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23.05.2016




 

Foto: hejo@blancio.de

Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Maad
Eine ebenso gebräuchliche Schreibweise ist Maat, in beiden Fällen ist der „Markt“ gemeint, sowohl die Veranstaltung selber, als auch die Lokalität, der Marktplatz. In jedem größeren Ort erinnern heute noch Bezeichnungen wie „Am Markt“ an die frühere Bedeutung als „Marktflecken.“ Ein solcher „Flecken“ war unter anderem auch Blankenheim, die Blankenheimer Kirmes war zu unserer Kinderzeit noch als Blangemer Maad betitelt. Ein Markt von überregionaler, eifelweiter Bedeutung war und ist der Hellessemer Maad im benachbarten Rheinland-Pfalz. Das Städtchen Hillesheim war bereits im Mittelalter Standort von Marktveranstaltungen, im 19. Jahrhundert wurde Hillesheim zu einem wichtigen Handelsplatz. Selbst im zweiten Weltkrieg kam der Hellessemer Maad nicht zum Erliegen, seit 1949 findet an jedem ersten und dritten Donnerstag von 8 bis 13 Uhr der Marktbetrieb statt. Seit 2003 ist der Hillesheimer Veehmaad (Viehmarkt) wegen BSE und anderer Tierkrankheiten eingestellt worden, der Krammarkt floriert dagegen nach wie vor, Hellessemer Maad ist auch heute noch ein besonderer Tag (Quelle: www.hillesheim.de). „Auf ihr Brüder in die Palz“ heißt ein Rheinland-Pfälzer Schmunzellied, in dem von der „Mamma“ erzählt wird, die mit dem Most auf dem Marktplatz steht und „…net von nix hat sie en dicke Hals, weil sie plärrt und plärrt bis ihr die Luft ausgeht.“

Maar
Das Mundartwort „Maar“ ist ganz allgemein ein etwas „anrüchiger“ Begriff. Als es in den Dörfern noch keine Kanalisation gab, bezeichnete man damit an der Oberahr die aus menschlichen und tierischen Exkrementen zusammengesetzte Jauche, die sich im Maarlauch (Jauchegrube) ansammelte. In der Südeifel wird vielfach der Ausdruck Puddel verwendet. Eine Sammelgrube gab es längst nicht an jedem Bauernhaus und damit auch kein Ausbringen der Maar als Felddüngung. Für die Menschen bestand ohnehin das bekannte „Herzhaüschen“ hinter dem Haus, die flüssigen Ausscheidungen der Stalltiere versickerten wenige Schritte vor dem Haus auf der Wiese. Das war eine wenig hygienische, aber damals eine häufig anzutreffende „Entsorgungsanlage.“ In Blankenheimerdorf hat Maar eine weitere Bedeutung, nämlich als Flurbezeichnung. Die Dörfer Maar liegt südlich der Ortschaft im Bereich der „Schmidtheimer Straße“ und der Kreisstraße K 70 in Richtung Blankenheim. An der Maar gibt es einen größeren Fichtenbestand, der nach dem Krieg abgeholzt und neu aufgeforstet wurde. Das Waldstück war uns Kindern immer ein wenig unheimlich, es sollte dort spuken. Im Krieg hatte die Wehrmacht in dem Fichtenwald kleinere kriegstechnische Anlagen eingerichtet.

Maarfaß 
Das Maarfaß diente dem Transport der Jauche zum Ausbringen auf Wiesen und Felder, es war der Vorläufer der heutigen modernen und riesenhaften Güllefässer. Das gängige Eifeler Maarfaß fasste etwa 1000 Liter und war mit zwei seitlichen Holzbalken zum Tragen und Stabilisieren auf dem Ackerwagen versehen. Befüllt wurde das Fass ursprünglich von Hand mit der Maarschepp (wörtlich = Jaucheschöpfe, Kelle). Das war eine mühsame, ungeliebte und höchst geruchsträchtige Angelegenheit, die später zunächst durch die handbediente, danach durch die elektrische Maarpomp (Pumpe) erleichtert wurde. Die Maarschepp war ein eimerartiges Schöpfgefäß mit einem zwei bis drei Meter langen Holzstiel, der bis auf den Boden der Jauchegrube reichte. Die Grube wurde Maarlauch (Jaucheloch) genannt. Die Bundesbahn beförderte seinerzeit Eilstückgut wegen dessen Dringlichkeit im Packwagen der Personenzüge. An einem Sonntagmorgen, - sonntags war der Abfertigungsbeamte allein im Bahnhof Blankenheim (Wald), - kamen vier fabrikneue Maarfässer bei uns an, für einen Händler von der Oberahr. Beim Ausladen hatte das Zugpersonal geholfen, ich allein konnte aber unmöglich die schweren Geräte vom Bahnsteig in den Güterschuppen befördern und geriet ziemlich in Bedrängnis. Zum Glück erklärte sich der Empfänger am Telefon bereit, umgehend mit eigenen Helfern seine Ware auf dem Bahnsteig abzuholen.

mächtich
Der Mundartausdruck besagt in erster Linie alles das, was im Hochdeutschen „mächtig“ ist. Ein Riesengebäude beispielsweise ist ene mächtije Bau, großer Hunger ist mächtijer Kohldampf, wem eine Zurechtweisung erteilt wurde, der hat mächtich dr Kahnes jesäänt krijje, wer großen Durst verspürt, der hat mächtije Brand, und wer diesen Brand intensiv löscht, der hat zum Schluß mächtich ejne om Uhr (mächtig einen auf dem Ohr). Bei uns hat mächtich unterdessen auch die Bedeutung von „zu groß, zu stark, zu gewaltig.“ Mechel klagte über Bauchschmerzen und meinte: Ech jlööv, et Mettecheiße wor jät mächtich (zu opulent gegessen). Beim Holzhacken suchte Ohm Mattes für mich die astfreien Stücke heraus mit der Begründung Die mot denne Knödde sen für dech noch ze mächtich (Die mit den Astknoten sind für dich noch zu beschwerlich). Jung, dä os äwwer mächtich lobt man bei uns den ungewohnt starken Kaffee, und wenn die Suppe noch sehr heiß ist, legt man schnell den Löffel wieder hin: Die Zupp os noch jät mächtich. Bei der Kartoffelernte war oft der gefüllte Korb für eine Person zu schwer, dann hieß es: Komm pack ens aan, die Reiss os mir ze mächtich, – die Reiss oder regional auch Ress war der stabile Zweimann-Spankorb zum Transportieren schwerer Lasten (siehe: Reiss).

Mäezbies
Ein Liedchen aus Volksschultagen besagt, dass „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“ und seinen Acker bestellt, dass also die Landwirtschaft sich auf den nahen Frühling vorzubereiten beginnt. Eine von zahlreichen Bauernregeln dagegen besagt aber: „Mit dem Märzen ist nicht zu scherzen,“ und das deutet auf wettermäßige Unbilden im dritten Jahresmonat hin. Hierauf beruht unser Ausdruck Mäezbies, was soviel wie „Märzschauer“ bedeutet. Eine Bies nämlich ist ein kurzer, heftiger und ergiebiger Regenschauer, sehr oft auch als Schnee-, Hagel- oder Graupelniederschlag, und davon gibt es bei uns im März noch mehr als genug. Allerdings beschränkt sich Mäezbies nicht ausschließlich auf den März, Schnee- oder Graupelschauer gibt es auch im April und manchmal sogar noch im Mai, und wenn sie heftig genug sind, sieht der Eifeler auch hierin noch Mäezbiese (Plural von Bies). Wettermäßig macht zwar generell der April, was er will, vom März aber heißt es nicht weniger aussagekräftig „Der März hat Gift im Sterz“ und „Märzensonne, kurze Wonne.“ Wenn im heißen Sommer ein plötzlicher Gewitterschauer niedergeht, so nennen wir das en Bies, und eine solche führt gelegentlich dazu, dass erschreckte Weidetiere kopflos die Flucht ergreifen: Dat Veeh jeht biese.

maggele
Wer maggelt, der ist ein Maggeler, und ein Maggeler ist ein Mensch, der Geschäfte vermittelt und abschließt, ein „Makler“ also. Während der Makler sein Geschäft als Beruf und völlig legal betreibt, arbeitet der Maggeler eher „unter der Hand“ und im Verborgenen. In den Notjahren nach dem Krieg wurde jemaggelt op Deuvel komm eraus, die Zeit von 1946 bis 1948 ist noch heute bei unseren Senioren als Maggelszitt in nicht gerade angenehmer Erinnerung. Der Schwarzhandel blühte wie selten zuvor, getauscht und gehandelt wurde mit allem und jedem, insbesondere Lebensmittel waren gefragt. In der Notzeit bedeutete maggele offiziell soviel wie „Gegen Gesetz und Verordnung Handel, Tauschhandel mit rationierten Waren treiben, Kauf und Verkauf von Waren ohne amtlichen Bezugsschein.“ Heute gibt es keine Bezugsscheine mehr und das Wort ist wesentlich „entschärft“ worden, trotzdem ist maggele auch heute noch mit einer gewissen Hintergründigkeit behaftet. Wenn in den Hungerjahren die „Hamsterer“ Aus der Stadt unser Eifel überfluteten und für ein Viertelpfund Speck ihr letztes Hemd verschacherten, so waren diese Bettelfahrten nicht mit maggele vergleichbar, diese Leute „handelten,“ um am Leben zu bleiben, nicht um Geschäfte zu machen. (Siehe auch unter Eierschängs).

Mai-Eier
Das Ei als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit, spielt in den Frühlingsbräuchen unserer Eifel allenthalben eine bedeutende Rolle. Ein Dörfer Brauch war und ist das Einsammeln der „Mai-Eier“ am Vorabend zum 01. Mai durch die Junggesellen. Früher wurde so zeitig gestartet, dass die Sammelaktion beendet war, bevor es richtig dunkel wurde. Mit Kisten und Körben ausgestattet, - bevorzugtes Behältnis war die aus Stroh geflochtene Säät (Saatkorb des Sämanns) - zogen die Sammler singend durch die Straßen: „Der Mai ist gekommen…“ und beim Betreten des Anwesens tönte es „Wir kommen gegangen, die Eier zu empfangen, schöne rote Blümelein, bezaubernd ist das Mägdelein.“ Die Aktion endete unter der Kastanie am Ehrenmal mit dem Gesangsvortrag „Kein schöner Land in dieser Zeit.“ Das Sammelgut wurde anschließend in einer der Dorfkneipen zubereitet und verzehrt, und das war in den mageren Nachkriegsjahren ein ganz wichtiges Ereignis: Wir konnten uns einmal rundum satt essen an Spiegelei mit Speck. Daheim gab es nur alle Jubeljahre mal ein Ei auf den Tisch. Am Herd bei Krämesch Nettche (Hotel Cremer), Tant Maria (Hotel Friesen) oder Buhls Hermann (Gaststätte Buhl) wurde reihum bis in den Morgen gebrutzelt und gebraten. Was an Eiern noch übrig blieb, nahm der Wirt gerne in Zahlung. Vielerorts ist das Eiersammeln mit dem Versteigern der Mädchen und dem Aufstellen des Maibaums verbunden. Im Dörf wurden und werden die Mädchen zur Kirmes versteigert, den Maibaum kannten wir früher nicht, es gab bei uns nur den „Kirmesbaum.“ Inzwischen haben wir auch einen richtigen Maibaum, und das Struußsteiche (Sttraußstecken, Maibaumstecken) wurde bei uns in den 1970er Jahren „importiert.“ Struußsteiche ist kein ureigener Dörfer Brauch.

Maiheck
Ungefähr auf halbem Weg zwischen Blankenheimerdorf und Schlemmershof steht heute rechts nahe der Kreisstraße K.69 das Pumpenhaus der Seidenbach-Quelle. Dieser Flurbereich wird im Volksmund de Maiheck genannt, gelegentlich auch Maihecker Kopp, weil sich von hier aus die Kreisstraße ins Nonnenbachtal hinab senkt. In dem buschartigen Buchenbestand gegenüber dem Pumpenhaus stand im Krieg eine 20 Millimeter-Vierlingsflak, auf deren Richtschützensitz ich als Neunjähriger einmal Platz nehmen durfte. Ein „Souvenir“ gibt es heute noch in meiner Werkstatt: Eine originale Wehrmachts-Transportkiste für schätzungsweise 100 Stück 2 Zentimeter-Flakmunition. Das Wiesengelände zwischen Pumpenhaus und Kreisstraße, etwa anderthalb Morgen groß, war früher unser Eigentum, hier habe ich als Kind mit Ohm Mattes Eifeler Erdnüsse ausgegraben und verspeist, – die Wurzelknollen des wilden Wiesenkümmels. In den Maihecker Dänne (Fichtenbestand) hatte die Wehrmacht eine große Wohnbaracke errichtet, gut geschützt gegen Fliegersicht. Die hierbei verwendeten Holztafeln aus Nut- und Feder-Brettern waren nach dem Krieg „Kriegsbeute“ für die Einheimischen. Maiheck ist eine bei uns relativ häufige Ortsbezeichnung. So gibt es unter anderem die Mülheimer Maiheck: das Buchenwäldchen an der B.258 zwischen dem Baumarkt Fassbender und Blankenheim. Und in Hüngersdorf gibt es am südlichen Ortsrand die Straße „An der Maiheck.“

Mannslöck (weiches ö)
Wenn bei uns von einem einzelnen Mann die Rede ist, sprechen wir vom Mannskerl, sind mehrere männliche Personen betroffen, werden daraus in unserem Dialekt Mannslöck (Männerleute). Analoge Beispiele dazu: Bergmann / Bergleute; Seemann / Seeleute; Zimmermann / Zimmerleute. Wenn etwa die Hausfrau von den männlichen Hausgenossen insgesamt spricht, sagt sie beispielsweise: Os Mannslöck sen em Heu (Unsere Männer sind bei der Heuernte). Unsere Eltern unterschieden zu ihrer Zeit noch deutlich zwischen Mannslöcksärbed und Fraulöckskroom (Männer- und Frauenarbeit). So war unter anderem Sänzelkloppe (Sense dengeln) eine reine Männersache, Drinche hatte sich einmal üß rejner Wellmoot (mutwillig, ohne Anlass) mit dieser sensiblen Spezialarbeit befasst und musste später ein Donnerwetter ihres Ehegatten über sich ergehen lassen: Dr Düvel noch, do hät mir doch dat Fraumensch die janz Bahn zerklopp! Wat moßte dech äwwer och aan Mannslöcksärbed brögge (Teufel auch, da hat das Weib mir doch die ganze Schneide verhunzt! Was musst du dich aber auch mit Männerarbeit abrackern). Die emanzipierte Frau unserer Tage würde dagegen dem Gatten stolz eine einwandfrei gedengelte Sense präsentieren und verkünden: Jank mir fott mot Mannslöcksärbed, - wat du kanns, dat kann ech ad lang.

Mannslöckssitt (weiches ö)
Unter Dechant Hermann Lux (1936 – 1952) waren in unserer Kirche in Blankenheimerdorf die Bänke rechts vom Mittelgang („Epistelseite“ des Altars) für die männlichen Gottesdienstbesucher bestimmt, dieser Bereich wurde also Mannslöcksitt (Männerseite) genannt. Das Gegenstück war naturgemäß links vom Gang die Fraulöckssitt (Frauenseite). Wenn auf der Frauenseite kein Platz mehr war, durften ältere Damen zu den Mannslöck hinüber wechseln, umgekehrt war das nicht üblich und wurde auch vom Pfarrer nicht gern gesehen, die Männer bezogen dann einen Stehplatz hinter den Bänken und „im Turm.“ Das wiederum war dem gestrengen Pfarrer auch ein Dorn im Auge, Dechant Lux wetterte nicht selten über die „Turmchristen,“ von denen manche im Sinne des Wortes „vor dem Segen aus der Kirche gingen.“ An der Mannslöckssitt stand bei den primitiven und harten Kinder-Kniebänken der Bichstohl (Beichtstuhl), die wohl am wenigsten geliebte Einrichtung unserer Kirche. Vis a vis auf der Frauenseite stand noch ein „Stuhl“: Der Preddichstohl (Predigtstuhl = Kanzel), ein ebenfalls nicht unbedingt geliebtes Kirchenmöbelstück, von dem herab gar oft dem „Sünder“ ins Gewissen geredet wurde. Und schließlich hatte an der Mannslöckssitt in einer ganz bestimmten Bank der Kirchenrendant seinen Platz, der alte Herr Nikolaus Brück, der mom Körfje jing (mit dem Körbchen ging = die Opfergaben einsammelte, einen Klingelbeutel kannte man bei uns nicht). Der Platz war durch das weiße Emailleschild „Kirchenvorstand“ markiert.

Mantelbrett  
Das Wort scheint der Standardsprache entnommen zu sein, ist aber tatsächlich allenthalben nur in der mundartlichen Umgangssprache zu Hause. Das Mantelbrett war die einfachste Form einer Kleiderablage: Ein Brett mit angeschraubten Kleiderhaken, ein Garderobenleiste, deren Ausstattung sich dem Geldbeutel des Besitzers anpasste. Die Haken reichten vom einfachen gedrechselten Holzpflock über lackiertes Eisen und blankes Messing bis hin zum chrom- und silberglänzenden Prunkstück. Das Eifelhaus besaß in der Regel keinen Flur, das Huus (Eingangsbereich, Küche) war als Garderobenraum ungeeignet, lediglich an der Innenseite der Haustür hingen ein paar „Arbeitsklamotten“ am Nagel. Also hatte das Mantelbrett in der Stov (Stube, Wohnzimmer) seinen Platz, manchmal als Winkelbrett in einer der vier Stubenecken. Es war häufig als kleines Wandbord ausgelegt, mit ein oder zwei Regalfächern, unter denen die Hakenleiste angebracht war. Im und auf dem Regal ließen sich kleinere Alltagsgegenstände unterbringen, Vaters Tubakskoß (Tabakskistchen, Vorratsbehälter) etwa, ein paar Bündel Fiete (Fidibusse), die Hausbibel und die Jebettbööcher (Gebetbücher) für den Kirchgang, die jedem Hausbewohner persönlich zugeteilt waren.

Maria Sief
Am 02. Juli feiert die katholische Kirche das Fest „Mariä Heimsuchung,“ im Volksmund heißt dieser Tag seit eh und je Maria Sief. Eine Wetterregel besagt, dass Regen auf Mariä Heimsuchung 40 Tage Dauerregen nach sich ziehe, der Eifeler sagt: Räänt et op Maria Sief, dann räänt et vierzich Daach stief. Regen an Mariä Heimsuchung sollte demnach 40 Tage Dauerregen nach sich ziehen. Diese Faustregel hat aber inzwischen ihre Gültigkeit verloren, nachdem Umweltverschmutzung und Erderwärmung unser Wetter auf den Kopf gestellt haben. Der Ausdruck Sief geht auf das Zeitwort siefe zurück, was „in Strömen regnen, Bindfäden regnen“ bedeutet. Maria Sief zählt zu den so genannten „Luster, - Lüster- oder Lostagen,“ die für langfristige Wetterprognosen von Bedeutung sind und auf die sich unter anderem auch der bekannte „Hundertjährige“ (Kalender) stützt. Es gibt eine Vielzahl von Lüsterdaach, einige davon sind Liëchtemoß (Lichtmeß, 02. Februar), Sebbeschlööfer (Siebenschläfer, 27. Juni), Mechelsdaach (Michaelstag, 29. September) und auch der erste Weihnachtstag. Das Fest Mariä Heimsuchung wurde im Jahr 1263 durch den Franziskanerorden eingeführt, es bezieht sich auf den Besuch Marias bei ihrer Base Elisabeth.

Märkkrooh (hartes o)
Ein altes Wort für den Eichelhäher, der zur Familie der Rabenvögel zählt. Deren ungeliebte Vertreterin ist die Rabenkrähe, im Eifeler Dialekt die Krooh. Der Forstmann nennt den Eichelhäher wegen seines durchdringenden Schreckrufs gerne „Märk,“ die Eifeler Märkkrooh ist also eine „Märk-Krähe.“ Beim Sonntagsspaziergang in der Hardt erschreckte uns gelegentlich das ziemlich hässliche Krächzen der aufgescheuchten Merkkrooh, das uns Kindern irgendwie drohend erschien. In früheren Jahren, als noch jeder sich ein Kleinkalibergewehr kaufen und nach Herzenslust damit ballern durfte, ging es dem Eichelhäher schlecht. Die schwarz-weiß-blauen Deckfederchen seiner Oberflügel nämlich wurden als ein begehrter Schmuck hinters Hutband des Sportschützen gesteckt. Auch mein Vater hat mit seinem „Flobert“ manche Märkkrooh erlegt, was gar nicht so sehr im Sinne der Naturschützer war und heute den „Sportschützen“ teuer zu stehen käme. Die Märkkrooh ist ein Singvogel, ein sehr schöner noch dazu, im Winter kommt er gelegentlich bei uns ans Futterhäuschen im Vorgarten oder holt sich in aller Gemütlichkeit die Körner vom Fensterbrett.

Mattes
Eine sehr häufig gebrauchte Abkürzung des Vornamens Matthias, nicht selten auch in Mättes umgewandelt. Ein Bruder meiner Mutter hieß Matthias, daheim nannten wir ihn allgemein Onkel Mattes. Heute erscheint er in meinen Beiträgen immer wieder als Ohm Mattes, das klingt ein wenig persönlicher und nicht so offiziell. Ohm Mattes hat meine Kindheit nicht weniger geprägt als mein Vater Heinrich. Ich kann mich noch erinnern, dass in meiner Kinderzeit alljährlich die Blangemer Mattes-Bröder (Blankenheimer Matthias-Bruderschaft) über die Hardt herab kamen und über den „Waldorfer Weg“ an Nonnenbach vorbei in Richtung Trier zum Grab des heiligen Matthias pilgerten. Der Waldorfer Weg war ein Feldweg, er existiert längst nicht mehr. Das „Markenzeichen“ des heiligen Matthias ist das Beil, mit dem er der Legende nach enthauptet wurde. Dieses Werkzeug ist ein Symbol für Kraft und Stärke, Sankt Matthias wurde der Schutzheilige unter anderem der Bauhandwerker, Schmiede und Zimmerleute. Auf die mit dem Beil verbundene Kraft ist vermutlich unsere Redewendung Dä hät äwwer Mattes en dr Mau (Der hat aber Kraft, kräftige Muskeln) zurück zu führen. Schließlich gibt es auch noch die Behauptung Eier eiße jit Schlamm op de Pief on Mattes en de Maue (Der Verzehr von Eiern stärkt die Manneskraft in jeder Beziehung). Bei uns daheim gab es einen etwas seltsamen „Kochspruch“: Mattes, kauch Kappes, kauch suër kauch sööß, kauch allerlei Jemöös, die Übersetzung ergibt wenig Sinn: Matthias, koch Kohl, koch sauer, koch süß, koch allerlei Gemüse.

Mattesrüesje
Ein gebräuchliches Dialektwort für das Gänseblümchen, auch Maßliebchen oder Tausendschön genannt. Jänseblömche ist allerdings mehr verbreitet. Mattesrüesje bedeutet „Matthiasröschen“, was möglicherweise ein Hinweis auf die „Dauerhaftigkeit“ des Blümchens ist: Das Namensfest des heiligen Matthias ist der 24. Februar und bei entsprechender Witterung blüht zu diesem Zeitpunkt bereits das Mattesrüesje, das gleichermaßen noch im späten Herbst gedeiht. Auch der botanische Name „Bellis perennis“ (perennis = das Jahr hindurch, dauerhaft) lässt diese Deutung zu. In den Kriegsjahren gehörte das Sammeln von „Heilkräutern“ zu den Hausaufgaben der Schulkinder. Neben Birkenblättern, Schafgarbe, Spitzwegerich und Johanniskraut, mussten wir auch die Köpfe der Gänseblümchen sammeln. Das war eine unbeliebte, weil mühsame Aufgabe. In der Volksheilkunde hilft das Mattesrüesje unter anderem bei Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen. Das Blümchen ist sogar essbar und soll gar nicht mal so übel schmecken, - ich selber habe noch nie Mattesrüesjer verzehrt. Dem kleinen weißen Blümchen wird sogar Zauberkraft angedichtet: Wer am Johannistag (24. Juni) zwischen 12 und 13 Uhr Mattesrüesjer pflückt, sie trocknet und in der Tasche mit sich trägt, dem gelingt jede wichtige Arbeit. Das sollte man tatsächlich mal versuchen, ist zwar nur Aberglaube, aber schaden kann´s ja schließlich auch nicht.

Mau (kurzes au, wie in „blau“)
Das Wort bezeichnet den Ärmel eines Bekleidungsstückes. Die neue Jacke beispielsweise passte an sich, nur de Maue sen ze lang (die Ärmel sind zu lang). Von einem körperlich schwachen Menschen wird behauptet: Dä hät nix en dr Mau. Rochus, mein frühere Arbeitskollege, war im Krieg Luftschutzwart in seinem Dorf und hielt einen Vortrag über das Verdunkeln der Häuser: „...und wenn man anders nix hat, hängt man eine Rocksmau (Rockärmel) oder ein Butzenbein (Hosenbein) über die Lampe“. Das trug ihm den Spitznamen Rocksmau ein. Rochus war Schrankenwärter, wenn bei der abendlichen „Konferenzschaltung“ auf der Streckenleitung das Wort Rocksmau fiel, kam er beinahe „durch den Draht.“ Der Hemdärmel ist de Hembsmau, wer sich in der Öffentlichkeit hemdsärmelig zeigt, der jeht en de Hembsmaue. Die Ärmel hochkrempeln heißt bei uns sech de Maue erop ströüfe und ist Ausdruck von Arbeits- oder Kampfbereitschaft. Eine verwerfliche und „fiese“ Angewohnheit ist sech mot dr Mau de Nas putze, und sehr viele Mitmenschen können sech de Jrosche net üß dr Mau schödde (die Groschen nicht aus dem Ärmel schütteln). Wer dagegen jät en dr Mau hat, der ist nicht nur körperlich kräftig, der hat vielmehr auch ein dickes Bankkonto.

Mechelsdaach
Michaelstag, Namensfest des heiligen Erzengels Michael. Der 29. September war früher für die Hütebuben von Bedeutung: Ab Mechelsdaach war de Wejd op (die Weide offen). Das bedeutete, dass auf allen nicht eingezäunten Grasflächen das Vieh weiden durfte. Dieser Brauch wurde in aller Regel akzeptiert, wer trotzdem kein fremdes Vieh auf seiner Weide dulden mochte, der machte dies durch Wehrrieser (Wehrreisig, Wehrzeichen) entlang der Grundstücksgrenzen kenntlich. Als Los- und Wettertag war Mechelsdaach früher ein markanter Punkt im bäuerlichen Jahresablauf. Besonders für die Aussaat des Wintergetreides war der Zeitpunkt bedeutsam, wenn die Nacht wieder länger dauerte als der helle Tag. Eine Bauernregel besagte: „Vor Michel sä mit halber Hand, dann aber streu mit ganzer Hand,“ und eine aus der Erfahrung hervorgegangene Weisheit besagte: „Um Michaeli in der Tat gedeiht die beste Wintersaat.“ Mechelsdaach war bei uns daheim oft auch der Termin für den Beginn des Getreidedreschens von Hand, das sich bis in den tiefen Winter hin zog. Sankt Michael ist unter anderem der Schutzpatron Deutschlands, woraus der Begriff „Deutscher Michel“ entstanden ist. Ich erinnere mich noch, dass bei uns daheim beim Tischgebet auch der heilige Michael angerufen wurde.

Melechdöppe
Schlicht und einfach der „Milchtopf,“ im Alltag auch Melechpott oder Melechschottel (weiches o) genannt. In dieses Gefäß wurde nach dem Melken die für den Tag im Haushalt benötigte Milchmenge abgefüllt und aufbewahrt. Bei uns daheim war das Melechdöppe ein etwa drei Liter fassendes Blechgefäß, eine Art Kanne mit Henkel, Ausguss und Deckel, allgemein eher Melechschepp (Milchschöpfe) genannt. Die Erwachsenen schleckten genüsslich den Schmand (Rahm), der sich als zähe Haut auf der Milch absetzte, - mir grauste davor. Melechdöppe gab es bei uns im Krieg mehrere, es waren Stejndöppe (Steintöpfe = Keramikgefäße), wie sie heute als Zierstücke im Regal stehen. Butter herstellen war dem Bauern untersagt, die Zentrifugentrommel und die Butterfassflügel waren konfisziert worden und lagerten auf dem Schulspeicher. Die Vollmilch musste täglich restlos abgeliefert werden, beim Eifelbauern wurden unterdessen garantiert etliche Melechdöppe mit „schwarzer“ (nicht abgelieferter) Milch im sicheren und kühlen Versteck aufbewahrt. In Abständen wurde auch hier der Schmand abgeschöpft und im Schmanddöppe gesammelt. Bei ausreichender Menge wurde mit dem Briebeißem (Breibesen), einem handlichen dünnen Reisigbesen aus geschälten Birken- oder Weidenzweigen, so lange im Topf gerührt, bis der Schmand zu Butter wurde.

mell (weiches e)
Ein Allerweltswort für alles, was irgendwie als weich, zart, gar oder lind zu bezeichnen ist. Eigentlich bedeutet es „mild.“ De Jrompere sen mell, setz et Döppe aff ist beispielsweise der Hinweis, dass die Kartoffeln gar gekocht sind und der Topf vom Herd genommen werden soll. Dat Ei os ze mell, dä Dödder löüf jo fott (Das Ei ist zu weich, der Dotter läuft ja weg) war eine Beschwerde über ein nur angekochtes Ei, und Pättche Stoffel (Patenonkel Christoph), der an starken Wittlicher Strang (Tabaksorte) gewohnt war, wies das Päckchen Krüllschnitt zurück: Dat Krütt os mir ze mell, dat schmääch jo no nix (Das Kraut ist mir zu mild, das hat ja keinen Geschmack). Et Wedder schlejt öm, et wiëd mell (Das Wetter schlägt um, es wird mild) verkündete Ohm Mattes, nachdem er am Abend ein paar Minuten lang dem Rauschen der alten Bäume in der Hardt gelauscht hatte. Eine Bauerweisheit besagt: Ränt et schnack op Mechelsdaach, krejje mir mell Wonterdaach (Wenn es auf Michaeli – 29. September – regnet, kommen milde Wintertage). Den leicht salzigen Geschmack einer Speise beschrieb man mit mell jesalze, ein perfekt zubereitetes Steak musste mell wie Botter sein, und de Luff os mell, et jeht op et Fröhjohr aan bedeutete das Ende des Winters.

melze (weiches e)
Der Ausdruck ist vom Hauptwort Melz abgeleitet, dem Mundartwort für die Milz. Melze bedeutet somit „milzen,“ das Wort ist völlig aus der Mode gekommen. Wenn früher eine Kuh zu hastig frischen Klee gefressen hatte, kam es zu starker Gasbildung im Bauch, die im schlimmsten Fall zum Tod führte. Das Tier war opjeloufe (aufgelaufen), rasche Hilfe war nötig. Wenn bestimmte Flüssigkeitskuren zur natürlichen Gasableitung erfolglos waren, blieb als letztes Hilfsmittel der Bauchstich in die linke Milzgrube, die Kuh wurde jemelz (gemilzt). Aus der Stichwunde entwich hörbar das angestaute Gas und das Tier konnte wieder atmen. Den Vorgang habe ich einmal beobachtet, als unsere „Rüet“ (Tiername) opjeloufe war. Zufällig war an diesem Tag Hermann Molitor aus Steinfeld in unserem Dorf und hatte einem Fohlen auf die Welt geholfen. Mit einem speziellen Taschenmesser stach er unserer Rüet in den dick aufgeblähten Bauch, ich hatte schreckliche Angst, dass er sie totstechen würde. Hermann Molitor war in der gesamten Eifel als hervorragender „Veehdokter“ (Viehdoktor) bekannt und beliebt, er starb 83-jährig im Jahr 1963.

Melzemänn  
Ein typisches Blankenheimerdorfer Wort. Im benachbarten Blankenheim-Wald gab es früher das Sägewerk Milz, einen bedeutenden Wirtschaftfaktor für den hiesigen Bereich, der um 1900 bereits 30 Beschäftigte zählte. Die Firmenbelegschaft insgesamt bezeichnete man in der näheren Umgebung landläufig als Melzemänn (Milzmänner), der Einzelne aus der Crew war somit ein Melzemann. Der Eifeler kennt eine Reihe ähnlicher Bezeichnungen, Bahnemänn (Eisenbahner) beispielsweise, Possmänn (Postler), Böschmänn (Waldarbeiter) oder auch Zejdongsmänn (Reporter). Hejnschkoochemänn war ein Scherztitel besonders der Bewohner von Nonnenbach (siehe Heijnsch), und die Kaastenholzmänn waren die Zimmerleute Paul und Heinrich Kastenholz aus Blankenheimerdorf. Blankenheim-Wald liegt knapp einen Kilometer (Luftlinie) von Blankenheimerdorf entfernt, bei Westwind war die Werkssirene im Dorf deutlich zu hören, für die Leute ein Wettersignal: Dr Melz tüüt, et jitt Rään (wörtlich: Der Milz heult, es kommt Regen). Westen ist bekanntlich die „Wetterseite.“ Die Werkssirene war nicht zuletzt für die Leute bei der Feldarbeit ein Zeitzeichen. Längst nicht jeder besaß früher eine Uhr, die Sirene kündigte unterdessen an: 10 Uhr Frühstückspause, 12 Uhr Mittagspause, 17 Uhr Feierabend. Die Melz-Uhr war der Zeitmesser des Kleinen Mannes.

Mettech (weiches e)
Ein spezieller Oberahr-Ausdruck, sonst allgemein Meddaach, und das bedeutet „Mittag.“ Mettech maache (Mittagspause) ist neben Fieroovend (Feierabend) das wohl beliebteste Wort auf jeder Baustelle, an jedem Arbeitsplatz. Mam, wat jitt et demettech erkundigte sich Fränzchen hungrig nach dem bevorstehenden Mettecheiße (Mittagessen), und Mutters Antwort war höchst zufriedenstellend: Demettech jitt et Äezezupp. Erbsensuppe „a la Mam“ war allgemein begehrt und beliebt. Demettech ist das Kurzwort für „diesen Mittag.“ Das Wort für „mittags“ ist in der Regel meddaachs. Bei uns hieß es ursprünglich mettechs, weil das aber umständlich auszusprechen war, wurde daraus mettes gemacht: Pap schläf mettes e Stöndche (Vater hält ein Mittagsschläfchen). Festtagsbesuch, etwa zur Kirmes, war im Oberahrdorf in der Regel gern gesehen und wurde fürstlich bewirtet. Es gab aber auch Kniesköpp (Geizhälse) und die erklärten dem Besuch unter größtem Bedauern: Für dr Mettech kößte ze spät on für dr Kaffe ze fröh (Du kommst fürs Mittagessen zu spät und für den Nachmittagskaffee zu früh). Dahinter verbarg sich der geheime Wunsch, der Besuch möge bis zum „Kaffe“ wieder abgezogen sein.

Mettechlögge
Das Mittagläuten wird auch „Zwölfuhrläuten“ genannt und war für unsere Eltern die Aufforderung zum „Angelus-Gebet,“ wie auch das Morgen- und Abendläuten. Wenn er die Glocke hörte, zog der Bauer bei der Arbeit den Hut zu einem kurzen Gebet, – es musste ja nicht immer der kompletten „Engel des Herrn“ sein. Speziell das Mittagsläuten war auch eine wichtige Zeitansage: Et lögg, losse mir Mettech maache (Es läutet, Mittagspause!). Die Wenigsten besaßen damals eine Uhr. Nicht zuletzt war das Mettechlögge auch für die Hütebuben das Zeitzeichen zum Heimtrieb, während der Ferien nämlich mussten sie auch vormittags mot de Köh fahre (mit den Kühen fahren = Vieh hüten). Das Läuten war früher in der Regel Aufgabe des Küsters, der somit dreimal täglich zur Kirche marschieren musste. Diese Arbeit hat inzwischen längst das vollautomatische elektrische Geläut übernommen. Daheim in Nonnenbach verrichtete die alte weißhaarige Frau Plützer (Jierde Tant) den Läutedienst, die direkt am Kapellchen wohnte. Später hat auch unsere Jött längere Zeit fürs Mettechlögge in Nonnenbach gesorgt (siehe lögge). Das helle Bimmeln des Glöckchens war weit in der Umgebung des Dorfes zu hören.

Metz
Ein unentbehrlicher Alltagsgegenstand: Das Messer in seiner unendlich vielfältigen Gestalt und Anwendungsform. Ein Zusammenhang zwischen Metz und Metzger wäre denkbar, ist aber nicht nachweisbar. Aus der umfangreichen Liste hier ein paar spezielle Eifeler Metzer (Mehrzahl von Metz): Jromperemetz (Kartoffelmesser), Bartmetz (Rasiermesser), Destelsmetz Gerät zum Distelstechen), Bruëtmetz (Brotmesser), Kolerawemetz (Rübenmesser), Schlaachmetz (Schlachtmesser), Melzmetz (Milzmesser, siehe melze), Schällmetz (Schälmesser, Gerät zum Entrinden der Fichten). Über ein stumpfes Messer ärgert man sich: Dodrop kannste mom blanke Aasch bos no Räätz regge (Darauf kannst du mit dem blanken Hintern bis nach Reetz reiten). Karlchen war auf den Bauch gefallen und brüllte wie am Spieß, bis es seinem Spielkameraden zu arg wurde: Mensch, du schrejß jo, als wennste e Metz em Hals hätts (…als hättest du ein Messer im Hals). Im Sketch mit Hans Süper erzählte „Zimmermän“ im Colonia-Duett, er habe e Metz verschluckt und das sei bis heute nicht mehr zum Vorschein gekommen. Süper verwundert: Wie, nit jekumme? Auch nach dreimaliger Frage war das Messer immer noch nit jekumme und Süper stellte fest: Ja Jung, dann musste dir eben e neu Metz koufe.

Mittche
Mittche
ist die Verkleinerungsform von Mitt und das war die Bezeichnung für den Behälter zur Mitnahme des Mittagessens auf die Arbeitsstelle. Das Döppe (Topf) war oft aus Aluminium hergestellt wie beispielsweise das Kochgeschirr der Soldaten. Es gab unterdessen auch Mittcher aus emailliertem Stahlblech. Die hatten aber den Nachteil, dass bei einem mittleren Knupps (Stoß, Schlag) die Emaille abplatzte und einen unschönen Fleck hinterließ, während es beim Alutopf nur eine unscheinbare Blötsch gab. Bei größeren Arbeitsgruppen, beispielsweise in der „Rotte“ bei der Bundesbahn, wurde eigens ein Mann abgestellt, dessen Aufgabe es unter anderem war, pünktlich zur Mittagspause die aufgewärmten Mittchen bereitzuhalten (siehe Kaffeekauch). Im Winter verdiente sich Ohm Mattes ein paar zusätzliche Groschen mit Holzfällen in den Wäldern nahe Nonnenbach. Wenn es mit den Schulstunden vereinbar war, brachte ich dem Onkel das heiße Mittagessen auf die Arbeitsstelle. Dafür gab es einen emaillierten Henkelmann mit zwei ungewöhnlich großen Töpfen, die mindestens einen Liter Inhalt pro Stück fassten. Ich staunte immer, dass da kein Krümelchen übrig blieb. Ohm Mattes war aber ein großer und kräftiger Mann, und Waldarbeit macht hungrig, zumal es damals bei uns noch keine Motorsäge gab. Das Mittche ist in unserem Zeitalter der Kantinen und Thermo-Taschen fast völlig aus der Mode geraten.

Möbbelcher
Alljährlich am Fronleichnamsfest wurden in Blankenheimerdorf massenhaft Möbbelcher gebraucht: Die hellgrünen jungen Triebe der Fichtenbäume. Sie eigneten sich hervorragend zur Herstellung der farbenfrohen Altarteppiche an den Prozessionsstationen. Meist dienten die Möbbelcher als großflächiger Hintergrund des Teppichbildes, weil sie massenhaft zu haben waren. Zum Möbbelcher plöcke (pflücken) zogen wir in Trupps in die jungen Fichtenkulturen, die der Gemeinde gehörten. An Privatwald wagten wir uns naturgemäß nicht heran. Auch der gemeindliche Forstbeamte sah unsere „Selbstbedienung“ nicht so gerne, echte Schwierigkeiten gab es aber nie, denn Wachstumsschäden erlitten die Bäume nicht, - so kahl hätten wir sie gar nicht abgrasen können. Das frische Pflückgut musste daheim dünn ausgebreitet werden, damit es nicht schimmelte. Der Garagenboden eignete sich hierfür ganz passabel, da musste das Auto eben ein paar Tage draußen bleiben. Ursprünglich ist Möbbelche ein Kosewort für ein rundliches wohlgenährtes Kind, in erster Linie ein Mädchen: Dat os äwwer e leev Möbbelche, ein solches Lob ließ jede junge Mutter vor Stolz erröten. Wenn die Mutter zufällig selber etwas klein von Wuchs und möglicherweise auch noch rundlich und mollig war, wurde sie hinter vorgehaltener Hand leicht als Mobbel eingestuft.

Möckeball (weiches ö)
Das Wort entstand vor gut 60 Jahren, es bedeutet „Mückenball“ und ist den Senioren in den Ortschaften der heutigen Gemeinde Blankenheim mit Sicherheit noch in angenehmer Erinnerung. Im Jahr 1946 kaufte seinerzeit Muuße Jüpp (Josef Maus) aus Nonnenbach das oberhalb der Ortschaft im Wald gelegene ehemalige Jagdhaus und baute es zunächst als Wohnhaus um, dem er bald eine kleine Gastronomie hinzufügte. Unter den hohen Fichten wurde ein Bretterpodium angelegt, ortsfeste Tische und Bänke errichtet und abseits ein „Plumpshäuschen“ gebaut. Aan Muuße gab es die ersten Open Air-Veranstaltungen nach dem Krieg im damaligen Kreis Schleiden, den Tanz im Freien, der sich sehr rasch im weiten Umkreis größter Beliebtheit erfreute. Aus nah und fern pilgerten die Tanzfreunde zu Fuß oder per Fahrrad nach Nonnenbach, vergnügten sich bei Korn, Ginsterbier und Selterswasser und tanzten zu den Klängen der „Fünf Spatzen“ aus Mechernich. Der stundenlange Heimweg, so weiß man noch heute, war häufig nicht weniger unterhaltsam als die Tanzveranstaltung selber. Unter den Bäumen gab es naturgemäß ungezählte Mücken und ähnliche Plagegeister. Das verhalf dem beliebten Tanz im Freien mit der Zeit zu der Bezeichnung Möckeball, und das war absolut positiv gemeint und wurde als Markenzeichen für einen echten Geheimtip gewertet.

Möckelche (weiches ö)
Jank ens mot en dr Stall, de Schwitt hät e Möckelche krijje (geh mal mit in den Stall, die Schwitt hat ein Kälbchen bekommen). Stolz zeigte mir Ohm Mattes das Neugeborene, das auf wackeligen Beinen im abgetrennten Ställchen stand. Möckelche war unser Ausdruck für ein Kuhkalb, wobei dessen Geschlecht keinerlei Rolle spielte. Schaf- oder Ziegenkinder nannten wir Limmesje, das Pferdejunge war ein Füllche, das Ferkel hieß Nückesje, der Kuhnachwuchs war eben ein Möckelche. Bevor ein Möckelche da war, ging hinter verschlossener Tür in unserem Stall stets Geheimnisvolles vor sich, die Erwachsenen waren drin, manchmal war auch der Nachbar dabei. Eine Geburt war für uns Pänz absolutes Tabu. Mit 18 Jahren durfte ich zum ersten Mal zuschauen, wie ein Möckelche zur Welt kam, und da war ich gar nicht so besonders angetan von dem zwar sehr natürlichen, für meine Begriffe aber ziemlich unappetitlichen Ereignis. Als Elfjähriger holte ich einmal abends unsere Kühe von der Weide heim, und da lag neben der Rüet (die Rötliche, Tiername) ein neugeborenes Möckelche unter einer der drei hohen Fichten im Gras. Rüet hatte ihren Nachwuchs ohne jede menschliche Hilfe ganz allein zur Welt gebracht und die Prozedur absolut perfekt überstanden.

Möhn
Möhn
war ursprünglich die Bezeichnung für eine ältere Frau. Die alte Bäuerin unserer Kinderzeit war in der Regel bis auf die Knöchel herab schwarz oder zumindest dunkel gekleidet, trug ein fransengeschmücktes Schultertuch und eine altmodische Kopfbedeckung. Diese Erscheinung ist längst aus unserem Alltag verschwunden, die Ur-Möhn findet man allerhöchstens noch im Möhnenzug am Weiberdonnerstag, bei uns in Blankenheimerdorf beispielsweise verkörperte Hedwig Blaschke als Die letzte Möhn die beliebte Traditionsfigur. Karnevalsbedingt sind heute alle beliebig kostümierten Frauen jeglichen Alters zu Möhnen geworden, ihre Anführerin ist die Obermöhn. Heute haftet der Möhn ein etwas herablassender „Beigeschmack“ an, zur Zeit unserer Eltern war es vielfach ein allgemeiner Begriff für „Frau.“ Unter älteren Ehepaaren war beispielsweise meng Möhn (meine Frau) ein ganz normales Wort ohne jede Doppelsinnigkeit. Die Frau ihrerseits nannte ihren Ehemann ebenso selbstverständlich menge Üem (siehe Üem). Ein Kompliment an die Damen des Hauses war früher: Schön os de Möhn, scharmant os de Tant. Das bei Frauen im vorgerückten Alter ungeliebte Fettpolster nennt der Volksmund Möhnefett; ein fad schmeckendes Getränk, besonders Kaffee, ist Möhnewasser oder im krassen Fall Möhnepiss; der Möhnewibbel ist eine Tanzveranstaltung der Frauen besonders an Karneval. Früher bezeichnete man auch einen jämmerlichen, willensschwachen Mann als Möhn, etwa so: Dat os en Möhn, mot dem os nix los.

Möll (weiches ö)
Das Wort bedeutet „Mühle“ und wird mit kurzem scharfem l gesprochen (Beispiel: Tell, Gegenbeispiel: Ball), in den meisten Oberahrortschaften sagt man Müll. Hierbei wird die Aussprache besonders deutlich: Gedehntes l bezeichnet den Abfall, scharfes l die Mühle. Früher besaß jedes Eifeldorf seine eigene Möll, sofern die Ausnutzung der Wasserkraft gegeben war, die Gebäude erzählen heute noch aus jener Zeit, wenn auch der Mühlenbetrieb längst eingestellt wurde, an unserer Oberahr beispielsweise die Ritzdörfer Müll (Ripsdorf), die Räätzer Müll (Reetz), die Driemüll (Dreimühle bei Ahrhütte) oder die Möllemer Möll (Mülheim). In Blankenheim-Wald gab es die Lentges-Möll, so genannt nach ihrem Besitzer Lorenz Lentges, der den Betrieb später an seinen Sohn Johann übergab. Auch Ohm Mattes ließ unser Korn in der Lentges-Möll mahlen, Lentges-Johann war ein kleiner Mann, der rasch jährzornig wurde und nichts mehr hasste als das „braune Regime. Wenn die Rede darauf kam, geriet Johann in maßlose Wut und schrie außer sich: Dann fresst doch Hitler-Bruët, – ein Wunder eigentlich, dass er „ungeschoren“ blieb, die Lentges-Möll stellte um 1965 den Betrieb ein. Eine Möll steht auch bei mir im Regal: Eine jener alten Kaffeemühlen, handbedient, mit Holzgehäuse und Schublädchen, seit Jahrzehnten ausser Betrieb, aber immer noch nach Bohnenkaffee duftend. Als Kinder bastelten wir uns aus einem quadratischen Stück festen Papiers, einem Stöckchen und einem dünnen Nagel ein Möllche (Windmühlchen). Dieses Spielzeug gibt es heute noch aus Kunststoff und in schönen bunten Farben.

Mondspoll (weiches o)
Eine ziemlich seltene, aber treffende mundartliche Bezeichnung für die Mundharmonika, die wörtliche Übersetzung nämlich lautet „Mundspiel.“ Auffällig dabei ist wieder einmal die in Blankenheimerdorf übliche Vokalumwandlung: Aus dem „Spiel“ wir bei uns das „Spoll,“ allerdings nur noch bei den Senioren, die jüngere Generation hat längst das allgemein übliche „Spell“ (weiches e) übernommen. Ein kleines, nur etwa 10 Zentimeter langes Mondspoll war zu unserer Kinderzeit ein sehr beliebtes Alltagsspielzeug, dessen „Dauerbetrieb“ gar nicht so selten den Eltern „auf den Wecker ging“: Zwanzigmal hintereinander „Hänschen klein,“ das strapaziert maachliëchs (sehr leicht) den Hörnerv. Ich war acht Jahre alt, als das Christkind mir ein richtiges großes doppelseitiges Mondspoll bescherte. Das war ich stolz: Keiner meiner Schulkameraden besaß ein solches Instrument. Ich „mußte“ unterdessen allzu oft die Tonkanäle „reinigen,“ das spitze Streichhölzchen bekam den Tonzungen nicht so gut, immer mehr von ihnen versagten den Dienst, das schöne Mondspoll gab den Geist auf. In Blankenheimerdorf gibt es die Mundharmonikagruppe, die im August 1994 durch Johann Friederichs, Johann Friesen, Hans Genzwürker und Klaus Friederichs ins Leben gerufen wurde. Unsere Mondspoll-Männ sind zum unverzichtbaren Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden.

Moss (weiches o)
Andere Bezeichnungen sind Möss, Mess, Meste, gemeint ist in jedem Fall das bäuerliche Erkennungszeichen früherer Jahre: Der Misthaufen. Zu unserer Kinderzeit gehörte der Moss vor der Haustür zum Eifeler Bauernhaus wie die Räder zum Wagen, der Misthaufen war ein Kriterium für die Hauswirtschaft: Viel Mist bedeutete viel Vieh im Stall, und das wiederum hieß Wohlstand. Viele Leute legten Wert auf eine optisch akkurat angelegte Mestekuhl (Mist-, Dunggrube), der Moss vor dem Haus meines Onkels Johann Plützer (Plötzer-Schäng) an der Nürburgstraße war beispielsweise wie mit Zollstock und Lot turmartig senkrecht aufgestapelt und gelegentlich so hoch, dass er nur mit einer Leiter erklommen werden konnte. Die Senioren unter uns erinnern sich vermutlich noch. Der stickstoffhaltige Stallmist war früher für den Bauern als Felddünger unverzichtbar und auch der Kleingärtner holte sich beim Nachbarn en Kaar Moss (eine Karre Mist) für sein Kartoffelbeet. Den Misthaufen von einst ersetzt inzwischen längst stinkende „Gülle“ und die ist im Garten nicht verwendbar. Über den Mist gibt es zahllose „Bauernregeln,“ manchmal auch hintergründige Versionen, hier ein Beispiel: „Liegt des Bauern Uhr im Mist, weiß er nicht, wie spät es ist.“ Ins Dörfer Platt übertragen: Litt dem Buër seng Uhr em Moss, wejß hä net, wie spät et os.

Mossklaatsch (weiches o)
Als im bäuerlichen Betrieb noch Moss (Stallmist) produziert wurde, war die Mossklaatsch ein unentbehrliches Gerät beim Mossfahre (Ausfahren des Düngers aufs Feld), - mangels geeigneter Maschinen übrigens eine echte Knochenschinderei. Der durch lange Lagerung oft zu gewichtigen Schichten komprimierte Dünger musste mit der Mossjaffel (Mistgabel) losgestochert und auf den Ackerwagen geladen werden, und das strapazierte die Armmuskeln ganz gewaltig. Über den Wagenkasten hinaus wurde die Ladung pyramidenförmig aufge- türmt, und hier trat abschließend die selbstgezimmerte Mossklaatsch (Mistklatsche) in Funk- tion, ein gut meterlanges breites Brett mit einem angenagelten langen Stiel. Mit dieser „Klat sche“ wurden die schrägen Seiten der saftigen „Pyramide“ fest und glatt geklopft und dadurch verhindert, dass während der Fahrt über bucklige Feld- und Wirtschaftswege Teile der wertvollen Ladung sich lösten und zu Boden fielen. Die Klaatsch wurde seltsamerweise regional auch Mossbär (Mistbär) genannt. Auf dem Feld wurde die Ladung portionsweise mit dem Mosskaasch (Hacke mit langem Stiel) vom Wagen abgezogen, die Portionen mussten dann noch mit der Moßjaffel jesprejd (gespreitet, verteilt) werden. Die Mistgabel wurde auch Jrejf (Greif) oder Vierzannt (Vierzahn) genannt. Ladekran und Miststreuer ersetzten nach dem Krieg sehr bald die mühsame Handarbeit.

Möüter
Der Möüter ist in etwa mit Schlamm oder Matsch vergleichbar. Meistens wurde der Ausdruck in Verbindung mit sief angewendet, und Möüter sief besagte, dass es sich um eher flüssigen, zumindest aber breiartigen Matsch handelte. Als es noch keine Kanalisation gab, floss das Abwasser aus Küche und Stall offen über das Hofpflaster und versickerte in der Wiese unterhalb des Hauses. An diesen Stellen bildete sich mit der Zeit der klassische Möüter, hier versank der Fuß in übelriechendem zähflüssigem Morast. Innerhalb der Ortschaften wurde das Abwasser durch die offene Kulang (Rinnstein) an den Straßen geleitet und dem nächsten Vorfluter zugeführt. Die Hygiene blieb damals weitestgehend auf der Strecke, aber man kannte es nicht anders. Möüter bildete sich nach längerem Regen nicht selten auch auf den nicht geteerten Dorfstraßen, und daran knüpft sich eine höchst angenehme Erinnerung. Am 24. Juni 1948 und damit genau auf meinem Namenstag, fand ich auf dem Heimweg vom Gymnasium Steinfeld im Möüter der Ortsdurchfahrt von Urft einen Wachstuchumschlag mit 71 D-Mark. Die D-Mark war gerade erst vier Tage „alt“ (die Währungsreform war am 20.06.1948), der Fund war eine Menge Geld und regte mich gewaltig auf. Kein Verlierer meldete sich, beim Fundamt Schleiden wurde uns der gesamte Betrag ausgehändigt. Die Eltern taten noch ein paar DM dazu und ich bekam meinen ersten nagelneuen „guten“ Anzug, dunkelblau, gekauft im damaligen Textilhaus Hermann Knie in Urft.

Muul
Wieder einmal ein Begriff, dessen Geschlecht sich im Dialekt ändert: Die Muul heißt auf gut Hochdeutsch das Maul. Ähnliche Begriffe sind Batsch, Babbel, Bätsch, Beck, Mönkel, Schnöss. Ein Großtuer ist en Jruëßmuul oder ene Muulräppeler, oft auch Schwaadschnöss genannt. Ein Mensch mit einem großen Mund hat en Muul wie en Schüerepoëz (Scheunentor) oder sein Mund ist so groß, dass man en Botz dren weische (eine Hose drin waschen) kann. Von einer ungeliebten Speise löffelten wir Pänz uns meistens nur ganz kleine Portiönchen auf den Teller und wurden von Mam zurecht gewiesen: Scheff dir noch jät noo, dat hie os jo bloß jät für de Muul ze zänke (Schöpf dir noch etwas nach, das hier reicht ja nur, um den Mund zu ärgern). Von einem Schwätzer behauptet man etwas hintergründig: Dem jeht de Muul wie en Entenaasch oder auch dä rappelt wie e Möllewerk (Mühlenwerk). Ein geflügeltes Wort ist Halt de Muul on seng de Waach am Rheng und das soll heißen, dass der Betreffende lieber schweigen soll. Wie man aber den Mund halten und dabei singen kann, das wissen wohl nur die Götter. Das ist so ähnlich wie beim Zahnarzt, der seinem Kunden empfahl: „Es wird jetzt etwas weh tun, beißen Sie die Zähne zusammen und machen den Mund auf.“ Muul wird, wie auch das hochdeutsche Maul, in jedem Fall in negativem Zusammenhang angewandt, das positive „Gegenstück“ ist der Mund.

Muuße
Die hochdeutsche „Maus“ heißt in unserem Dialekt Muus, Maus ist ein relativ häufiger deutscher Familienname, und daraus resultiert Muuße als Hausname der Familie Maus. Ein Anwesen aan Muuße gab und gibt es noch heute in vielen Ortschaften. Das aus einer Jagdhütte hervorgegangene Waldcafe Maus in Nonnenbach (siehe Möckeball) heißt beispielsweise örtlich heute noch aan Muuße, das Stammhaus Maus stand am heutigen „Kirchpfad“ und hieß ebenfalls Muuße. Auch unser heutiges Wohnhaus auf dem „Kippelberg“ in Blankenheimerdorf hieß Muuße, als meine Eltern es im Krieg von der Erbengemeinschaft Breuer kauften. Der alte Hausname ist allerdings inzwischen in Vergessenheit geraten. Unser Haus gehörte dem Ackerer Josef Maus, der es am 06.Februar 1855 seinem Sohn Jacob überschrieb. Der war Schneider, seine Tochter Rosa heiratete Wilhelm Breuer aus Blankenheimerdorf, dessen Sohn Karl das Haus von den Eltern übernahm. Nachdem Karl und sein Bruder Peter in ihre neuen Häuser umgezogen waren, stand Muuße zum Verkauf und wurde von meinen Eltern erworben. Karl und Peter Breuer wurden zeitlebens im Dorf Muuße Karl und Muuße Pitter genannt. Unser Haus heißt heute dorfintern „aan Vossens.“

Muuze
Kaum ein Rheinländer, der beim Wort Muuze nicht postwendend et Kinnwasser kret (Appetit kriegt). Das krapfenartige Siedegebäck gibt es traditionell an den Fastnachtstagen und gelegentlich auch am Silvesterabend. Die rheinische Spezialität ist auch in unserer Eifel zu Hause, es gibt die verschiedensten Fertigungsmethoden. Meistens wird der süße Teig zu rautenförmigen Täfelchen ausgestochen und diese dann im heißen Fett goldgelb gesotten. Bei uns daheim wurden die Muuze nach Augenmaß mit einem Löffel aus dem Teigklumpen herausgestochen, ähnlich wie die Knöddele (Knödel, Spätzle), und im siedenden Schmalz köstlich braun werden lassen. Dann kam Puderzucker drauf, fertig. Heiß aus dem Schmalzpott schmeckten sie am besten, verloren allerdings auch im kalten Zustand nichts von ihrer Vorzüglichkeit. Ich erinnere mich noch, dass mir in meiner Gymnasiumszeit (1948 bis 1953) die Internats-Mitschüler in Steinfeld meine Pausen-Muuze buchstäblich aus den Händen rissen. Das Wort muuzich scheint auf den ersten Blick mit unseren Muuze verwandt zu sein, ist aber eine Umschreibung für „schlecht gelaunt, mürrisch, verdrießlich.“ Wer beispielsweise schlecht geschlafen hat, macht am Morgen e muuzich Jesiëch (ein mürrisches Gesicht). Ein eigensinniger Starrkopf ist ein Muuzekopp, und wer ständig schlecht gelaunt oder ein ewiger Meckerer ist, der heimst sich den Spitznamen Muutzepuckel ein.

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