Westen vertrieben bzw. zwangsausgesiedelt. Grundlage dafür waren die Beschlüsse auf der Konferenz von Potsdam (Juli/August 1945). Hier erhielt Stalin Stadt und Umland Königsberg und das nördliche Ostpreußen zugesprochen, die deutschen Gebiete östlich der beiden Flüsse Oder und Neiße kamen unter polnische Verwaltung. Und die Folge davon waren „Umsiedlungen“ in bisher nicht gekanntem Ausmaß. Man hatte zwar ein „geordnetes und humanes Vorgehen“ in Aussicht gestellt, aber in den meisten Fällen bestimmten doch reine Macht- und Rachegefühle das Vorgehen. Zwar sagt das Internationale Recht: „Eine Besatzungsmacht, die die einheimische Bevölkerung vertreibt, begeht ein Kriegsverbrechen.“ Aber wer fragte danach? Haben sich die Deutschen vorher daran gehalten? Der 2. Weltkrieg hat eine beispiellose Völkerwanderung in Europa ausgelöst. Hunderttausende Deutsche waren in den letzten Kriegstagen vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen geflüchtet. Nach Kriegsende wurden 14 Millionen Ostpreußen, Pommern, Schlesier und Sudetendeutsche aus ihrer Heimat vertrieben. Mehr als 2 Millionen kamen dabei ums Leben.

Auch bei uns im Dorf leben Menschen, die die Folgen dieser Politik am eigenen Leibe erfahren und erlitten haben. Ich habe im Unterricht die Geschichte gerade des „Dritten Reiches“ immer sehr ausführlich und, so weit ich konnte, auch anschaulich dargestellt. Aber ich habe es versäumt, diese Menschen mit ihren Erlebnissen und Erfahrung einzubeziehen. Das wäre „originale Begegnung“ geworden, die manchen sehr zum Nachdenken gebracht hätte. Daher will ich hier dem persönlichen Schicksal dieser Menschen „von drüben“, die bei uns heimisch geworden sind, nachspüren und im Zusammenhang darzustellen. Ich bedanke mich sehr ausdrücklich bei allen, die mir, wenn zum Teil auch mit gehöriger Skepsis, das erzählt und berichtet haben, was ich erfahren wollte, die mir auch Bilder, Karten u.ä. zur Verfügung stellten. Ich bin mir bewußt, daß ich bei Einigen auch tief greifende Gefühle wach gerufen, mitunter sogar Unruhe und Erregung verursacht habe. Und darum bedanke ich mich gerade bei diesen ganz besonders.

Es handelt sich für unser Dorf um die Familien Scheer, Romanowski, Hantel und Lange sowie die Familie Kößling aus Ostpreußen, die Familie Jany aus Pommern, die Familie Blaschke aus Oberschlesien und die Familie Mildner aus dem Sudetenland. Ich möchte nun im Einzelnen diese Familien, soweit es möglich war, zu Wort kommen lassen. Die jeweils vorangestellte Deutschland-Karte mit den Grenzen von 1945 und den vier Besatzungszonen - das Ergebnis der Konferenz von Potsdam - deutet die Lage der „alten“ Heimat an. So wird deutlich, welche Wege zurückzulegen waren, ehe die aus ihrer alten Heimat Vertriebenen bei uns ein neues Zuhause fanden.

KnoppEin Wort erfordert noch die mir gewählte Form der Kartendarstellung. Sie ist nicht ganz unproblematisch. Ich habe zur Einleitung eine Karte Deutschlands in den Grenzen von 1937 gewählt, also der politischen Situation, die das Geschehen von Flucht und Vertreibung verursachte bzw. begründete. Die Namen sind daher in der deutschen Schreibweise belassen. Das hat nichts mit „Revisionismus“ oder gar einer „Nicht-Anerkennung der bestehenden politischen Realität“ zu tun. Ich bin einfach nur der Meinung, daß ich so das furchtbare Geschehen nach 1945 verständlicher machen kann, weil dieses Kartenbild auch heute noch bekannt ist.

 

Ich möchte nun im Einzelnen diese Familien, soweit es möglich war, zu Wort kommen lassen. Die den einzelnen Kapiteln vorangestellte Deutschland-Karte mit den Grenzen von 1945 und den vier Besatzungszonen - das Ergebnis der Konferenz von Potsdam - deutet die Lage der „alten“ Heimat an. So wird deutlich, welche Wege zurückzulegen waren, ehe die aus ihrer alten Heimat Vertriebenen bei uns ein neues Zuhause fanden.

 

Karte mit Hintergrund2

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Eine neue Heimat bei uns fanden

1. aus Ostpreußen - nördlicher Teil
die Familie Kößling

2. aus Ostpreußen – südlicher Teil
die Familien
Scheer
Romanowski   
Hantel  
Lange

3. aus Pommern
die Familie Jany

4. aus Oberschlesien
die Familie Blaschke

5. aus dem Sudetenland
die Familie Mildner

(Bitte den Familiennamen anklicken!)

Die obigen Bilder stammen aus: Guido Knopp,
Die große Flucht, München 2001, S. 22, 63, 89

September 2013

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