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20.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Der Name Blankenheimerdorf

Von Peter Baales

In einem vor über 100 Jahren erschienenen Buch finde ich die knappe Bemerkung: „Blankenheimerdorf ist ein uralter Ort, älter als Blankenheim.“ Hier sind auf engstem Raum zwei Aussagen gemacht, zu denen ich im Folgenden einiges ausführen möchte.

Eine einfache Überlegung bringt mich dazu, für unser Dorf ein noch größeres Alter als 1300 Jahre anzusetzen. Gehen wir also einmal davon aus, dass das nun schon so oft genannte „ Blancium“ in der Urkunde der Bertrada von Mürlenbach aus dem Jahre 721 unser Dorf meint.

Einige Zeilen nach dieser Nennung wird genau beschrieben, welchen Umfang die dem neu gegründeten Prümer Kloster übergebenen Güter haben: „Es sind Siedlungen mit Wirtschaftsgebäuden und Feldern, Wiesen, Weiden, stehenden und fließenden Gewässern, Manzipien, Kleidungsstücken, Werkzeugen, Weingärten, bebautem und unbebautem Land, allen beweglichen Gütern und allen festen Bauten.“ Also handelt es sich offensichtlich um eine größere Ansiedlung, um einen für die Zeit recht „stattlichen Fronhof“, ein „mansus“, dessen Bewirtschaftung den Lebensunterhalt der Bewohner sicherstellte und dessen Erträge durchaus ansehnlich waren, da es sich lohnte, sie besonders aufzuzählen bei der Schenkung für das neue Kloster. Und auf den Umfang der Schenkung wird anschließend noch einmal eigens hingewiesen: Die Übergabe soll „totum atque integrum“ (in vollem Umfang und ohne Minderung) geschehen, und dann folgt der Zusatz: „quid in ipsis villis antecessores nostri ibidem tenuerint“ (alles, was schon unsere Vorgänger an diesem Ort besaßen). Wer diese Besitzer-Vorgänger waren und wie lange sie schon in Blancius Eigentum innehatten, wird nicht gesagt.

Aber es scheint Urkundenausstellerin Bertrada sehr wichtig zu sein. Und darum weist sie noch einmal ausdrücklich darauf hin. Demnach muss der Hof schon lange vor dem Schenkungsakt bestanden und einen beträchtlichen Umfang gehabt haben. Genauere Angaben darüber lassen sich natürlich nicht machen. Unser Dorf muss jedenfalls wirklich „uralt“ sein.

Ob vor hundert Jahren dem Verfasser „eines wahrheitsgetreuen und umfassenden Bildes der Vergangenheit unseres Kreises“ das alles bewusst war, ist wohl zu bezweifeln, sonst hätte er sich bei seiner Liebe zu den absonderlichsten Einzelheiten darüber gewiss ausführlich verbreitet und sich nicht mit der einfachen Bemerkung „ist ein uralter Ort, älter als Blankenheim“ begnügt.

Dass „os Dörf“ wesentlich älter als Blankenheim ist, steht für die Forschung seit langem fest. In fast jedem Werk, das sich mit der rheinischen oder lokalen Geschichte befasst und unsern Raum berührt, ist das erwähnt. Der aus Lommersdorf stammende Prof. Heinrich Neu, schrieb in seiner Heimatchronik des Kreises Schleiden:
„An der oberen Ahr war in der Zeit der fränkischen Landnahme die Siedlung Blankenheim, das heutige Blankenheimerdorf, entstanden. Auf dem Bann dieses Dorfes errichtete sich an der alten, von Köln nach Trier ziehenden Straße, ein Edelherrengeschlecht eine Burg“, eben die „Altenburg“. Daher ist „der ältere und innerhalb der Siedlungslandschaft zentral gelegene Ort mit Sicherheit das heutige Blankenheimerdorf, das im frühen Mittelalter Blankenheim hieß.“

Das ist eine „zwar nicht letztlich abgesicherte, aber doch wahrscheinliche Aussage.“

Für die Namensforschung gilt seit langem: Der Name „Blankenheim“ bezieht sich auf „das Dorf auf der Höhe“. Er wanderte erst spät zu der 2 km entfernt im Tal liegenden Siedlung, die anfangs nur einfach „Dhal“ hieß. Auch in der Diskussion über die Herkunft des Namens, ob nun von einem Eigennamen „blancus“ abgeleitet oder von dem Adjektiv „blinkend-waldfrei“ stammend, steht fest, dass der Name mit der Siedlung im Tal nichts zu tun hat, sondern an „dem heutigen Dorf“ haftet.

Dieser „Namensverlust“ hat mit der kirchlichen Entwicklung und der Nähe zum Herrschergeschlecht zu tun. Noch im Jahre 1391 wurde eine Kapelle „im dhal blankenheim“ als Filiale der Pfarrkirche im Dorf auf der Höhe genannt. Die Grafen hatten an ihrem neuen Sitz eine Landesherrschaft mit einer „richtigen Hauptstadt“ errichtet. Diese Siedlung erhielt ihren Namen dann auch von der schon lange vorher existierenden Burg. Das heutige Blankenheim ist also erst im Anschluss an die Burg als „Tal“-Siedlung durch die Initiative der Burgherren entstanden. Den Namen erhielt der Ort dann von der älteren Burg Blankenheim. Und dieser Name ist auf eine noch frühere Siedlung zurückzuführen, da die Endung „-heim“ auf die ältesten fränkischen Siedlungen im Rheinland nach dem Zusammenbruch des Römerreiches zurückweist.

Für den Namen einer Burg ist diese Endung nicht möglich. Echte Burgennamen endigen entweder auf „-eck“ wie Schönecken oder Rolandseck, auf „-burg“ wie Altenburg oder Nürburg, auf „-fels“ wie Drachenfels oder „-stein“ (Hammerstein). Die zeitlich vor dem heutigen Blankenheim und vor der Gründung der Burg Blankenheim existierende Siedlung Blankenheim ist - nach dem derzeitigen Forschungsstand - das heutige Blankenheimerdorf, zumal kirchengeschichtlich „das Dorf“ auch die ältere Pfarrkirche ist. „Das Tal“ erhielt erst 1508 die Pfarr-Rechte, als die hier prächtig gebaute (und heute noch stehende) Kirche zur Mutterkirche erhoben, die Kirche in „villa blankenheim“ aber zu einer „capella curata“ abgestuft wurde. Übrigens gab es damals „im Dhal“ 14 Häuser, „im Dorf“ mehr als 30!

Mit seinem kirchlichen Vorrang verlor das Dorf dann auch seinen Namen „an die Nachkömmlinge“ im Tal. Seitdem ist es „Anhängsel“ von Blankenheim. Ob die früher oft beschworenen und genannten, heute  aber ja längst verschwundenen „Animositäten zwischen denen da unten und denen da oben“ hier ihren Ursprung haben? Heute ist es ja wohl zu einer „guten Nachparschaft von Dorff und Thal Blanckenheym“ gekommen. Tatsache aber bleibt: Blankenheimerdorf ist „die Muttersiedlung“ von Blankenheim!

Unser verstorbener Pfarrer Ewald Dümmer begann seine „Beiträge zur Geschichte von Blankenheimerdorf“ mit folgenden geradezu lyrischen Worten: „Unser Dorf ist ein echtes und gesundes Kind der Eifel. Dort, wo die Ahr sich nach Osten ergießt, die Urft nach Norden sich windet und die Kyll nach Süden strebt, da liegt auf einer BLANKEN und freien Anhöhe Blankenheimerdorf. Du trägst Deinen Namen zurecht!“ 

Vor über 100 Jahren schrieb Johannes Becker, „Pfarrer in Hallschlag bei Stadtkyll“, das Buch, das bis heute grundlegend geblieben ist für jede Beschäftigung mit der Geschichte unserer Heimat: Die „Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim“. Auch er leitet den heutigen Namen ab von dem althochdeutschen „blank = frei liegend, hoch liegend, glänzend, weiß“ und sieht in Blankenheim, „Flecken wie Dorf“, zwei „hochgelegene Orte“. Und er betont dabei ausdrücklich, daß „dieses auch sehr passend erscheint.“ Diese Aussage ist mir schon immer recht seltsam erschienen.

Blankenheim, ein hochgelegener Ort, der in der hellen Sonne blinkt! Dennoch wurde diese Namensdeutung immer wieder neu abgeschrieben. Gleichwohl erscheint sie mir um so sinnloser, je mehr ich mich mit dieser Frage beschäftige. Andere Dörfer in unserer näheren Umgebung liegen meiner Meinung nach mindestens „genau so hoch und frei“ (Tondorf, Lommersdorf, Dollendorf, Ripsdorf), und hier ist der Name eindeutig anders zu erklären und zu deuten. (4)

Ich möchte daher eine neue Erklärung für Blankenheim vorschlagen und im Folgenden darstellen. Ich halte die von mir angebotene Lösung für wahrscheinlicher und plausibler. „Beweisen“ kann ich das natürlich nicht! Zuerst aber ein weiterer Blick in die Geschichte, wie sie sich in den Quellen und in der mir vorliegenden Literatur darbietet.

Im Jahre 1273 wird die neue Burg auf dem steilen Felsen oberhalb der Ahrquelle zum ersten Mal urkundlich genannt, sicher bezeugt ist sie 1341 als „burg ind dal“. Für den sich entwickelnden „Flecken“ bringen die Urkunden alle möglichen Schreibweisen wie Dhall, Dhalle, thall, daille, dale, dalle, daele, dhal, Thall, um die Unterscheidung vom eigentlichen Blankenheim deutlich zu machen, das „von Bauern bewohnt wird“. Bis 1508 blieb der Pfarrsitz im Dorf auf der Höhe, erst 1687 erfolgt die endgültige Trennung von Tal und Dorf. Und über Jahrhunderte hin soll also dieser Widerspruch bestanden haben, daß man einem wachsenden Ort einen unsinnigen Namen beließ, bis man dann endgültig dem „Dorf auf der Höhe“ den Namen nahm und ihm gestattete, durch ein angehängtes „-dorf“ sich von dem „richtigen“ Blankenheim zu unterscheiden. Ob den Grafen und ihren Kanzlei-Schreibern dieser Widerspruch nicht irgendwann aufgefallen ist?

Ich bin der Überzeugung, daß unser Dorfname mit der „freien und hohen Lage, die in der Ferne glänzt“, nichts zu tun hat, auch wenn es in Gesprächen oder in alten und neuen Büchern immer so dargestellt wird.

Zuerst ist nun eine kurze Darlegung von Ergebnissen angebracht, die die wissenschaftliche Namensforschung erarbeitet hat. Wie ein Blick auf eine Karte unserer Heimat zeigt, findet sich gerade in unserer Gegend eine auffallende Häufung von Ortsnamen auf -heim und -dorf. Diese Siedlungen im Bereich der „Eifeler Kalkmulden“ reichen mit ihren Anfängen in die ersten Jahrhunderte nach den Römern zurück. Hier liegen die fruchtbarsten Gebiete der Eifel. Als das Römerreich zerfiel, waren diese fetten Böden für die neu auftretenden germanischen Siedel-Bauern ein begehrtes Ziel. Die Franken siedelten hier und drückten der Eifel ihren Stempel auf. Die Historiker sprechen von der „fränkischen Landnahme“. Daß in unserm Bereich die Römer sehr intensiv die Landschaft geprägt hatten, wissen wir u.a. von der Blankenheimer „villa rustica“, mit deren Ausgrabung schon im Jahre 1894 auf Anregung des damaligen Blankenheimer Bürgermeisters Wassong begonnen wurde. (Es war schon ein Schutzdach errichtet worden, aber dann kam der 1. Weltkrieg dazwischen, und leider zerfiel alles. Heute ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Zwar träumen immer wieder einige davon, die Anlage neu herzurichten, wie jüngst in der Zeitung zu lesen war.) Jeder Eifelfreund dürfte sich über den „Römerkanal“ kundig gemacht haben. Römische Gutshöfe und Römerstraßen hatten den gesamten Raum der Eifel mit einem dichten Netz der Infrastruktur überzogen. Der Untergang des römischen Reiches im 5.Jhdt.n.Chr. bedeutete dann einen entscheidenden Einschnitt: das germanisch geprägte frühe Mittelalter hat durch die fränkische Neubesiedlung der Landschaft die gesamte weitere Siedlungsgeschichte unserer Heimat bis auf den heutigen Tag beeinflußt.

Mit dieser Besitznahme des Landes beginnt in jeder Hinsicht eine neue Zeit. Eine jahrhundertealte Herrschaft geht zu Ende, ein neues Volk beherrscht das Land, eine andere Sprache wird gesprochen, eine neue Wirtschaftsordnung entwickelt sich. War die Eifel bis dahin dünn besiedelt, so erfolgte jetzt eine stärkere, dichtere Besiedlung, von Westen her. Und diese Entwicklung ist bis auf den heutigen Tag vor allem an den Ortsnamen abzulesen. Gerade die -dorf und -heim Namen von Orten des Kölner und Bonner Raumes sind in der Regel sehr alt und gehören zu den in frühester Zeit entstandenen und bis heute erhaltenen Besiedlungsteilen. Es ist sogar die These vertreten worden, daß sich in den vielen -dorf Namen Siedlungen der einfachen Leuten erhalten haben, während sich in den -heim - Namen eher ursprüngliche Adelsgründungen und Herrensiedlungen zeigen.

Grundsätzlich unterscheidet die wissenschaftliche Ortsnamenkunde zwischen natürlich gewachsenen „Naturnamen“ und künstlich entstandenen „Kulturnamen“. Überall dort, wo sich die Dörfer über mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte aus Einzelsiedlungen entwickelt haben, ist die Bildung des Ortsnamens auf natürlichem Wege die Regel. Das bedeutet, daß der Ortsname entweder entstanden ist durch die Betonung einer besonderen natürlichen Lage wie in einem Tal (Dahlem), in der Nähe eines großen Waldes (Holzheim), in einer abgelegenen Ecke = „Luze“ (Losheim), an einem Fluß (Ahrdorf) u.ä., oder er ist vom Namen eines Hofbesitzer, eines Gutsherren, eines Siedlers etc. auf das spätere Dorf  übergegangen. Und genau das gilt in erster Linie für die -dorf- und -heim- Namen unserer Gegend. Durch den Personennamen ist jeweils die neue Wohnstätte eines einzelnen Besitzers, eines Grundherren ausgedrückt. Der neue Name gibt zu erkennen, dass er bewusst gewählt und anerkannt wurde, nachdem der Privatbesitz an Grund und Boden erstarkt und endgültig geworden war. Das gilt zum Beispiel für Uexheim - von Ocko, Hillesheim - von Hildi, Baasem - von Basino, Zingsheim - von Zino, Nettersheim - von Nifthard. Eine Ansammlung von mehreren Anwesen, von dem Feldbau dienenden Höfen wurde bereits in germanischer Zeit durch das Grundwort - dorf bezeichnet. Der ur-sprüngliche Sinn des Wortes wird auf „gerodete Stelle“ zurückgeführt. Das gilt für Lommersdorf - von Chlodmar, Tondorf - von Tundo sowie aus dem Buch von Guthausen: Leudersdorf - von Lindhari, Dollendorf - von Tollo, Ripsdorf - von Ripar, Hüngersdorf - von Humiri, Waldorf - von Walaho, Alendorf - von Aldo usw.

Und meiner festen Überzeugung nach muss man das auch auf unseren Dorfnamen anwenden! Wir haben unsern Namen von einem Siedler, der in der frühen Merowinger- und Frankenzeit hier ein Gehöft baute und ein Gefolgsmann der Edelfrau Bertrada von Mürlenbach war. Und dieser Mann hieß Blankius (bzw. Blancus),.ein Vorname, der zwar „nicht gerade sehr häufig ist“, aber doch, zumindest in seiner weiblichen Form „Blanca“, auch bei uns vorkommt. Wenn man diesen Vornamen in unsere Sprache übersetzen will, wäre „der mit den weißen Haaren“ wohl am sinnvollsten. Ich erinnere daran, daß es auch heute noch im Volksmund durchaus Brauch ist, einen Menschen nach seinem besonderen, auffallenden Äußeren zu benennen wie z.B. „dä Lang“, „dä Deck“ oder „dä Rued“, dann eben auch „dä Wieß“. „Der Gründer“ von Blancium war wohl ein Mann mit auffallend weißem Haarschopf, und das übertrug man auf den Mann selbst und von diesem auf die von ihm begründete Siedlung. Mit meiner Deutung bekommt der Name „Blankenheim“ eine neue, sinnvolle Erklärung. Und sie lässt sich problemlos auch für den heutigen Namensträger, „den Flecken“ im Tal anwenden.

 

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