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20.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Die Ausgrabung einer Römerstraße im Olbrückwald bei Blankenheimerdorf

Die durch den Staatsforst „Olbrück“ bei Blankenheimerdorf verlaufende Trasse der römischen Verkehrsverbindung Köln - Trier ist seit langem bekannt und in der Literatur ausführlich gewürdigt. Sie konnte 1994 durch die geologische Landesaufnahme an den Streckenabschnitt angebunden werden, der zwischen der Urft bei Nettersheim und der Tempelanlage Görresburg durch die Ergebnisse der Luftbildarchäologie schon früher (vgl. Info-Tafel am Waldrand) nachgewiesen wurde. Im weiteren Verlauf geht diese Trasse dann in der heutigen B 51 auf, um sich zwischen Schmidtheim und Dahlem mit einer über Marmagen laufenden Trassenvariante zu vereinigen. Anschließend verläuft die Straße fast genau nordsüdlich auf einer einzigen Trasse in Richtung Trier.

Durch ausgedehnte Felduntersuchungen und in mehreren Begehungen hatte sich gezeigt, daß der Straßendamm nicht nur unter Wald in einer Länge von 600 m ausgeprägt erhalten ist (an der Fundstelle mit Pfählen markiert!), sondern daß er auch außerhalb des Waldes gut auszumachen ist: Im frisch gepflügten Feld südlich des Waldes (vgl. die Karte! Flyer) war ein bis zu 20 m breites Band einer Steinstreuung aus Kieseln und Kalkbruchsteinen deutlich erkennbar. Im Rahmen des „Internationalen Römerstraßen-Symposiums“ 2003 bot sich hier die Gelegenheit, einen frischen Grabungsbefund einem ausgewählten Fachpublikum zu präsentieren.

Ein Suchschnitt wurde zu Beginn der Ausgrabung auf einer Länge von 17 m und mit einer Tiefe von bis zu 2 m geführt. Der Profilaufbau war im ersten Anschein etwas verwirrend, denn es zeigte sich einen halben Meter unter dem klar erkennbaren römischen Straßenkörper ein weiterer „Straßenbefund“: Eine halblinsenförmig gewölbte geologische Schicht von gut 12 m Breite und zumindest auf einer Seite von einem deutlichen „Graben“ begleitet, täuschte optisch das Vorhandensein eines Straßenvorgängerbaues vor. (vgl. das Foto mit der gesäuberten Wand des Suchschnittes.) Eine geologische Begutachtung ergab allerdings, daß diese Schicht rein natürlichen Ursprungs ist. Es handelt um eine Rippe der hier anstehenden mitteldevonischen Schichten, die in den oberen Dezimetern als Folge der glazialen Verwitterung als lockerer Aufschüttung aus kleinteiligem Kalkgestein ausgebildet ist.

Der antike Straßenbefund lag unmittelbar unter dem heutigen humosen Waldboden und hatte einen dreischichtigen Aufbau: Auf 6 m Breite fand sich zuunterst eine Packlage aus abgerundeten Kalkbruchsteinen, die man sehr sorgfältig - allerdings ohne größere Bodenvorbereitung - auf der Humusschicht der römerzeitlich vorhandenen Oberfläche verlegt hat. Mit dieser Steinstickung hat man dem Straßenkörper bereits seine halblinsenförmige Ausprägung gegeben. Darauf wurde ein bis zu 20 cm starkes Kies-Sand-Gemisch aufgetragen. Da in dieser Schicht keine Fahrspuren erkennbar sind, muß als dritte Schicht noch eine Verschleißschicht in Form einer wassergebundenen Decke aufgetragen gewesen sein. Diese Schicht ist im Lauf der Jahrhunderte, u.a. durch die „Arbeit“ der Regenwürmer, im Humus des heutigen Waldbodens aufgegangen.

In Abmessungen und Aufbau entspricht dieser Straßenkörper dem Befund aus dem Jahre 2000 an den benachbarten Heide-köpfen bei Schmidtheim. (Vgl. die Abbildung auf der Tafel am Waldrand!) Dort war eine langzeitige Nutzung mit unzähligen Ausbesserungen und Erneuerungen nachweisbar, die das Straßenprofil schließlich bis zu einer Stärke von 1 m anwachsen ließen. Wie lange die römische Straße hier „in Olbrück“ in Nutzung war, ist nicht festzustellen, da aus-sagekräftige Funde fehlen. Vieles spricht dafür, daß sie bis ins späte Mittelalter eine der wichtigsten Straßenverbindungen in diesem Teil der Eifel gewesen ist. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist sie in der sog. Tranchot - Karte aber nicht einmal mehr als Feldweg eingezeichnet. Zu der Zeit war ein Straßenbau in Benutzung, der als sog. „Schmidtheimer Chaussee“ (B 51-alt) südöstlich an Olbrück vorbeiführt.

Heimatgeschichtlich interessierte Bürger aus Blankenheimerdorf setzten sich energisch dafür ein, diese Ausgrabung mit dem oberflächlich erhaltenen Befund für die Öffentlichkeit zu sichern und zu erhalten. Nach ihren Anregungen und Ideen ließ die Gemeindeverwaltung Blankenheim durch ihren Bauhof ein Schutzdach errichten. Dabei verankerte man die nördliche Stützenreihe tief im ehemaligen Grabungsschnitt. Die örtliche Ortsgruppe des Eifelvereins richtete mit finanzieller Unterstützung des „Dörfer Geschichts- und Kulturvereins“ darunter einen Wanderrastplatz ein. Er ist auf der westlichen Hälfte des Blankenheimer Tiergarten-Tunnel-Wanderweges die einzige Möglichkeit, eine vom manchmal recht unfreundlichen Eifelwetter geschützte Rast einzulegen. Entsprechend viel wird er benutzt. Er hat sich für die Eifelwanderer zu einem sehr beliebten Treffpunkt entwickelt.

Text: Peter Baales, unter Benutzung des Berichtes des wissenschaftlichen Leiters der Ausgrabung Dr. Klaus Grewe: Die Römerstraße im Olbrückwald bei Blankenheimerdorf, in: Archäologie im Rheinland, 2003

© Hejo Mies

© Hejo Mies

Flyer Download   © Peter Baales

Erdformation im Graben. Linke Seite

Aufbau der Römerstraße

Fertige Schutzhütte

 

 

 

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