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15.08.2015




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Des Einen Freud ist des Anderen Leid
von Johannes Vossen

Dieses uralte Wort bewahrheitet sich in unserem Alltag tausendfach, ohne daß wir groß davon Kenntnis nehmen. Wo Licht ist, da gibt es zwangsläufig auch Schatten, und schließlich hat bekanntlich jedes Ding zwei Seiten. Zum Beispiel die Verkabelung unserer Stromversorgung, die seit einigen Jahren bei uns akut ist und bereits einen Großteil des Dorfes umfasst. Im Sommer 2011 war ein Teilabschnitt der Nürburgstraße an der Reihe. Für die Anlieger des jeweils betroffenen Straßenabschnitts bedeuten solche Verkabelungen zunächst ärgerliche Einschränkungen, nicht zuletzt auch finanzielle Aufwendungen in Gestalt neu zu verlegender Zuleitungen vom Anschlusskasten bis zum Stromzähler. Wenn aber nach Wochen und Monaten die Straße wieder ordentlich befahrbar ist, wenn die zum Teil verrosteten Dachständer abmontiert und die schäbigen Freileitungen verschwunden sind, dann ist der Ärger rasch vergessen und Zufriedenheit mit der neuen Stromversorgung macht sich breit.

Die Vorteile des Kabels geFoto Hejo Miesgenüber der Freileitung sind nicht von der Hand zu weisen. Neben der optischen Verbesserung fällt besonders die geringere Störanfälligkeit ins Gewicht: Kein Orkan knickt mehr Strommasten und zerreißt Freileitungen, kein Blitz richtet mehr im Ortsnetz Unheil an, wie beispielsweise im Juli 1992. Damals stiftete der Blitz am Hausanschluss Wassong in der Woltersgasse massiven Schaden, ich sehe noch den KEV-Monteur, wie er im strömenden Regen hoch oben am Dachständer ein Provisorium installierte, damit wir wieder Strom hatten. Bei uns selber brach seinerzeit einmal am Dachständer der Null-Leiter („Nullleiter!“) an der Seilklemme ab, durch die 380 Volt-Überspannung waren der Fernseher und eine Menge Glühbirnen „hin.“

Bei uns ergab sich bei der Verkabelung noch ein zusätzlicher Vorteil: I m Zuge der Neupflasterung der aufgerissenen Bürgersteige konnte die „Maibaumfläche“ an der Schule in Eigenregie einbezogen werden. Die Gemeinde stellte hierfür das benötigte Material. Nach einem Appell unserer Ortsvorsteherin Anfang April 2011 stellten sich eine Menge freiwilliger Helfer zur Verfügung, dank deren Einsatz unser Dorf eine wesentliche Verschönerung erfuhr.

Auch die Senioren vom „Bier-Bauch-Club“ (BBC) stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung, wie sie das schon wiederholt taten, etwa beim Freischneiden und Herrichten des Fußwegs zum Wiesenfestgelände, der heute als „BBC-Pfad“ einen Namen hat. Jetzt übernahmFreuen sich ob ihrer gelungenen Arbeit, v. li Johannes, Robert, Willi, Erwin, Heinz und nochmals Heinz. (Foto Hejo Mies)en sie die Gestaltung der Fläche neben dem Schuleingang, die ebenfalls neu gepflastert wurde.

Was uns zum Vorteil gereicht, bedeutet für unsere gefiederten Freunde eine empfindliche Beeinträchtigung und führt dazu, dass ihrer immer weniger zu uns kommen, weil mit den Freileitungen ihre gewohnten und auch dringend benötigten Rast- und Sammelplätze verschwinden. Bei uns auf dem Kippelberg beispielsweise ließ sich im Sommer 2011 keine einzige Schwalbe mehr sehen. In früheren Jahren sammelten sie sich vor dem

Abflug im Herbst zu Hunderten auf den Leitungsdrähten in der Woltersgasse. Hejo Mies hat am 01. August 2009 ein „Schwalbenfoto“ geschossen, - es dürfte das Letzte dieser Art aus Blankenheimerdorf gewesen sein.

In nicht allzu ferner Zukunft erzählen wir unseren Enkeln von Vogelscharen auf den Freileitungen, und die Kinder fragen erstaunt: „Freileitungen, was ist das, und wo sind die Vögel heute?“ Und wir finden keine Antwort. Schwalben auf den Leitungsdrähten, das Bild gehört schon heute fast der Vergangenheit an. Wie so Vieles, dessen Wert wir erst dann erkennen, wenn es für uns verloren ist.

 

Foto Hejo Mies

Morgendliche Versammlung unserer gefiederten Freunde.

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