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27.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Düvelssteen und Düvelskall

Zu seinem 100- jährigen Jubiläum im Jahre 1988 ließ die Ortsgruppe Blankenheim des Eifelvereins unter ihrem Vorsitzenden Herbert Tornow den „Düvelssteen“ im Waldgebiet „Eichholz“, Flur „Urbach“, in „Eichendorf-Felsen“ umbenennen. Die Idee hatte der damalige langjährige Wegewart und ausgewiesener Eifelkenner Wilhelm Müller. Aus Anlaß des Jubiläums war dem Verein vom Bundespräsidenten Carstens die „Eichendorff-Plakette“ verliehen worden für ihre „Verdienste um Wandern, Heimat und Umwelt“. Der in Eichendorffs Lied „Abschied“ von 1810 - besser bekannt mit seinem Anfang „O Täler weit, o Höhen“ - zum Ausdruck kommenden Liebe zur Natur und unserer Eifelheimat fühlt sich der Verein seit je her verpflichtet. „Und sie beseelte wohl auch den Jagdpächter Fremerei, als er den Naturfreund und Hobbymaler Wilhelm Himmels aus Schloßthal schon vor dem 1. Weltkrieg beauftragte, die 3. Strophe dieses Gedichtes („Da steht im Wald geschrieben - “) in einer Lackschrift auf die im Wald anstehende flache Felswand aufzutragen. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte „träumte der Felsen mit der Inschrift ziemlich unbeachtet im Wald vor sich hin, die Verse Eichendorffs verblaßten, Wind und Wetter taten ein übriges, die Schrift wurde fast unlesbar“
(H. Tornow, Festschrift 100 Jahre EV, OG Blankenheim)

Der Text auf dem Felsen lautet:
Da steht im Wald geschrieben ein stilles, ernstes Wort von rechtem Tun und Lieben, und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen die Worte schlicht und wahr, und durch mein ganzes Wesen ward’s unaussprechlich klar.

Daher traf es sich genau richtig, daß die einzigartige Felswand gerade zum Jubiläum wieder in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gelangte: 1986 erfolgte ein Hinweis aus der Bevölkerung. Der Eifelverein veranlaßte, daß der Kultur- und Verkehrsverein Oberahr den Text durch Alois Köthe aus Freilingen erneuern ließ. Dabei wurde die Schrift nicht nur aufgetragen, sondern in den Stein eingemeißelt. Und so hatte das Fest des Eifelvereins im Eichendorff-Felsen mit seiner Inschrift einen natürlichen Mittelpunkt.

Die Stelle wird viel besucht, sie ist auf einem schönen Wanderweg von Nonnenbach aus in 30 min. leicht zu erreichen. H. Tornow schrieb zum Jubiläum: „Der Mensch ist auf dem Wege, die Natur zu beherrschen, aber gleichzeitig spürt Eichendorff mit dem Instinkt des Dichters, daß diese Freiheit nur mit einer Entfremdung von der Natur erkauft wurde. Hier fühlen wir uns mit Eichendorff wieder vereint. Die große Familie des Eifelvereins versucht, die Eifellandschaft zu bewahren, die Umwelt zu erhalten und die Natur im Wandern neu zu erleben.“ Vielleicht kann so der Mensch Josef v. Eichendorff auch für uns Heutige wieder „modern“ werden.

In den aufgestellten Info-Tafeln des Deutsch-Belgischen Naturparks wird dargestellt, was die geologische Forschung zu dieser ungewöhnlichen Fels-Formation zu sagen hat.

Der Felsen besteht aus rotem Sandstein sowie Lagen mit hohem Kies- und Geröllanteil. Vor rund 240 Mill. Jahren wurde das Material durch ein Flußsystem in einer großen Senke abgelagert. Diese sog. „Eifeler Nord-Süd-Zone“ nahm also den Abtragungsschutt der umliegenden Hochflächen auf. Die rote Gesteinsfarbe stammt von einem Eisenoxid-Anteil (Hämatit) und deutet auf ein wüstenähnliches Klima zur Zeit der Ablagerung hin. Bei der Ablagerung des Materials gab es wechselnde Strömungsverhältnisse und Änderungen des Flussbettes. Diese bewirkten die Schrägschichtungen und den Wechsel von feinerem und gröberem Material. Sande wurden bei geringen, Kies bei höheren Fließgeschwindigkeiten abgelagert. Durch den Druck der Sedimente, sie sich über diesen Schichten ablagerten, wurden Sand und Kies in den folgenden Millionen Jahren zu Gestein verfestigt. Unterschiede in der Gesteinshärte haben bewirkt, daß die Verwitterung kleinere und größere Hohlräume zwischen den Schichten hinterlassen hat. Diese Erosion hat auch zur Entstehung der „Düvelskall in einem ebensolchen Sandstein-Felsen - nach rechts ca. 50 m weiter - geführt. Es handelt sich hier um eine niedrige, nur wenige Schritte tiefe Höhle. Sie soll im Krieg bis zum Winter als bombensicherer Unterstand gedient haben. Eine Info-Tafel des Kur- und Verkehrsvereins Blankenheim dagegen nennt diese Höhle „anthropogen“, also von Menschen gemacht. Vielleicht ist dieser Widerspruch dadurch zu erklären, daß die Entstehung eine geologische Ursache hat, die heutige Ausdehnung aber auf menschliche „Nachbesserung“ zurückzuführen ist.

Beim Bau der Bahnstrecke Köln-Trier zwischen 1860 und 1870 wurden an dieser Stelle Steine zum Ausbau des Kaller Tunnels gebrochen. Man sagt, daß dieser Sandstein sich jedoch als unerwartet hart und schwer zu bearbeiten erwies, weshalb sie als „Teufelszeug“ bezeichnet wurden. (Joh. Kirstgen, in: HJb SLE 1951, 92) Es mag dahin gestellt bleiben, ob das der Grund für diesen ungewöhnlichen Namen für die Felswand und die dahinter liegende „Teufelshöhle“ ist. Für Joh. Vossen („R“, Juni 1987) ist eine andere Version wahrscheinlicher: „Düvelssteen“ und „Düvelskall“ lagen früher mitten in einem finsteren, hochstämmigen Fichtenwald, der unheimlich und bedrohlich auf den Wanderer wirkte. Er konnte in früheren Zeiten wohl mit dem Teufel in Verbindung gebracht werden.



     Peter Baales, im März 2011