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06.10.2015




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Taat 
Das Mundartwort weckt Erinnerungen an leibliche Genüsse. Es wird auf Französisch „tarte“ geschrieben und der Holländer sagt „taart“, gemeint ist in jedem Fall die Torte. Die Eifeler Taat nahm und nimmt eine Sonderstellung ein, bekannt ist das Zitat Prommetaat un Appeltaat, alles weed parat jemaad aus dem Kölner Raum. Pflaumen- und Apfeltorte waren ein Muss beim häuslichen Kirmesback (Festtagsbackwerk), der nicht selten aus 20 und mehr Taate bestand und zu dem auch der eine oder andere Streukooche (Streuselkuchen) gehörte. Der absolute Renner war indessen die Jreeßtaat (Grießtorte), deren zentimeterdicker Belag auch nach Tagen noch nichts an Vorzüglichkeit eingebüßt hatte. Taat wurde ausschließlich zu besonderen Anlässen oder Festtagen gebacken, zur Kirmes beispielsweise oder anlässlich einer Hochzeit. Die Anzahl der etwa 30 Zentimeter durchmessenden Köstlichkeiten richtete sich nach der Zahl der zu erwartenden Gäste, oft hatte die Hausfrau einen ganzen Tag lang mit dem „Back“ zu tun. Der heimat- und standesbewusste Eifelbäcker stellt heute noch Taat wie zu Großmutters Zeiten her und findet dankbare Kunden.

Taatebär
Ein ziemlich wundersames und schwer erklärbares Wort, ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet es „Tortenbär“ und ergibt auf den ersten Blick so gut wie gar keinen Sinn. Zieht man aber in Betracht, dass die Eifeler Taat oder Tart in erster Linie den landestypischen runden und breitflächigen Fladenkuchen bezeichnet, kommt man der Sache ein Stück näher. Taatebär nämlich ist ein gutmütiges Spottwort für eine etwas „in die Breite gegangene“ Person, die meistens auch noch ein ebenso gestaltetes Antlitz ihr Eigen nennt. Überwiegend sind die Taatebären weiblichen Geschlechts, doch gibt es auch männliche Ausnahmen. Taatebär ist generell nicht abwertend oder gar verletzend gemeint wie beispielsweise Fettsack oder Bonnestang (Bohnenstange). Im Gegenteil: Die Eifeler Taat enthält in jedem Fall einen „süßen Kern“ und der haftet auch dem Taatebär an. Trotzdem lässt sich verständlicherweise niemand gerne mit einer Taat vergleichen. Häufig sind die genannten Personen auch noch etwas tapsig und tollpatschig in ihren Bewegungen. Das bringt der Zusatz Bär zum Ausdruck, der sich auf den, früher auf jedem Jahrmarkt zu sehenden „Tanzbären“ bezieht.

Tafel
Das Wort ist identisch mit dem hochdeutschen Begriff und bezeichnet all das, was es auch in der Standardsprache definiert. Die Tafel Schokolade beispielsweise war zu unserer Kinderzeit nicht weniger begehrt als heute; die Holzfüllung in Tür- oder Möbelflächen nannte man Tafel oder auch Spejel (Spiegel); die Glasplatten, aus denen er die Fensterscheiben schnitt, nannte der Dorfschreiner Tafeljlas, und der braune Holzleim wurde in kleinen Tafeln hergestellt und hieß daher Tafelleim. Wenn unterdessen bei uns de Tafel (die Tafel) in Erwähnung kam, dann war damit unabdingbar unsere Schiefertafel gemeint, das Universal-Schreibutensil der damaligen Volksschulen. Die gängige Schiefertafel war etwa 30 mal 20 Zentimeter groß und besaß einen schön lackierten Holzrahmen, an dem mit einer Schnur ein kleiner Schwamm und das zugehörige Tafelläppche befestigt waren. Die Vorderseite unserer Tafel war mit Vierfach-Schreiblinien für die Sütterlinschrift ausgestattet, die Rückseite wies zentimetergroße Reichenhüüsjer (Rechenhäuschen) auf. Sütterlin wurde uns im ersten Schuljahr noch beigebracht. Unser Schreibstift, das war ein dünner und hochzerbrechlicher harter Schiefergriffel, der mit der Zeit auf der Tafelfläche tiefe Kratzspuren hinterließ. Transportmittel für unsere Tafel war der Schulranzen, vom Dorfschuster aus massivem Leder angefertigt. Der Ranzen wurde bei gelegentlichen Raufereien als Schlag- und Verteidigungsgerät zweckentfremdet. Dabei ging in der Regel die Schiefertafel zu Bruch, und das wiederum hatte empfindliche „Nachwehen“ im elterlichen Heim zur Folge.

Tafelläppche
Das Tafelläppche (siehe Tafel) war für uns Schollpänz (Schulkinder) ein notwendiges Übel: Zum Reinigen unserer Schiefertafel war es unerlässlich, im Übrigen aber ein lästiges Anhängsel, das am Tafelrahmen baumelte und beim Schreiben ziemlich hinderlich sein konnte. Noch unbequemer war das feuchte Schwämmche (Schwämmchen), das hier und da an einer zweiten Schnur neben dem Tafelläppche baumelte und zum Löschen der Schrift bestimmt war. Das Läppche wurde als Putztuch zum Trockenwischen benötigt. Meistens gab es unterdessen als Behälter für den Schwamm die verschließbare Schwammdoos (Dose), in der sich die Feuchtigkeit längere Zeit hielt. Das Tafelläppche bestand beim Durchschnittsschüler aus einem mehrlagigen Tuchfetzen, in der „gehobenen“ Klasse war es vom Mam (Mutter) gehäkelt und besaß einen schönen farbigen Rand. Schwamm und Läppchen bedurften der täglichen Reinigung, die aber nicht immer beibehalten wurde. Der ausgetrocknete Schwamm und das verseffte Läppche hinterließen auf der abgewischten Schiefertafel einen grauen Schleier, den man heimlich, aber vergeblich mit ein wenig Spucke zu beseitigen trachtete. Ähnlich wies auch die große Schultafel tagelang einen weißlichen Kreidebelag auf. Bis es dem Lehrer zu bunt wurde und einer der „Großen“ aus den hinteren Bänken beauftragt wurde: Jetzt mach mal endlich die Tafel sauber,“ und das bedeutete dann gründliches Abwaschen, - eine unbeliebte Schüleraufgabe.

Take
Der Ausdruck hat mit dem englischen Allerweltswort „take“ absolut nichts gemeinsam. Der Take war im Eifeler Bauernhaus unserer Vorfahren eine Art Heizung: Die steinerne Feuerwand zwischen dem offenen Herdfeuer und der Stovv (Stube, Wohnzimmer) war durchbrochen und diese Lücke mit einer entsprechend großen Gusseisenplatte verschlossen. Diese Takeplaat (Platte) übertrug die Herdfeuerwärme in den Nebenraum. Dort war die Aussparung in der Wand durch den Takenschrank überbaut, dessen Unterteil mehrere Öffnungen zur Wärmeregulierung enthielt. Gelegentlich waren über dem Take auch alkovenartige Wandbetten eingebaut, in denen es sich besonders gemütlich ruhen ließ. Mein Onkel Aegidius Weber aus Esch (bei Jünkerath, Rheinland-Pfalz) wusste seinerzeit eine Legende zu erzählen, wonach die Heiligen Drei Könige auf ihrer Reise nach Bethlehem in einem bestimmten Haus in Esch in Takenbetten übernachtet hatten. Takenplatten wurden unter anderem auch in der Eifeler Eisenindustrie hergestellt. Dr. Jakob Flosdorff aus Kall war Experte für Takenfragen und hat sich seinerzeit in der Eifel als Takendoktor einen Namen gemacht. Takenplatten sind heute begehrte Sammelobjekte. Beim Umbau unseres Hauses aan Muuße in Blankenheimerdorf wurde eine Takenplatte entdeckt, sie ist heute am Haus unseres verstorbenen Arztes Dr. Rudolf Scholz in Blankenheim zu sehen.

tallepe
Eins von zahlreichen Dialektwörtern mit verschiedenartiger Bedeutung. Allgemein bekannt ist tallepe als Wort für plan- und zielloses Wandern oder Umherlaufen, Daherstolpern. Ein Beispiel hierfür findet sich im Liedgut des Kölner Karnevals: Wejste wat, mir fahren en de Alepe…wenn mir dann esu durch de Alepe tallepe Auch unsicheres oder tastendes Gehen wird mit tallepe beschrieben: Dr Strom wor fott on ech moot em Düüstere tallepe. Drinche hatte im Nachbarort etwas zu besorgen und meinte verdrießlich: Ech moß noch ene Tallep noo Blangem dohn. (einen Gang nach Blankenheim machen). Kopfschüttelnd betrachtete Mam die verdreckten Schuhe des Sprösslings und wetterte: Boste wier durch dr Matsch jetallep! Albertchen erschien nicht zum verabredeten Söökespelle (Suchenspielen = Versteckspiel) und seine Kameraden vermuteten: Dä oß bestemp wier aan de Knüetschele jetallep wore on daasch net erüß (beim Stibitzen von Johannisbeeren erwischt und deswegen Hausarrest). Gelegentlich umschrieb man auch eine Ohrfeige mit talepe: Du määß esu lang bos ech dir ejne talepe (frei übersetzt: Treib es nicht zu weit, sonst klebe ich dir eine).

Tapeet 
Das Wort ist fast gleichartig wie sein hochdeutsches Original, lediglich das e wird im Dialekt gedehnt und das Schluß-e „verschluckt.“ Tapeet ist offensichtlich mit dem holländischen „Tapijt“ verwandt, das aber in erster Linie „Teppich“ bedeutet. Die Tapete heißt in Holland „Behang“ oder „Behangsel,“ Behangselpapier“ beispielsweise ist Papiertapete. „Tapijt“ ist vermutlich auf die früher übliche Wandverkleidung aus Textilien oder Teppichen zurückzuführen. In unserer Kinderzeit war wegen der meist buckligen Wände das „Anstoßen“ der Tapetenbahnen kaum möglich, auch gab es nicht die heutige dauerhafte Verpackung der Rollen und deren Ränder waren oft beschädigt. Die Bahnen wurden also zentimeterbreit überlappend geklebt. Die Rollen waren an den Längsseiten mit schmalen „Schutzstreifen“ versehen, von denen einer wegen des Überlappens mit der Schere abgeschnitten werden musste. Diese Lentcher (schmale Papierstreifen) waren bei uns Kindern als Luftschlangen begehrt. Die alte Tapeet wurde meistens jahrelang nicht entfernt, die neuen Bahnen wurden einfach draufgeklebt, so dass mit der Zeit eine mehrere Millimeter dicke Schicht entstand. Beim erstmaligen Tapezieren wurden die rauen Wände dick mit Makulatur vorgekleistert oder mit Zeitungspapier beklebt. Als nach dem Krieg bei uns daheim renoviert wurde, kam unter der alten Tapete seitenweise der Westdeutsche Beobachter aus dem Jahr 1940 zum Vorschein. Die Zeitung war das im „Reichsgau“ Köln-Aachen erscheinende Propagandablatt der NSDAP.

Teisch
Die mundartliche Teisch ist eine Tasche, aber eine ganz bestimmte. Während nämlich das hochdeutsche Wort „Tasche“ für alle taschenartigen Objekte steht, bezeichnet unser Teisch ganz speziell die Tasche in der Kleidung, zum Beispiel die Botzeteisch (Hosentasche), die Jacketeisch (Jacken-, Rocktasche) oder die Schüezeteisch (Schürzentasche). Transportable Behältnisse, die Handtasche etwa, die Akten-, Einkaufs- oder Schultasche, heißen dagegen Tasch. Wer sich einem Mitmenschen überlegen fühlt, stellt fest: Dech dohn ech doch ad lang en de Teisch (Dich stecke ich doch schon lange in die Tasche), und wer seinen Zorn nicht „herauslassen“ will, der macht en Fuus en dr Teisch (eine Faust in der Tasche). Unsere Botzeteisch ist in Österreich der „Hosensack“ und an den erinnert bei uns der Begriff Sackdooch (Taschentuch). Die Jongjeselleteisch (Junggesellentasche) ist eine löcherige Hosentasche: Es ist keine Hausfrau da, die den Schaden beheben könnte. Im Kölner Dialekt wird unsere Tasch zur Täsch. Der in 2005 verstorbene Präsident der Republik Nordzypern hieß Rauf Denktasch. In Köln rätselten Tünnes un Schäl herum, was Herr Denktasch wohl für ein Landmann wäre, und Tünnes erklärte: Ene Kölsche kann et nit sin, söns heeße nämlich Denktäsch.

Teischemetz 
Das Mundartwort ist allgemein verständlich: Taschenmesser. Ein robustes Teischemetz war für den Eifeler Bauersmann ein unverzichtbares Allzweckgerät, mit dem man beispielsweise die hölzernen Reichelszänn (Rechenzähne) anspitzte, die Obstbäume beschnitt, Birke schnegge (Birkenreisig fürs Besenbinden sammeln) ging oder das verrußte Sejwerdöppe (den Pfeifenkopf) auskratzte. Ein gutes Teischemetz besaß zwei Klingen verschiedener Größe und lag gut in der Hand, mehr brauchte es eigentlich nicht aufzuweisen. Weiteres Zubehör war Spellerej (Spielerei) und kostete unnötiges Geld. Wir Jungens waren indessen mächtig stolz, wenn uns das Christkind ein kleines Teischemetz mit drei oder gar fünf Werkzeugen bescherte. Der „Immerscharf“ von Ohm Mattes besaß zusätzlich zu den Klingen einen Korkenzieher und einen Piefestäucher (Pfeifenstocher). Ohm Mattes war in Norwegen bei der Kriegsmarine und brachte von dort ein Taschenmesser mit gebogener krummer Klinge mit, das heute übliche „Gartenmesser,“ das wir damals noch nicht kannten. Es eignete sich hervorragend zum Schneiden der Birkenruten und wurde zum geheiligten Birkemetz.

temptiere 
De Söü han os janz Jromperestöck temptiert
(Die Wildschweine haben unser ganzes Kartoffelfeld verwüstet), beschwerte sich Mattes am Stammtisch und fügte böse hinzu: Dr Düwel soll se holle. Das Eifelwort temptiere ist vom lateinischen Verb „temptare“ hergeleitet, was neben „versuchen“ auch „angreifen“ bedeutet. Beim Angriff wird in aller Regel etwas zerstört, es wird temptiert. Nach dem Krieg war in den Sägewerken Splitterholz ein gehasster und gefürchteter Begriff: Wenn die Gatter- oder Kreissäge an einen Bombensplitter im Holz geriet, war sie temptiert und in vielen Fällen nicht mehr zu reparieren. Wenn der Hammer statt des Eisennagels den Fingernagel traf, hatte man sich dr Fongernool temptiert, eine langwierige und schmerzhafte Angelegenheit. Eine weitere Bedeutung von temptiere war „drängen, bedrängen, bedrohen, drangsalieren.“ Gelegentlich wurde Tierquälerei mit temptiere umschrieben. Wer beispielsweise die Gespanntiere durch Schläge zur Höchstleistung antrieb, der war im Dorf nicht gut angesehen: Dä krommen Hond temptiert onnüedich seng Dier, dä mööd selever ens richtich temptiert were. Man wünschte also dem Schinder selber einmal Prügel auf den Leib.

Tentefaß (weiches e)
Das gute alte Tintenfass gibt es heute nur noch im Museum oder bestenfalls als Dekorstück auf Großvaters Eichenholz-Sekretär, einzelne Spezialfirmen stellen noch das mehr oder weniger kostbare Einzelstück aus Kristall, Porzellan oder Silber her, für Dekorations- oder Repräsentationszwecke. Das zeitgemäße Tintenfass von heute ist aus Kunststoff, nennt sich „Druckerpatrone,“ kostet einen Haufen Geld, und von seinem Inhalt sollte man tunlichst die Finger fernhalten: Das Zeug lässt sich nachhaltig nur mit dem Bimsstein entfernen. Noch in den 1950er Jahren gehörte das Tentefaß unabdingbar auf jeden Schreibtisch und in jeden Haushalt. Dazu gehörte ganz früher der „Gänsekiel“ als Schreibzeug, später war es dann die spitze Sütterlin-Stahlfeder, die wir Pänz noch nach dem Krieg bei Lehrer Josef Gottschalk in der Nonnenbacher Volksschule benutzten. Dazu gab es den rot lackierten hölzernen „Federhalter,“ den wir in der ebenfalls hölzernen Jreffelbüx (Griffelbüchse = Schreibzeugbehälter) im Schulranzen mitführten. Jeder Platz unserer fünfsitzigen langen Schulbänke war oberhalb der schrägen Schreibplatte mit einem Tentefass ausgestattet. Der kleine Behälter war in die Tischplatte eingelassen, bestand aus Blei und fasste zwei bis drei Fingerhüte voll Tinte. Der eigentliche „Pott“ war durch einen Schiebedeckel verschließbar, dennoch war der Inhalt in der Regel eingetrocknet. In das weiche Bleigehäuse konnte man mit dem harten Schiefergriffel schöne Figuren und Wörter einritzen, was aber der Lehrer nicht so gerne sah. Lehrer Gottschalk besaß zwei viereckige Tentefasser (Plural) aus Glas, eins für die blaue Normaltinte, das andere für die rote Korrekturflüssigkeit.

Termesflasch 
Auch dieses Mundartwort ist der Standardsprache entnommen: Thermosflasche. Die Termesflasch unserer Kindertage war etwa 10 Zentimeter „dick“ und besaß eine farbige Ummantelung aus geripptem Stahlblech. Die Füll- und Ausgussöffnung war vier bis fünf Zentimeter groß und durch einen passenden Korken verschließbar. Über den Korken wurde et Scheppche (kleiner Becher aus Aluminiumblech) geschraubt, das als Trinkgefäß diente. Der doppelwandige gläserne Kühlbehälter besaß am Boden ein zentimeterlanges dünnes Zäpfchen. Das war die Verschlussstelle des Vakuums und der neuralgische Punkt der Termesflasch: Zum gelegentlichen Säubern musste der Isoliereinsatz durch Abschrauben des Halteringes am Flaschenhals aus der Hülle entfernt werden. Dabei genügte eine winzige Unachtsamkeit und das Zäpfchen brach ab. Die Flasche war dann zwar noch dicht, aber die Isolierwirkung war weg. Der gerippte Blechmantel der Termesflasch war in der Regel schön bunt gefärbt, die von Ohm Mattes beispielsweise war grün, die von Vater war blau. Nach dem Krieg wurde in vielen Fällen die empfindliche Termesflasch durch die strapazierfähige Möüt Metallflasche) ersetzt, Vater hat noch jahrelang seine mit Filz isolierte Wehrmachts-Feldflasche benutzt.

tespetiere 
Das Wort ist unverkennbar von „disputieren“ abgeleitet. Der „Disput“ ist bekanntlich ein heftiges Wortgefecht oder ein Streitgespräch, manchmal wird für nix on wier nix tespetiert (für nichts und wider nichts geredet). Wenn eine langdauernde Wortfechterei ergebnislos verläuft so ist das ene onnüedije Tespetier (unnötiges Gerede). Wenn man einem Streitgespräch aus dem Weg gehen will, gibt man das mit ech tespetiere mech net mot dir zu verstehen. Anstelle von Tespetier steht manchmal der Ausdruck Tespetack oder häufiger noch Tispetack.Wenn es beispielsweise unter uns Kindern Streit gab, schaltete sich nach einer Weile Mam ein: Jett dä Tispetack draan, oder et jit jät honner de Horchlöffele (Hört mit der Zankerei auf oder es gibt Ohrfeigen). In Vereinsversammlungen, auf Parteitagen oder im Gemeindeparlament wird sich gelegentlich stonnelang tespetiert on et kött nix drbie erüß (stundenlang nutzlos geredet), was manchen Zeitgenossen zu der Behauptung veranlasst: Die solle nötzer jät Jeschejteres dohn (die sollten besser Gescheiteres tun). Manchmal zanken sich die Leute wegen belangloser Kleinigkeiten herum, und das ist des Tespetierens net drwert.

Thrönche 
Ein Thrönchen ist ein kleiner Thron, ein Kindersitz sozusagen. Et Thrönche (Das Thrönchen) stand zu Omas Zeiten unter dem Bett oder im Nachtskommödchen: Der Nachttopf, den man auch als Näächsjeschier (Nachtgeschirr) oder Kamerpott (Kammertopf) bezeichnete und der ein unentbehrliches Gerät war. Vornehme Leute umschrieben den Topf mit „Mitternachtsvase.“ Es war 1986 auf der Intensivstation. Mir schräg gegenüber lag ein junges Mädchen, durch Sichtschirme vor meinen Blicken geschützt. Ich hörte aber ihr Weinen und ihr häufiges Flehen: „Schwester, Thrönchen.“ Die Schwester ließ sich aus dem Hintergrund vernehmen: „Komm gleich.“ Sie kam aber nicht, zehn Minuten und länger bat die Kranke, - ich hätte diese „Schwester“ lynchen mögen, war aber selber hilflos. Übrigens: Wer einmal auf dieses Krankenhaus-Thrönchen angewiesen war, dem ist die so nützliche Pfanne verhasster als Zahnschmerzen. Et Thrönche hat längst ausgedient, wir finden es allenfalls noch im Museum. Und in zeitgemäßem Outfit auch im Kinderzimmer: Baby auf dem farbenfrohen Plastik-Thrönchen, das Foto fehlt in keinem modernen Familienalbum.

Thuëres
Eins unserer zahlreichen Dialektwörter für den Vornamen „Theodor,“ der aus dem Griechischen stammt und „Geschenk Gottes“ bedeutet. Weitere Eifeler Namen: Theo, Thej, Dores, Döres. Die Nachsilbe „es“ ist bei unseren Dialektnamen häufig: Nieres (Werner), Dölefes (Adolf), Mattes (Matthias), Köbes (Jakob), Noldes (Arnold). Im Dörf als Hausschlachter bekannt und beliebt war Baalesse Thuëres (Theodor Baales), der aus Nonnenbach stammte und dort einen Namensvetter besaß: Knubbe Thuëres (Theodor Plützer). Dä Knubbe war Landwirt und ein Nonnenbacher Original, er verkaufte Schmierseife, Staufferfett und Maschinenöl von „Heukelbach“ und führte nach dem Krieg einen kleinen Getränke-Hausverkauf. Hupperes Thej war der Bruder unseres langjährigen Feuerwehrführers Willi Hoffmann, und Watersse Thej (Theo Waters) war mein Bahnkollege. Unser Dienstvorgesetzter und Leiter des Bahnhofs Kall war übrigens auch ein „Geschenk Gottes“: Theo Brüllingen, in Kollegenkreisen Brüllingens Thüeres genannt. Nicht zuletzt kennen wir eine ganze Anzahl bekannter und berühmter „Gottesgaben“, Theodor Storm beispielsweise und seinen „Schimmelreiter,“ unseren ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, den unvergessenen Schauspieler Theo Lingen, oder auch Theo Waigel, den „Vater des Euro.“ Und schließlich gab es in den 1970er Jahren auf dem Schlagermarkt einen gewissen Theo, der millionenfach „nach Lodz“ fuhr, offensichtlich aber nie dort ankam, denn ab und zu schickt ihn die Sängerin Vicky Leandros auch heute noch auf die Reise: Theo, wir fahr´n nach Lodz.

Ticktack
Das allenthalben bekannte Kinderwort für die Uhr, dem Taktgeräusch des mechanischen Gangreglers einer Räderuhr abgelauscht. Jedes Material unterliegt dem Verschleiß, allein schon aus diesem Grund ist ein „Perpetuum Mobile“ ein Unding. Auch die beweglichen Teile der Uhr nutzen sich ab, der Rhythmus des Tick-tack verändert sich, die Uhr tickt nicht mehr sauber. Diese „Rhythmusstörungen“ haben wir der Uhr abgelauscht: Du ticks wahl net mieh sauber lautet die ärgerliche Reaktion auf dummes Geschwätz oder unberechtigte Vorwürfe. Eine landläufige Redewendung bei der Frage nach der Uhrzeit ist wievill Ticktack hammer (Wieviel Uhr haben wir = Wie spät ist es). Bei uns daheim gab es in der Stovv (auch Stuvv = Gute Stube, Wohnzimmer) das Ticktackschaaf (Uhrenschrank), auch Uhrkaaste (Uhrenkasten) genannt, eine vom Boden bis zur Decke reichende schmale Wandnische, in der eine große Räderuhr mit meterlangen Gewichtketten untergebracht war. Die Uhr war „zeitlebens“ defekt, ich kann mich nicht erinnern, sie jemals in Betrieb gesehen zu haben. Von einem Dummschwätzer wurde behauptet, er habe einen Tick aan dr Musik, und mein Vater (Vossen-Hein) kannte ein „Rätsel“: Was ist das, - Et hängk aan dr Wand on määch Ticktack, wenn et eraff fällt, os de Uhr kapott.

tiere
Das Wort hat absolut nichts mit dem Substantiv Tiere gemeinsam, vielmehr war es unser Mundartwort für „zurechtmachen, vorbereiten, herrichten, ausstatten“ und im Alltag ein vielfältig angewandter Begriff. Wenn beispielsweise Ohm Mattes am nächsten Morgen die Wiese zu mähen gedachte, musste er abends vorher noch et Mähjeschier tiere (das Mähgeschirr vorbereiten = Sense dengeln). Am Abend vor dem großen Waschtag hieß es für unsere Mutter de Weisch tiere (die Wäsche sortieren und einweichen). Wir Kinder mussten nach Erledigung der Hausaufgaben dr Schollsack tiere (weiches o, den Schulranzen herrichten), und für die täglichen Fütterung musste dr Söüsejmer jetiert (der Schweineeimer = Futterbehälter zurechtgemacht) werden. Wenn irgend ein Gegenstand verlegt wurde und nicht auffindbar war, lautete oft die ärgerliche Frage: Waar häßte dat wier jetiert (Wohin hast Du das wieder verlegt) oder es gab die ebenso ärgerliche Feststellung: Jung dat häßte äwwer noch ens joot vertiert (das hast du wieder mal gut versteckt). Für den Kirmesball hatte sich Gretchen besonders fein herausgeputzt und die Dorfburschen staunten: Mensch dat Jret hät sech äwwer noonej jetiert (zurecht gemacht). Ein paar weitere Anwendungen: Brandholz tiere, Mettecheiße (Mittagessen) tiere, Backoëwe (Backofen) tiere, Mool (Backtrog) tiere.

Tippelsbroder
In jedem Beruf gibt es einzelne „Schwarze Schafe,“ die nicht selten ihre ganze Zunft in Verruf bringen. Davor sind selbst hohe geistliche Amtsinhaber nicht gefeit, wie wir im Jahr 2013 erleben mussten. Der Tippelsbroder war ursprünglich ein Wandergeselle (Beispiel: Hamburger Zimmerleute), der in Ausübung seines Berufs durch die Welt kam und überall gern gesehen war. Eine Art Tippelsbroder im positiven Sinn war auch der Husierer (Hausierer), der über die Eifeldörfer zog und den Leuten seine Waren verkaufte. Zur negativen Sorte der Tippelsbröder (Mehrzahl) zählten unter anderem die Landstreicher, die man auch Pennbröder und Stromer nannte und die als Speckjäger sogar ein wenig gefürchtet waren: Wenn Tippelsbröder in der Umgebung des Dorfes gesichtet wurden, ging die Warnung von Haus zu Haus: Doot de Hohner en dr Stall on de Weisch van dr Leng (Sperrt die Hühner in den Stall und holt die Wäsche von der Leine). Noch deutlicher als Tippelsbroder definiert das holländische Wort den Landstreicher: Landloper (Landläufer). Tippelsbröder im durchaus positiven Sinne waren die reisenden Handwerker, Schuster beispielsweise (siehe: Stombs Wellem) oder Wanderschneider wie Hubert Kutsch aus Waldorf.

titsche
Das Wort bedeutet soviel wie „leicht anstoßen, anecken, berühren,“ aber auch „aufprallen und zurückfedern.“ Ein klassisches Beispiel für titsche ist die Ballführung beim Handballspiel mit wiederholtem Optitsche (Auftitschen = Aufprellen) auf den Boden. Als Kinder wetteiferten wir im Balltitsche: Sieger war, wer die meisten Titsche hintereinander erzielte, ohne einmal den Ball zu verlieren. Das gekochte Frühstücksei muss man einmal kurz auf die Tischplatte titschen oder auch mit dem Teelöffel aantitsche (antippen), um die Schale zu zerbrechen. Manchmal ist die Garageneinfahrt „zu schmal“ und der Kotflügel des flammneuen Autos titscht ekelhaft gegen die Toreinfassung. Oder der Hammer titscht schmerzhaft den Daumennagel statt des eisernen Nagels an. Mit vorgestreckten Armen stand Tünnes am Kölner Dom und starrte nach oben. Auf die erstaunte Frage eines Passanten erklärte er: Dä Schäl springk jetz vun do owwen eraff un ich fangen dä op. Einen aus 70 Metern Höhe fallenden menschlichen Körper auffangen? Der Passant äußerte energischen Zweifel an der Behauptung. Tünnes unterdessen erklärte die Sache: Ich losse dä jo eetz (erst) dreimool optitsche.

Tommesdall (weiches o)
In Höhe der Flur Maiheck liegt links neben der Kreisstraße 69 nach Nonnenbach zwischen den Anhöhen Katzekuhl (wörtlich: Katzengrube) und Freuschberch (Froschberg) der Bereich Tommesdall. Der Mundartausdruck bedeutet „Thomastal,“ der Ursprung des Namens ist nicht bekannt. Im unteren Talbereich besaßen wir zu meiner Kinderzeit etwa anderthalb Morgen Ackerland. Wegen der relativ kurzen Entfernung brachten wir die Getreideernte aus Tommesdall vom Feld direkt zum Dreischkaaste (Dreschmaschine) nach Blankenheimerdorf, wenn es die Witterung erlaubte. In Tommesdall lernte ich erstmals Eifeler Erdnüsse kennen, die Ohm Mattes beim Pflügen aus der frischen Erde grub und mir zu essen gab. Diese seltsam schmeckenden „Nüsse“ sind die Wurzelknollen des Wiesenkümmels. An der Froschbergseite reichte damals ein ausgedehntes Haselgebüsch bis dicht ans Feld heran, hier konnte ich vor Jahren einmal ein Jagdfasanenpärchen beobachten, die schönen farbenprächtigen Vögel sieht man bei uns nur selten. An der gegenüber liegenden Talseite hatte die Wehrmacht unter einer Baumgruppe der Katzekuhl eine niedrige Holzbaracke aufgebaut, vermutlich eine Unterkunft für die Mannschaft einer nahe gelegenen Vierlingsflakbatterie. Die Soldaten hatten ein Schild gemalt und über der Barackentür aufgehängt: Villa Duck Dich.

tööpe (hartes ö)
Das Wort wurde bei verschiedenen Gelegenheiten angewandt, generell bedeutete es „aussuchen, wählen, auf etwas tippen, erraten.“ Beim Zahlenraten war Jüppche seiner Sache sicher: Ech tööpe ens op de Vier (Ich tippe mal auf die Vier), und wenn die Zahl dann stimmte, hieß es bei den Mitspielern: Do häßte ene joode Tööp jedohn (Da hast du einen guten Griff getan). Hatte Jüppche dagegen falsch geraten, dann hieß es: Do häßte äwwer fies drnewwer jetööp (…arg daneben getippt). Wer vergeblich nach einer Antwort oder Problemlösung suchte, der stellte fest: Ech tööpe em Düüstere (Ich taste im Dunkel, weiß mir keinen Rat). Ein gleichbedeutendes Wort wäre in diesem Fall em Düüstere talepe (im Dunkeln tappen). Tööpe wird nämlich gelegentlich auch anstelle von „tasten, fühlen“ angewandt. Es gibt ein weises altes Eifeler Wort: Wo mr nix sitt, oß et Föhle net verbodde (wo man nichts sieht, ist das Fühlen nicht verboten), dessen Befolgung in manchen Situationen recht nützlich sein kann. Wenn jemand sich vorsichtig „tastend“ vorwärts bewegt, so nennt man ihn hier und da einen Tööpes, wobei allerdings dem Wort Talepes meistens der Vorzug gegeben wird. Der Talepes ist in der Standardsprache ein Tollpatsch.

töschen (weiches ö)
Das Eifeler Wort für „zwischen.“ Mariechen suchte verzweifelt nach ihrem neuen Sonntags-Kopftuch und stellte schließlich fest, dass das gute Stück töschen de Büjelweisch jeroode (zwischen die Bügelwäsche geraten) war. Beim Schlittenfahren auf Schlemmesch Peisch (Wiesenhang beim Nachbarhaus) war uns ein elterliches Zeitlimit gesetzt: Töschen Daach on Düüster sid ihr drhejm (Bei Anbruch der Dämmerung seid ihr daheim). Wer Hunger verspürte, der sah zu, dass er jät töschen de Zänn (etwas zwischen die Zähne) bekam, und von einem mageren Mitmenschen hieß es: Dä döesch ens jät töschen de Reppe kreje (Der dürfte mal etwas zwischen die Rippen kriegen). Das Mundartwort ist unverkennbar verwandt mit dem holländischen „tussen“ (gesprochen: tüssen), was ebenfalls „zwischen“ bedeutet. Die Holländer kennen auch „daartussen,“ und das heißt „dazwischen.“ Bei uns wird daraus drtöschen, wenn die Betonung auf „zwischen“ liegt, beispielsweise bei dem Rat, sich nicht in einen Streit einzumischen: jank net do drtösche, sons kreßte am End och noch ejne op de Muul. Wird dagegen die Silbe „da“ betont, heißt es bei uns dartösche. So erklärte beispielsweise der Dachdeckermeister dem Stift die Abdichtung der Schottelspanne (einfache Dachpfannen mit einer Überlappung anstelle einer Falz): Dartösche jehüert e Strühpöppche. Die handgefertigten Strohdichtungen glichen einem kleinen Püppchen.

Tromm (weiches o)
Was wäre eine Musikkapelle, eine „Band“ oder ein Spielmannszug ohne Tromm! Es wäre ein Unding, gleichzusetzen mit dem Schelleböümche ohne Schell, das im Blankenheimer Traditionskarneval besungen wird. Tromm war und ist unser Dialektwort für die Große Trommel, die zur Musik gehört wie et Amen en de Kirch. Der Kölner sagt Trumm und meint damit insbesondere die decke Trumm (dicke = große Trommel), das Hauptinstrument im Kölner Karneval: De beste Musik määd de decke Trumm, zing bumm zing bumm zing bumm, - Toni Steingass und sein Terzett wussten das Lied über die decke Trumm zu singen. Die Tromm war unterdessen auch ein trommelförmiges Zusatzteil am gusseisernen Säulen- oder Kanonenofen mit einer Öffnung für den Kochkessel oder die Bratpfanne. Tromm in der Bedeutung von „Trumm“ war nicht zuletzt die Bezeichnung für ein möglichst großes Teilstück, e Tromm Taat oder Streukooche (ein Riesenstück Torte oder Streuselkuchen) beispielsweise oder auch e Tromm Schnedd (ein mächtiges Butterbrot). In diesen Fällen wird Tromm mit gedehntem m gesprochen, wie beispielsweise bei „Damm.“ Den „Hausfeldwebel“ nannte man früher (tunlichst hinter vorgehaltener Hand) de Tromm, sofern die Dame von stattlicher Statur war. Ihr kleines, rundliches Gegenstück war et Trömmelche.

Trommsäëch (weiches o)
Schrotsäge, Zweimann - Zugsäge für grobe Holzarbeiten, beispielsweise zum Baumfällen und Trömpe (auf Längen zurecht schneiden) der gefällten Stämme. Das frühere Wort für einen schweren oder klobigen Gegenstand, etwa einen Holzklotz, war „Trumm,“ Trommsäëch und Trömpe sind davon abgeleitet. Die Trommsäëch kam überall dort zum Einsatz, wo die handliche Rahmsäëch (wörtlich: Rahmensäge = Spannsäge) nicht ausreichte. Die richtige Handhabung der langen Zugsäge erforderte Geschick und Übung und nicht zuletzt auch Muskelkraft. Besonders beschwerlich war das Fällen von Bäumen, weil das in tief gebückter Körperhaltung geschehen musste. Der geübte Waldarbeiter setzte das vom Stamm abgewandte Knie an den Boden und stemmte den anderen Fuß gegen den Stamm als Gegenstütze beim Zug an der Säge. Die für Querschnitte durch einen Stamm bestimmte Trommsäëch war speziell für beiderseitigen Zug geschärft, für Längsschnitte war die Säge „auf Stoss“ gezahnt. Längsschnitte waren früher beim Zurechtschneiden von kantigen Balken, etwa beim Hausbau, erforderlich, - eine unendliche Schinderei. Dabei musste der Baumstamm auf ein mannshohes Gerüst gewuchtet und dort fixiert werden. Die Trommsäëch wurde in diesem Fall senkrecht geführt, wie eine Gattersäge. Die „Stoßzähne“ der zwei Meter langen Säge griffen nur bei der Abwärtsbewegung, aufwärts wurde das Werkzeug mehr oder weniger „im Leerlauf zurückgeholt.“ Sowohl der Ober- als auch der Untermann spürten nach Feierabend jedes einzelne Knöchelchen in ihrem Körper. Es gab auch relativ kurze Trommsäëje (Mehrzahl) als Einmannsägen, sie waren wie ein „Fuchsschwanz“ gebaut und in der Regel auf Stoss geschärft.

Tromp
Das Wort hat mehrfache Bedeutung. Am bekanntesten ist es als „Trumpf“ im Kartenspiel. Als Kinder spielten wir mit Begeisterung Herzblättchen, wobei bekanntlich die Farbe „Herz“ die Stichfarbe ist, - Herzer hieß das bei uns, die übrigen Farben waren Eckstejn, Schöppe und Krützer. Mit dem Ruf Tromp op knallte man beispielsweise das Herzass auf den Tisch, daher stammt der Ausdruck optrompe (auftrumpfen). Der Tromp war zur Zeit unserer Großeltern auch eine Art Feldmaß, unter anderem bei der Kartoffelernte: Quer zu den Kartoffelreihen wurde ein Areal von zehn Schritten abgemessen, das sich über die gesamte Breite des Feldes erstreckte und von zwei Personen jekaasch (Kartoffelernte von Hand mit der Hacke) werden musste. Ein solcher Tromp war ein Arbeitsmaß, vier Trömp beispielsweise waren eine beachtliche, aber gängige Tagesleistung, wobei naturgemäß die Feldbreite ausschlaggebend war. Schließlich war der Tromp auch ein Längenmaß der Waldarbeiter. Beim Brennholz wurden die Stämme auf Meterlängen zersägt und zu Raummetern aufgestapelt (siehe: Trommsäëch). Den Vorgang, übrigens mangels einer Motorsäge eine echte Knochenschinderei, nannte man Metere afftrömpe.

Troonsdöppe (hartes o, weiches ö)
Gängige Bezeichnung für einen begriffsstutzigen Zeitgenossen, dem man alles zweimool sare moot (zweimal sagen musste), bevor er das Gesagte kapierte. Ähnliche Ausdrücke waren Troonsliëch oder auch einfach Döppe, - ganz allgemein die Umschreibung von „Trottel“ oder „Dummkopf“. Troonsdöppe heißt übersetzt „Trantopf“ und Troonsliëch ist ein Tranlicht, ob seiner spärlichen Helligkeit abfällig „Tranfunzel“ genannt und als Hinweis auf das spärliche „Geisteslicht“ eines Mitmenschen gedacht. Troonsdöppe war auch ein Ausdruck für einen schläfrigen und bedächtigen Menschen, der für jeden Handgriff viel Zeit brauchte und der sech selever net üß de Fööß kam (über die eigenen Füße stolperte). Einem solchen Zeitgenossen erteilte man nicht gern einen eiligen Auftrag denn bos dat Troonsdöppe domot fäedich os, han ech et selever drejmool jedohn. Bei uns daheim gab es ein echtes Troonsdöppe im Sinne des Wortes. Es stand auf dem Wandbrett an der Kellertreppe, sein Inhalt war schwarz und roch fürchterlich: Der Topf mit dem fettigen Tran zum Einschmieren der Kinderschuhe im Winter, wenn sie knochenhart getrocknet morgens aus dem Backöfchen des Küchenherdes geholt wurden. Das Schuhanziehen für den Schulgang war eine peinvolle Angelegenheit, der Tran wirkte erst nach geraumer Zeit. Bei uns gab es auch eine Troonsflasch (Tranflasche), die noch unbeliebter war als das Döppe. Sie nämlich enthielt den fürchterlich schmeckenden Levvertroon (Lebertran), den wir täglich löffelweise schlucken mussten.

Tröüt
Die Herkunft des Wortes kann nur vermutet werden, eine offizielle Version konnte ich bisher nicht ermitteln. Tröüt ist eine frühere Straßenbezeichnung in Blankenheimerdorf, nach der ein ganzer Ortsteil benannt ist: De Tröüt, allgemein auch op dr Tröüt. Die Straße führt vom Jean Leyendecker Platz bis zur Kreuzung Hochstein und wurde im Zuge der kommunalen Neuordnung in Treuter Weg umbenannt. Früher verwandelten sich die unbefestigten Dorfstraßen bei Regen in Schlammstrecken mit zahlreichen Tröüte oder auch Tröütsche (Wasserpfützen), wie man sie heute noch auf Waldwegen findet. Eine Redensart war damals auch et räänt dat et tröütsch, gemeint war starker Regen, der die Bildung von Wasserlachen bewirkte. Möglicherweise gab es am Treuter Weg besonders viele Tröüte, die dem Weg seinen ortsüblichen Namen verliehen. Die Dörfer Tröüt war seinerzeit bei uns Nonnenbacher Kindern gefürchtet: Wir mussten regelmäßig zur chreßlich Liehr (Christenlehre = Religionsunterricht) bei Dechant Hermann Lux im Pfarrhaus. Der Zutritt zur Schule war dem Pastor von der braunen Regierung verboten worden. Auf der Tröüt wurden wir gelegentlich von der männlichen Dörfer Jugend mit Prügeln „empfangen.“ Wehren konnten wir uns kaum, der Gegner war uns zahlenmäßig und körperlich weit überlegen. Warum wir Prügel bezogen, weiß niemand so genau, wir waren eben die Nonnebaacher, geringschätzig und abwertend wurden wir oft auch Kanonnebaacher (Kanonenbacher) tituliert. Daran änderte sich auch nichts, als wir ab dem September 1943 für ein Jahr die Schule in Blankenheimerdorf besuchen mussten, weil unser Lehrer Gottschalk noch „eingezogen“ worden war.

Tubakskranz
Unter der Vielzahl von Kränzen der verschiedensten Sorten und Zusammensetzungen, kannten unsere Eltern einen ganz Besonderen, den man heute nur noch im Spezialladen findet, der aber früher zum Eifeler Alltag gehörte: Den Tubakskranz (Tabakskranz). Neben dem allgemeinen Krüllschnitt war der Strangtubak ein sehr beliebtes Rauchkraut für das Knasterdöppe (Pfeife), das beim Eifeler Bauersmann tagsüber nur zu den Mahlzeiten einmal „kalt wurde.“ Die etwa drei Zentimeter dicke Tubakswuësch (Tabakwurst) war aus gewürzten Tabaksblättern zu einem Endlos-Strang gedrillt. Die Verkaufsportionen gab es als gerade Stücke, hufeisenförmig oder auch zu einem Ring mit etwa 20 Zentimetern Durchmesser geformt. Ein solcher Ring war der Tubakskranz. In der Regel musste der Bauersmann morgens zeitig aus den Federn, der Rauchbedarf für den nächsten Tag wurde somit schon abends vorbereitet. Die Tagesration wurde mit dem Taschenmesser in dünnen Scheiben vom Tubakskranz abgeschnitten, ein wenig zerrieben und in den selbstgefertigten Tubaksböggel (Beutel) getan, dessen Inhalt auch bei Sommerhitze kaum austrocknete.

Tuppes
Der Tuppes ist ein Mensch, der nicht unbedingt „doof“ ist, der sich aber leicht an der Nase herumführen und einen Bären aufbinden lässt. Der Tuppes ist gutgläubig, treuherzig und meistens auch ein wenig einfältig. An einem Neubau im Dörf wurde der Dachstuhl gesetzt, Vater als Schreiner ging den Kaastenholz-Männ (die Brüder Paul und Heinrich Kastenholz, zwei einheimische Zimmerleute) ein wenig zur Hand, während ich daheim die Werkstatt hütete. Bei mir erschien ein junger Mann: Tach, ech soll et Jewiëch van dr Wasserwooch holle (…das Gewicht von der Wasserwaage holen). Oha ! Da lag in der Werkstatt das Spanngewicht einer alten Häckselbank herum. Mein Besucher packte sich das Zwanzigpfundeisen auf die Schulter, zog ab, wuchtete es auf der Baustelle weisungsgemäß die Leiter hoch und deponierte es hoch oben auf dem Firstbalken (das erfuhr ich später). Nach zwanzig Minuten war er wieder bei mir: Ech brengen et Jewiëch zeröck, die Männ bruchen et net mieh. (Ich bringe das Gewicht zurück, die Männer brauchen es nicht mehr). Nochmals oha ! So ungefähr stellt man sich einen Tuppes vor. Die Geschichte ereignete sich im Sommer 1956 bei uns in Blankenheimerdorf. Der Tuppes war ein auswärtiger Lehrling.

Tütt
Ein Gebrauchsgegenstand, dessen Vorhandensein derart alltäglich und selbstverständlich ist, dass wir uns seiner gar nicht mehr bewusst sind: Die Papiertüte, die freilich inzwischen weitgehend durch ihre „Plastikschwester“ verdrängt wurde. Es gibt sie aber noch, beispielsweise im Bäckerladen als Verpackung für duftende Brötchen und leckere Teilchen. Im Dorfladen unserer Kinderzeit hing am Nagel hinter der Theke ein Sortiment Papiertüten verschiedener Größen, braune und weiße, spitze und flache, jeder Ware angemessen. Paß op, dat kejn Tütt kapott jeht (Paß auf, dass keine Tüte beschädigt wird) gab Mam uns Kindern mit auf den Einkaufsweg. Die Einkaufstüten wurden daheim sorgsam geglättet und gefaltet und für die Wiederverwendung aufbewahrt, im Schaaf (Wandschrank) gab es einen ganzen Stapel davon. Jierdrögge Finche (die Verkäuferin und spätere Frau Bell) kannte sich aus und hob also die Tüte vorsichtig vom Nagel, damit es keinen Riss gab. Die Tütt war schlichtweg d a s Verpackungsmittel für alles, was es im Allerweltsladen an Kleinwaren zu kaufen gab. Zum Beispiel die Nägel verschiedenster Sorten, die man pfund- oder höchstens kiloweise und damit meistens unverpackt einkaufte. Die spitzen Stifte stachen dann wie Igelstacheln durchs braune Tütenpapier. Eine solche Näältütt (Nageltüte) war dann leider nicht weiter zu verwenden.

 

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