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27.06.2013




 

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Herzlich willkommen in Blankenheimerdorf

Sein Hobby war die Luftkriegsgeschichte

Am 06. Februar 2009 verstarb nach langer schwerer Krankheit Forstoberinspektor Axel Martin Paul aus Rheinbach. Der Diplomingenieur (FH) Forstwirtschaft wurde am 04. August 1961 in Bad Godesberg geboren, studierte in Göttingen Forstwirtschaft und war seit 1989 Forstbeamter bei der Landesforstverwaltung NRW. Sein Beruf führte ihn in die Eifel. Seit 1995 leitete er den Forstbetriebsbezirk „Ländchen.“ Er wohnte längere Zeit bei uns in Blankenheimerdorf, als er in die Gemeinde Hellenthal umzog, schenkte er mir seine großflächige Regalwand, die er in seiner neuen Wohnung in Oberschömbach nicht mehr verwenden konnte. Axel Paul wurde nur 47 Jahre alt, wir waren beinahe Freunde. Die Erinnerung an ihn veranlasste mich zum Verfassen dieses Beitrags für die Homepage von Blankenheimerdorf.

Axel Paul, wie wir ihn kannten (Repro: Archiv Autor)
Als Forstbeamter war Axel ein großer Natur- und Tierfreund, sein besonderes Hobby war aber die Luftkriegsgeschichte des zweiten Weltkriegs besonders über unserer Eifel. Ein Holzkreuz am Waldrand bei Rheinbach-Loch mit der Aufschrift „Unbekannter deutscher Flieger – 1944“ war schon Anfang der 1970er Jahre für den zwölfjährigen Axel ein Grund zu intensiven Überlegungen : „Wieso ist heute noch der Name des Soldaten nicht bekannt? Das muß doch zuklären sein.“ Ab da befasste er sich mit der Aufklärung von Flieger- und Vermisstenschicksalen und konnte tatsächlich 10 Jahre später den Namen des Piloten ermitteln. Der Erfolg spornte an, Axel fand Gleichgesinnte, die sich die Dokumentation des Luftkriegs 1939 bis 1945 über der Eifel zum Ziel setzten, wobei der Kreis Euskirchen im Vordergrund stand. Im Juni 2003 wurde die Arbeitsgemeinschaft „Luftkriegsgeschichte Rhein / Mosel e.V.“ gegründet, Axel Paul wurde zum 1. Vorsitzenden bestimmt. In Vaters Schreinerwerkstatt habe ich gelegentlich kleinere Arbeiten für die Luftkriegs-AG ausgeführt und Axel hat mir dafür das Buch „Vom Feindflug nicht zurückgekehrt“ geschenkt, das er zusammen mit Frank Güth und Horst Schuh geschrieben hat und das mir wegen der Original-Signatur ein wertvolles Andenken an den Verstorbenen ist.

Der Name Axel Paul besitzt an unserer Oberahr guten Klang. Am 13. Oktober 2004 dokumentierten er und sein Mitstreiter Frank Güth im Verlauf einer informativen Veranstaltung im Haus des Gastes, in Wort und Bild das Luftkriegsgeschehen über Blankenheim, in dessen Verlauf es wiederholt zu Flugzeugabschüssen kam. Eine bedeutende Rolle spielte dabei der amerikanische Jagdbomber P 38 Lightning. Maschinen dieses Typs stürzten unter anderem am Schillertsberg in Blankenheim, im Ahrtal gegenüber der Reetzer Mühle und im Wald bei Nonnenbach ab. Letzteren Absturz hatte ich seinerzeit als Zehnjähriger beobachtet. Die P 38 war im Krieg als „Doppelrumpf“ allgemein gefürchtet.

Der Jagdbomber P 38 Lightning (Bild : Archiv Axel Paul)
Axels Hobby war der Anlass für unsere Fast-Freundschaft. Im Dezember 1996 hatte ich in meinem Eifelbuch „So war´s bei uns“ den Flugzeugabsturz oberhalb von Nonnenbach beschrieben. Daraufhin meldete sich Axel Paul und ließ sich die ganze Geschichte noch einmal detailliert erzählen, soweit sie noch in meiner Erinnerung vorhanden war. Die Lightning wurde damals bei einem Angriff auf das Heeres-Munitionsdepot „Kaiserhaus“ bei Schmidtheim abgeschossen und stürzte in der Nähe der heutigen Pension Maus in flachem Winkel in den Wald. Der Pilot sprang aus der Maschine, wegen der geringen Höhe öffnete sich aber der Fallschirm nicht mehr. Der Tote wurde geborgen und am Waldrand beerdigt, später exhumierten ihn dort die Amerikaner.

Am 01. März 1997 fuhr ich mit Axel Paul und Wolfgang Meyer zur Absturzstelle. Wolfgang Meyer ist freiberuflicher Journalist, im Mai 2003 hat er im Rahmen einer Rundfunksendung des WDR über die AG Luftkriegsgeschichte berichtet. An jenem 1. März war es ungemütlich kalt, die Suche nach der genauen Absturzstelle gestaltete sich zunächst recht schwierig, weil aus dem ehemaligen Wald inzwischen Feld- und Wiesengelände geworden war. Wir suchten eine Weile vergeblich, bis sich unvermittelt am Wegrand ein Metallteil fand, das die beiden Experten sofort als Kipphebel eines Allison V-1710-Motors identifizierten. Damit stand für sie fest : In der Nähe ist eine Lightning abgestürzt. Alles Weitere war ein Kinderspiel. Auf der angrenzenden Wiese und besonders auch auf dem nahe gelegenen und frisch bearbeiteten Acker fanden sich Metallteile in Fülle, die Absturzstelle war lokalisiert.

Axel Paul und Wolfgang Meyer bei der Spurensuche in Nonnenbach am 01.03.1997  (Foto :Manfred Hilgers )
Jetzt kam die Sache ins Rollen, die Luftkriegs-AG wurde aktiv und ermittelte in zeitaufwendigen Recherchen, dass die P 38 am 23. Januar 1945 um genau 12,10 Uhr abstürzte, ausgerechnet an meinem 10.Geburtstag. Der Pilot war Leutnant Leon V. Croxton aus Upton, Wyoming, noch nicht ganz 23 Jahre alt, er war erst ein knappes Jahr im Dienst. Er war mit seiner P 38 in Florennes-Juxaine (Belgien) zum Einsatz gestartet und kehrte nicht mehr zurück : „Missing in action“ (vermisst). Am 15. März 1945 öffneten die Amerikaner das Feldgrab am Waldrand und stellten an Hand der Erkennungsmarke fest, das Leon V. Croxton bei dem erwähnten Einsatz ums Leben kam: „Killed in action.“ Ich erinnere mich noch: Bei unserem Haus hielt ein „kleiner Lastwagen“ (so nannten wir in Unkenntnis der englischen Sprache den Jeep). Es saßen da ein paar „Höhere“ drin, wie wir an den diversen Orden oder Abzeichen an den Uniformen zu erkennen glaubten. Einer von ihnen sprach gut Deutsch und wollte von mir erfahren, wo der Pilot eines hier abgestürzten Flugzeugs begraben sei. Aus dem Hof kam aufgeregt „Mam“ (Mutter) herbeigestürzt und nahm mich unter ihre Fittiche: „Was wollen die Amis von dir?“ Rasch klärte sich alles auf, wir beschrieben den Weg zum Feldgrab und ich bekam als Dankeschön einen Haufen Schokoladenriegel. Die Aufregung hatte sich gelohnt.

Das alles liegt nunmehr fast 65 Jahre zurück und müsste eigentlich längst vergessen sein. Die Erinnerung an Axel Paul hat unterdessen die Ereignisse wieder lebendig werden lassen. Ich sah damals Leon V. Croxton aus seinem Flugzeug fallen ohne zu wissen, dass da ein Mensch in den Tod stürzte, ich erkannte lediglich „einen dunklen Gegenstand.“ Die Lightning flog zu diesem Zeitpunkt schätzungsweise kaum noch 100 Meter hoch, der Fallschirm konnte sich nicht mehr öffnen. Leon war geboren am 24.03.1922 und starb praktisch vor meinen Kinderaugen, die damals noch wenig vom Kriegsgeschehen begriffen. Die Eltern Leons wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihr Sohn am 23.01.1945 im Einsatz ums Leben gekommen sei. Das Leid ist das gleiche, ob bei uns oder in Übersee…

Peter Drespa, der römische Legionär von Olbrück (Foto : Hejo Mies)Ein weiteres Hobby Axels war die Geschichte der Römer in der Eifel. Am 26. Juni 2004 lud er zu einer Exkursion an den Aufschluß „Römerstraße“ im Waldbereich Olbrück und zur nahe gelegenen österreichischen „Batterie“ ein. Die Teilnehmer – leider waren es nicht allzu viele – erfuhren eine ganze Menge Wissenswertes und erlebten am Ziel eine dicke Überraschung. Da nämlich trat ihnen ein römischer Legionär in den Weg, ein römischer Soldat in originalgetreu nachgebildetem eisernen Schienenpanzen, mit Tunika und lederner Unterkleidung, mit schwerem Wurfspeer, kurzem Stichschwert und Dolch als Bewaffnung, mit Eisenhelm als Kopfschutz und mit Ledersandalen an den bloßen Füßen. Der Legionär kam aus Dahlem, er heißt Peter Drespa, ist Militärhistoriker und hat sich die römische Rüstung nach jahrelangem Studium originalgetreu und eigenhändig angefertigt.

Die Legionärsausrüstung wurde uns durch Axel Paul im Detail erläutert. Während des Vortrags kosteten wird römischen Würzwein und Brot, hergestellt nach dem Kochbuch des Marcus Gavius Apicius (Anfang 1. Jahrhundert nach Christus). Wesentlicher Bestandteil des Getränks ist Honig. Der Würzwein mundete uns ausgezeichnet und machte nach einer Weile sogar ein wenig „munter.“ Da wir unterdessen unsere Autos im Dorf zurückgelassen hatten, war diese Munterkeit bedeutungslos.

Wein und Brot zur Stärkung an der Römerstraße (Foto : Hejo Mies)Am überdachten Aufschluß der Römerstraße im nahen Wald referierte der Experte über den Bau und die Herstellung dieser Fahrwege, die damals als Direktverbindungen zwischen größeren Ansiedlungen – hier Köln und Trier – von großer Bedeutung waren. Schließlich erläuterte uns Axel noch die österreichische Geschützstellung an der ehemaligen Bundesstraße 51. Der Laie erkannte hier lediglich ein mit verwildertem Buschwerk bestandenes Areal. Zum Ende des 18. Jahrhunderts war es aber eine bogenförmige Erdschanze als Geschützstellung der Österreicher gegen die anrückenden Franzosen. Tatsächlich ist aber aus dieser „Batteruie“ nie ein Schuss abgefeuert worden. Bevor es nämlich zu Kampfhandlungen kam, hatten sich die Österreicher abgesetzt weil sie fürchteten, von den Franzosen umgangen zu werden.


Römerwein und Fladenbrot für die Rathausbesucher (Foto : Autor)
Im Oktober 2003 präsentierte Axel Paul im Blankenheimer Rathaus eine Ausstellung zum Thema „Reiseverkehr und Handel auf der Römerstraße.“ Bei der Eröffnung am 30. September wurden die Besucher mit römischem Fladenbrot und einem „Römertrunk“ bewirtet, der sogar dem eingefleischten Bierfreund mundete. In einem spannenden Referat erläuterte Axel die Themen „Bevor die Römer kamen – Eroberungsversuche – Die Römer in der Eifel – Siedlungen und Wirtschaft – Bestattungssitten und Religion – Das Ende der Römerherrschaft.“ Die Ausstellung dauerte bis Ende Oktober und fand viel Beachtung bei den Rathausbesuchern.

Oscar posiert für den Zeitungsreporter (Foto : Autor)
Wenn von Axel Paul die Rede ist, darf auch Rauhhaardackel „Oscar“ nicht unerwähnt bleiben. Er war „Jahrgang 1996“ und begleitete Axel auf Schritt und Tritt, egal wohin die Reise ging. Suchte Herrchen in Wald und Feld nach Flugzeugteilen, so stöberte Oscar mit, und wenn Axel einen Vortrag hielt, machte der Dackel es sich unter dem Rednertisch bequem. Er war immer dabei, Axel Paul ohne Oscar, das hat man selten beobachtet.







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