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12.10.2015




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Üem
Ein früher häufig gebrauchtes Wort für „Onkel“, offensichtlich vom damals üblichen „Oheim“ abgeleitet. Wir Kinder durften allerdings unseren Onkel nie mit Üem anreden, dieser Ausdruck war den Erwachsenen vorbehalten und wurde angewandt, wenn man über ältere Leute sprach, beispielsweise Üem Jannespitter os jestorve (der alte Jannespitter ist gestorben), oder wat os dat dann für ene Üem? (salopp: Wer ist denn das) wenn ein Fremder vorbeiging. Der Üem war ein „alter“ Mann und die Senioren im Dorf waren für uns Kinder generell aal Üeme. Heute ist „mein Alter“ ein gängiges Wort für den Ehemann, früher meinte die Hausfrau zur Nachbarin: Menge Üem os dies Wuch op Montaasch (Mein Mann ist diese Woche auf Montage). Innerhalb der Familie wurde Üem oft auch mehr oder weniger „liebevoll“ mit Üemche umschrieben. Der von mir des Öfteren erwähnte Kaue Patt (unser Nachbar, ein alter Junggeselle) hieß bei den übrigen Hausbewohnern Üemche Huppert (Onkelchen Hubert). Üem war für unsere Eltern ein positiver Ausdruck für ältere Männer, das ebenso positive weibliche Gegenstück war die Möhn. Im Kölner Dialekt wird aus dem Üem der Ühm, ein deutlicher Hinweis auf die Abstammung vom hochdeutschen Oheim.

Uëstere (stimmloses e dreimal)
Das Eifeler Mundartwort für „Ostern“. In Blankenheimerdorf gibt es ein lustiges Anekdötchen aus Großvaters Zeiten, das sich tatsächlich ereignet haben soll: „Stombs Wellem“ war Wanderschuster und ein echtes Dorforiginal, weit und breit ob seiner Späße bekannt und beliebt. Op Uësterdaach (am Ostersonntag) hatte er mit mehreren Kumpels im Dorfkrug die Auferstehung des Herrn gefeiert und machte sich etwas waggelich (wackelig, unsicher) auf den Heimweg. Draußen stolperte er und fiel, rappelte sich mühsam auf und kehrte freudestrahlend zu seinen Zechgenossen zurück mit dem Ausruf: Jonge, höck oß jät passiert, wat et noch nie jejenn hät, höck oß Pengste op Uëstere jefalle (Heute ist etwas noch nie Dagewesenes passiert, heute ist Pfingsten auf Ostern gefallen). Stombs Wellem hatte zweifellos Recht, er hieß mit vollem Namen Wilhelm Pfingsten. Zu Ostern kamen vielfach die auswärts wohnenden Familienmitglieder zu Besuch. Da musste dann aufgetischt werden, und darüber gibt es einen Spruch: Os et op Uëstere sonnich on wärm, dann kött de Verwandschaff on friß dech ärm. Ein Witzbold hat seinerzeit eine Erweiterung angefügt und die lautet: Os et op Pengste och wärm on erfreulich, dann kommense noch ens on freiße wie neulich.

Uëz (stimmloses e)
Eiß dä Teller leddich, hie were kejn Uëze jemääch (Iß den Teller leer, hier werden keine Reste gemacht), wies mich Jött zurecht, wenn ich mal wieder de Oure jruëßer wie dr Buch (die Augen größer als den Bauch) hatte und den zu voll geschöpften Teller nicht mehr leer essen mochte. Die Uëz war der Rest einer Mahlzeit, der auf dem Teller übrig blieb, oder auch ein nicht völlig verzehrtes Stöck (Butterbrot), in jedem Fall also ein Essenrest. Was dagegen im Komp (Schüssel) auf dem Tisch zurück blieb, war üwwerich (übrig) und konnte im Gegensatz zur Uëz wieder verwendet werden. Die Uëze kamen in den Veehejmer (Vieheimer = Behälter für Tiernahrung) und wurden verfüttert, Verzehrbares wurde unter gar keinen Umständen „entsorgt,“ die braune Tonne kannten und brauchten wir nicht. In fast jedem Speiselokal kann man es beobachten: Reihenweise bleiben Uëze auf den Tellern zurück, - für die Bedienung eine nicht unbedingt angenehme Sache, und eine vermeidbare Verschwendung von Lebensmitteln. Laut „Google“ gibt es in Hamburg ein Selbstbedienungs-Speiselokal mit einer Besonderheit: Wer sich mehr auf den Teller schaufelt, als er zum Schluß zu verzehren vermag, wer also Uëze macht, der zahlt einen Zusatzbetrag für die „Entsorgung.“

Uhr
Das Dialektwort wird für zwei verschiedene Begriffe gebraucht: Die Uhr bezeichnet den Zeitmesser Uhr, mit dat Uhr ist der Körperteil Ohr gemeint. Diese Doppelbedeutung ist in der gesamten Eifel üblich. Ohme, wievill Uhr oß et? erfragte früher der Hütebub beim vorbeikommenden Feldhüter die Zeit für den Heimtrieb, die er bei Sonnenschein am Schatten der Weidetiere abzulesen verstand. Wenn es die Arbeit erlaubte, legte man sich zur Mittagsrast gerne e Stöndche op et Uhr (ein Stündchen aufs Ohr), und wenn wir Pänz etwas angestellt hatten, gab es nicht selten e paar honner de Uhre (Ohrfeigen). Ein ähnlicher Ausdruck war honner de Horchleffele (hinter die Horchlöffel), und Jött sprach in einem solchen Fall von Uhrwatsche. Einen einfältigen Zeitgenossen nannte man Lutschuhr und der heimliche Lauscher oder Spion war ein Luuschuhr (Lauschohr), meistens aber Luuschhöhnche (Lauschhühnchen) genannt. Dieser Ausdruck ist vermutlich auf die Wachsamkeit des Schilfhuhns zurückzuführen. Söüsuhre mot Suëre Kappes (Schweineohren mit Sauerkraut) sind eine rustikale, aber wohlschmeckende Speise, und du Kohuhr (du Kuhohr) ist eine Bezeichnung für einen begriffsstutzigen Mitmenschen, in etwa mit „Depp“ vergleichbar.

Uhrekrücher
Die Originalübersetzung lautet „Ohrenkriecher,“ bezeichnet wird damit der Ohrwurm, speziell der bei uns heimische Gemeine Ohrwurm, der in „fruchtbaren“ Jahren millionenfach auftritt. Das dunkelbraune Insekt sieht wegen der ausgeprägten Zangen am Hinterleib des männlichen Tieres ein wenig „gefährlich“ aus. Als Kinder hatten wir ziemlichen Respekt vor dem Uhrekrücher, weil die Tierchen angeblich „stechen“ sollten. Und auch manche Erwachsenen vermieden jede Berührung, völlig zu Unrecht, denn der Uhrekrücher ist für den Menschen absolut harmlos, die „Zangen“ können die menschliche Haut nicht dürchpetsche (durchkneifen). Unsinnig ist auch die Version, der Uhrekrücher halte sich bevorzugt im menschlichen Ohr auf und kneife das Trommelfell durch. Immerhin aber verlieh diese Theorie dem Tier seinen landläufigen Namen. Der Ohrwurm vertilgt massenweise Blattläuse und ähnliche Schädlinge, ist also im Kleingarten ein willkommener Gast. Man kann ihm eine „Unterkunft“ schaffen, die er auch gerne annimmt: Ein mit Holzwolle oder feinen Hobelspänen gefüllter Blumentopf wird mit dem Boden nach oben am Baum oder Gebüsch aufgehängt, nach kurzer Zeit sammeln sich Uhrekrücher zu Hunderten darin.

Uhrkaste
Einen Uhrkasten gab es nicht nur im Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein bei den Brüdern Grimm, zur Zeit unserer Großeltern war dieses „Möbelstück“ auch im bäuerlichen Eifelhaus keine Seltenheit. Mein Elternhaus in Schlemmershof machte da keine Ausnahme: In der Stuvv (Stube, Wohnzimmer) gab es in der dicken Kaminwand eine etwa 40 mal 40 Zentimeter große Wandnische: unser Uhrkaaste. Im oberen Teil, fast unter der Decke, hing die verschnörkelte viereckige Pendeluhr mit dem Messing-Ziffernblatt, das durch Rauch und Alter beinahe schwarz geworden war. Der Bereich unterhalb der Uhr bis etwa einen Meter über dem Stubenboden, war durch eine schmale Holztür verschlossen, hinter der sich das Pendel und die meterlange Gewichtkette befanden. Der untere Teil, der eigentliche „Kasten,“ war nach oben offen, in ihm waren ständig ein paar Spazier- und Wanderstöcke abgestellt. Der Uhrkaaste diente uns, analog zu den sieben Geißlein, manchmal als Versteck beim Sööke spille (Suchen spielen = Versteckspiel), im Kasten roch es stets unangenehm muffig. Seit ich denken kann, hat die Uhr immer still gestanden, angeblich war sie kapott (kaputt, defekt), was ich nicht so recht glauben mag. Wenn man nämlich an der Kette zog und das Pendel anstieß, begann sie zu ticken. Das Zuggewicht fehlte, vielleicht hat man es abgehängt, als die Lebensuhr von Johann Peter Plützer, Hausbesitzer und mein Großvater, abgelaufen war?

Uhrwatsch
Mit der Uhr oder ihrer englischen Übersetzung „watch“ steht der Ausdruck in keinerlei Zusammenhang, vielmehr bedeutet er das, was der bayrische Landsmann mit „Watschn“ bezeichnet und was der Holländer mit „oorveeg“ betitelt, nämlich die Ohrfeige. Uhrwatsch war unter anderem ein Lieblingswort unserer Jött, ein Episödchen aus meiner Kinderzeit vergesse ich nie. Ich hatte meine vierjährige Schwester Helga geärgert und sie lief heulend ins Haus zu Jött. Zwei Minuten später war sie wieder da und gab mir im Auftrag der Höheren Instanz bekannt: Wenn Jött käm, dann jääf et Uhrwatsche (Wenn Jött käme, gäbe es Ohrfeigen). Unser Volksschullehrer Josef Gottschalk verteilte zwar keine Uhrwatschen, konnte aber ganz empfindlich unser Uhrläppche (Ohrläppchen) malträtieren und mit seinen knochigen Fingern eklige „Kopfnüsse“ verpassen. Beides würde ihm heute bües opstüsse (böse aufstoßen). Eine absolut legale und erlaubte Uhrwatsch war dagegen der sanfte „Backenstreich,“ den uns der Bischof bei der Firmung als symbolisches Erinnerungsmerkmal an diesen Tag verabreichte. Sehr gegen den Strich ging uns Pänz ein Satz aus der Bergpredigt, den uns Dechant Hermann Lux ans Herz zu legen versuchte: „Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.“ Wieso sollte e i n e Uhrwatsch nicht genügen! Anstelle von Uhrwatsch gab es auch den etwas brutaleren Ausdruck ejne aan et Uhr oder ejne honner de Horchlöffele jenn (einen ans Ohr oder hinter die Ohren geben). Artverwandt war auch ejne vüer dä Backzant jenn (wörtlich: Einen vor den Backenzahn geben).

Üleboum
Der „Eulenbaum“, im Volksmund auch Kindchesboum (Kinderbaum), war eine Besonderheit in Blankenheimerdorf. Die uralte Buche, - man schätzte ihr Alter auf 300 Jahre - stand an der dem Dorf zugekehrten Nordseite des Waldbereichs „Olbrück“, im Dorf Horbröck genannt, wenige Schritte vom Standort der heutigen „Hubertusbuche“ entfernt. Ihr mächtiger Stamm war ausgehöhlt und aus dieser Höhlung, so wusste die Dorfsage, kamen die kleinen Babies. Unter dem tief herabhängenden Blätterdach stand seit eh und je eine Bank, - ein viel besuchtes lauschiges Plätzchen in Sichtweite des Dorfes, das möglicherweise ein wenig am Zustandekommen des Namens Kindchesboum beteiligt gewesen ist. Die Bezeichnung Üleboum mag darauf zurückzuführen sein, dass möglicherweise in der Baumhöhlung Eulen nisteten. Der Üleboum fiel Ende Mai 1970 einem Eifelsturm zum Opfer. Unser Üleboum besaß in nicht allzu großer Entfernung, nahe dem „Russenkreuz“ auf der Nonnenbacher Hardt, einen gleichaltrigen Bruder (oder war es eine Schwester?). Jedenfalls stand dort der Bilderboum (Bilderbaum), eine ebenso mächtige und ausgehöhlte Buche, die ebenfalls in den 1970er Jahren vom Sturm umgebrochen wurde (siehe: Bilderboum).

Ül om Daach 
Der Ausdruck bedeutet „Eule auf dem Dach“ und das wiederum ist die landläufige Redewendung für häusliche Unstimmigkeiten. Ein häufiger Grund dafür, dass sich der Nachtvogel aufs Hausdach begibt, ist die Überschreitung des Frühschoppen-Limits, das in den meisten Fällen auf 12,30 Uhr angesetzt ist. Da bezahlt beispielsweise Nieres (Werner) pünktlich um 12,25 Uhr seinen Bierdeckel und begegnet dem Protest der Thekengenossen mit der Erklärung: Ech moß hejm, sons han ech de Ül om Daach (Ich muss nach Hause, sonst…). Die „Dacheule“ äußert ihren Unmut in der Regel auf akustisch-drastische Weise, das Gegenteil von dieser Methode ist das „Schweigen im Walde.“ Ein solches Schweigen grassierte bei Mattes und Drinchen, man verkehrte nur noch schriftlich miteinander. Also legte Mattes einen Zettel auf Drinchens Näächskommödche (Nachttisch): „Um vier Uhr wecken, Frühschicht.“ Er wurde wach und sah auf die Uhr: Zacker noch, halever sechs, dat Oos (Aas) hät mech net jeweck! Dann sah er den Zettel auf seinem Kommödchen: „Vier Uhr, aufstehen.“ Ein anderes Mal erschien der Nachbar bei Mattes: Kannste mir ens deng Flent liëne (Kannst du mir mal deine Flinte leihen). Und zur Erklärung fügte er hinzu: Ech han ad vier Daach de Ül om Daach, ech well et Loder endlich eraff scheeße. 

Urbel
Urbel ist eine Art Sammelbezeichnung für eine unbestimmte Anzahl von wertlosen oder überflüssigen Gegenständen. Schmette Ohme hatte im Schuppen aufgeräumt und einen Haufen alt Jeschier (altes Zeug) bereit gelegt: Dä janze Urbel kött op dr Wejerberch (Weierberg, frühere Müllkippe), dä litt ejnem hie blos en de Fööß (Der ganze Schrott kommt auf die Müllkippe, der liegt einem hier nur im Weg). Bevor zur Zeit unserer Eltern ein Gegenstand fottjeschmosse (weggeworfen) wurde, war er hundertmal umgedreht und von einer Ecke in die andere deponiert worden. War er endlich doch unwiederbringlich im Müll gelandet, hätte man ihn zwei Wochen später doch noch janz joot bruche (sehr gut brauchen) können. Auch heute erfüllt die „Wunderkiste“ in der Werkstatt so manchen Bastler- und Handwerkerwunsch und erspart den Gang zum Fachgeschäft. Was wir wegschmeißen, ist für viele Spezialisten bares Geld wert, je älter unser Urbel, desto wertvoller ist er: In Scharen fallen die Trödelhändler wie Aasgeier über die Sperrmüllberge am Straßenrand her. Uns kann es im Grunde egal sein, wer unseren Urbel mitnimmt, wenn aber aufgeschlitzte Müllsäcke und herumfliegender Inhalt das Resultat sind, wird die friedlichste Bürgerseele ungnädig. 

üß 
Unser Ausdruck für das unscheinbare Wörtchen „aus“ in seinen tausendfältigen Anwendungen, deren Häufigkeit uns im Alltag gar nicht bewusst wird. Uit sagen unsere Nachbarn in Holland, und ist in weiten Teilen der West- und Nordeifel gebräuchlich, unsere Oberahr macht da eine Ausnahme. Die Aussteuer der Braut beispielsweise ist bei uns die Üßstüer, beim Nachbarn Nettersheim ist sie bereits zur Ußstüer geworden. Ein paar Anwendungsbeispiele: Dat konnt jo net üßblieve, du häß et üßjefreiße, jetz moßtet och üßbade (Das konnte ja nicht ausbleiben, du hast es ausgefressen, du musst es auch ausbaden). Dröck dech jefällichs jät deutlicher üß (Drück dich gefälligst etwas deutlicher aus). Üßbüjele heißt bei uns „ausbügeln“ und üßenanner bedeutet „auseinander.“ Maach dir nix drüß heißt „Mach dir nichts draus“ und komm üß dem Auto erüß ist die Aufforderung zum Aussteigen. Unser Wort für „ausreißen“ ist üßrieße, „ausgerissen“ heißt heute bei uns üßjeresse (weiches e), einige Dörfer Senioren benutzen allerdings noch die alte Form üßjerosse. An dieser Stelle sei noch einmal der Eifeler zitiert, den beim Unkrautjäten im Garten der Feriengast bat, ihm die Merkmale von Unkraut und Nutzpflanzen im Gartenbeet zu erläutern, weil er sich da nicht so recht auskenne. Dat oß janz ejnfach, meinte der Bauersmann unbefangen, zëiesch alles handhuh waaße losse, dann alles üßrieße, wat dann wier wääß, dat oß Krütt (zuerst alles handhoch wachsen lassen, dann alles ausreißen, was dann wieder wächst, das ist Unkraut).

üßdohn 
Die an der Oberahr gebräuchliche Form von „ußdohn.“ Die wörtliche Übersetzung ist „austun,“ im Alltag wird das Wort im Sinne von „ausziehen“ oder „ablegen“ gebraucht: Dohn de Schoh üß (zieh die Schuhe aus) oder Dohn dr Mantel üß (leg den Mantel ab). Weit verbreitet ist ein scherzhafter Willkommensgruß, der einem wohlbekannten und gern gesehenen Gast an der Haustür geboten wird: Komm erenn, dohn dech üß on hang dech op, was wörtlich „Komm herein, zieh dich aus und häng dich auf“ bedeutet. Der Besucher wird zu Eintreten aufgefordert, er soll seinen Mantel ablegen und an der Garderobe aufhängen. Ein weises Wort besagt: Mr soll sech net iëder üßdohn, bes mr schloofe jeht und das heißt, dass man sein Vermögen nicht vorzeitig an die Erben verteilen soll. Anschreiben beim Gastwirt oder im Laden war früher durchaus üblich. Beim Begleichen der Schuld wurde dann der Eintrag im Anschreibbuch durch einen Federstrich üßjedohn (gelöscht). In der Landwirtschaft stand üßdohn für die Ernte von Erdfrüchten: De Jrompere oder de Kolerawe üßdohn (Kartoffeln oder Rüben ernten). Regional war auch die Redewendung Dohn de Lamp üß (lösch das Licht) gebräuchlich. In der Hungerzeit nach dem Krieg wurden häufig Kartoffeln vom Feld gestohlen, und das nannte der Bauersmann Jrompere üßdohn, wo mr kejn jesatt hät (Kartoffeln ernten, wo man keine gepflanzt hat).

üßewennich
Das Wort ist unverwechselbar mit dem hochdeutschen „auswendig“ verbunden. Unser Volksschul-Lesebuch bei Lehrer Gottschalk enthielt eine Menge von Kurzgedichten bekannter Verfasser, die wir der Reihe nach üßewennich liehre (auswendig lernen) mussten. Viele davon sind erstaunlicherweise heute noch komplett „abrufbar“ und unvergessen. Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über, – einer aus der Stammtischrunde erzählte zum x-ten Mal sein Erlebnis mit der Stößkoh (wörtlich Stoßkuh = stoßwütige Kuh, die Menschen attackiert) und sein Nachbar ärgerte sich: Mensch hüer op, dat kenne mir üßewennich. Im übertragenen Sinn bedeutet üßewennich auch „außen, außen herum, von außen.“ So sind beispielsweise ungewöhnlich dicke Kartoffeln häufig üßewennich jesond, enewennich äwwer holl on fuul (außen gesund, innen aber hohl und faul). Eine Hausrenovierung war angesagt und Mattes beschloss: Üßewennich maache mir et em Sommer, enewennich hät et noch Zitt bos de Kirmes (Außenanstrich im Sommer, Innenrenovierung zur Kirmes). Für Üßewennich im Zusammenhang mit „lernen“ gibt es die spezielle Version üß dem Kopp, für das „Einmaleins“ beispielsweise brauchten wir früher keinen Taschenrechner (den kannten wir ja auch gar nicht), dieses arithmetische Grundrechnen konnten wir üß dem Kopp (hatten wir auswendig gelernt).

üßkieme
Ein Ausdruck aus der Landwirtschaft: „Auskeimen.“ Während kieme (keimen) in der Regel einen beabsichtigten positiven Vorgang beschreibt, ist das Üßkieme mehr oder weniger unerwünscht und von Nachteil für die Pflanze. Das klassische Beispiel finden wir bei den eingekellerten Kartoffeln, die zur Pflanzzeit im Frühjahr oft üßjekiemp (ausgekeimt) sind und armlange fahle „Geil- oder Dunkeltriebe“ aufweisen. Die Kartoffel wird dadurch schrumpelich on meusch (schrumpfig und mürbe) und kann nur noch als Viehfutter verwendet werden. Ursache fürs Üßkieme ist meistens ein zu trockener und warmer Keller. Das genaue Gegenteil vom Üßkieme ist das Vüerkieme der Saatkartoffeln, die der Hobbygärtner bereits bei der Ernte aussortiert und gesondert aufbewahrt. Die Sätz (Setz-, Saatkartoffeln) werden dabei dem Tageslicht ausgesetzt und bekommen starke grün-violette Triebe, die ein rasches Anwachsen der Kartoffel fördern. Eine für den Bauer sehr verdrießliche Sache ist das Üßkieme der Körnerfrucht als Folge lang anhaltenden Regens während der Reifezeit. Bei Regenwetter kann naturgemäß nicht geerntet werden, die überreifen Körner quellen auf, kiemen om Halem üß (keimen auf dem Halm aus) und verlieren sehr viel an Wert. Noch größer ist der Schaden, wenn die Halme noch vor der Reife durch Regen und Sturm zu Boden gedrückt werden.

üwwerfahre
Vielfach auch öwwerfahre, hat wie im Hochdeutschen je nach Betonung zweierlei Bedeutung: Üwwerfahre ist das Übersetzen über einen Fluß oder See ans andere Ufer, üwwerfahre ist das Überrollen durch ein Fahrzeug. Ech han e Rieh (Reh) üwwerfahre, wä bezahlt mir jetz die Blötsch em Auto? meldete sich Hännes beim Förster. In Kripp (Rhein) angekommen, beschlossen die Fahrradtouristen: Hie fahre mir üwwer noo Linz (Rheinfähre). E Signal üwwerfahre kann im Zugverkehr böse Folgen haben, und en ruët Ampel üwwerfahre kostet eine Menge Euros, oft sogar vorübergehend den „Lappen.“ Ein Autofahrer aus der Stadt hatte vor einem Eifeler Bauernhaus ein Huhn überfahren. Er meldete sich beim Hausherrn, um den angerichteten Schaden zu bezahlen. Der Bauer besah sich das tote Tier und meinte dann treuherzig: Dat os äwwer kejnt van menge Hohner, die sen nämlich net esu platt (Das ist keins von meinen Hühnern, die sind nämlich nicht so platt). Mit den Eltern vom Italienurlaub zurück, wurde Fränz von den Schulkameraden gefragt: Sid ihr och üwwer dr Brenner jefahre, und Fränz erklärte: Ijo, mir han ejne üwwerfahre, ech wejß äwwer net, of dä Brenner heesch.

 

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