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20.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Die Müller Orgel von St. Peter und Paul Blankenheimerdorf.

von Andreas Auel -Kirchenmusiker-                                  

Beim Verlassen unserer Pfarrkirche fällt der Blick auf die Orgelempore. Die dortige Orgel, die im Liturgiegeschehen unserer Pfarrei meist nur hinten an steht, soll nun Mittelpunkt dieses Berichtes werden.

Erbaut wurde sie 1912/13 von den Gebr. Müller aus Reifferscheidt. Am 16. April 1913 wurde sie von Gesangs und Musiklehrer Carl Wildberg aus Bonn mit einem kleinen Konzert der Pfarrgemeinde übergeben.

Müller Orgel  © Hejo Mies 2007Welches Instrument dort vorher gestanden hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass 6 Register der heutigen Orgel aus dem Jahre 1870 stammen und beim Neubau der Orgel wieder mit verwendet wurden. Auch das Gehäuse war ursprünglich nicht für diese Orgel gebaut worden. Zum einen verrät der Gehäusetyp, dass es wesentlich älter ist als das Innenleben, zum anderen hat man rechts und links etwa 30 cm angebaut. Die beiden Pfeifenpaare, die jeweils außen stehen (alle übrigen Prospektpfeifen stehen in Gruppen), sind stumm und nur Zierrat, der durch die Erweiterung erforderlich wurde.

Interessant in Bezug auf das Gehäuse ist noch zu erwähnen, dass die Holzmaserung, die erst nach Umbaumaßnahmen in der Kirche im Jahre 1993 wieder zum Vorschein kam, nicht aus Holz stammt, sondern in mühevoller Kleinarbeit aufgemalt wurde.

Bei weitem kostbarer und interessanter ist das Innenleben der Orgel. Etwa 200 Jahre lang hat man Orgeln nach dem gleichen Muster gebaut. Von der Taste gingen Wellen und Hebelchen bis zu den Pfeifen und gaben so Luft für diese frei. Doch dieses mechanische System galt zu Beginn dieses Jahrhunderts als veraltet, man erfand einen neuen Orgeltyp; zu diesen Neuerungen, den pneumatischen Orgeln, zählt auch die unsrige. Grundvoraussetzung für dieses System sind zwei separate Windkreisläufe, wovon der eine zur Versorgung der Pfeifen dient, mit dem anderen werden kleine Bälge versorgt. die dann letztendlich den Wind freigeben, so dass die Pfeifen klingen können. Da der Wind, der die Technik bedient, jedoch durch kleine Bleirohre weite Wege zurückzulegen hat, entsteht zwischen Tastendruck und erster Ansprache der Pfeife eine Zeitverzögerung, die viele Organisten als hinderlich empfinden. So kam es, dass diese Orgeltypen nur etwa bis zum 2. Weltkrieg gebaut wurden.

Als dann elektrische Steuerelemente erfunden wurden, wurden Orgeln mit der bisherigen Technik nicht mehr gebaut.

Viele Instrumente dieser Zeit wurden umgerüstet oder verschwanden im Container, weil man kein Verständnis mehr für die veraltete Technik hatte.

Ein Beispiel dafür ist die alte Orgel in Schmidtheim, die vom gleichen Erbauer ist und schon 1912 eingeweiht wurde. Von ihr sind nur noch das alte Gehäuse und einige Pfeifen übrig

Unsere Pfarrei hatte, und heute kann man zum Glück sagen, nie soviel Geld übrig, um etwas davon in die Restaurierung der Orgel zu stecken. Zwar sind notwendige Reparaturen immer ausgeführt worden aber zum Umbau kam es nie, und so besitzt Blankenheimerdorf heute eine der letzten drei original pneumatischen Orgeln der Gebr. Müller aus Reifferscheidt aus dieser Zeit.

Das Ziel unserer Pfarrei sollte es ein, dieses Erbe auch noch unseren Nachfahren zu bewahren.

Erschienen im Heimatboten Nr. 10

 

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